Beachsoccer
Erfolgsstory im Sand: Die Schweiz hat sich an der Weltspitze etabliert – auch dank Rasen-Fussballstars

Die Schweizer Beachsoccer-Nati ist bereits hochdekoriert. Dabei gibt es den Trendsport hierzulande erst seit 2001. Bekannt gemacht haben ihn unter anderem Ex-Fussballstars wie Alain Sutter und Dario Zuffi.

Leo Eiholzer
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Star der Schweizer Beachsoccer-Szene: Moritz Jaeggy.

Star der Schweizer Beachsoccer-Szene: Moritz Jaeggy.

Keystone

Seit Jahren gehört die Schweiz zu den Spitzennationen im Beachsoccer: WM-Final 2009, EM-Sieger 2005, vier EM-Final-Teilnahmen. Währenddessen kommen führende Rasenfussball-Nationen wie Deutschland oder England überhaupt nicht auf Touren. Dabei gab es den Sport in der Schweiz vor 2001 noch gar nicht.

Dass die Schweiz sich nun berechtigte Hoffnungen auf eine Top-3-Platzierung an der WM machen darf, hat in erster Linie mit einer Gruppe von Männern zu tun: Angelo Schirinzi, Reto Wenger, Dejan Stankovic, Moritz Jaeggy und ihre Mitspieler sind teilweise schon seit 18 Jahren Teil der Schweizer Beachsoccer-Szene.

Cantona als Vorbild

Im Jahr 1999 sieht der damals 27-jährige Angelo Schirinzi die Fussball-Legende Eric Cantona in Monaco Beachsoccer spielen. «Ich habe nicht gewusst, was das ist. Aber am nächsten Tag bin ich direkt nach Monaco gereist und habe den Verantwortlichen gesagt, die Schweiz müsse da auch dabei sein», sagt Angelo Schirinzi.

«Daraufhin habe ich mich bei Beach Soccer Worldwide, das fast alle grösseren Beachsoccer-Turniere ausrichtet, beworben. Ich wollte mit einer Schweizer Mannschaft an deren Events antreten.»

Schirinzi reif 2001 die erste Schweizer Beachsoccer-Mannschaft ins Leben.

Schirinzi reif 2001 die erste Schweizer Beachsoccer-Mannschaft ins Leben.

Keystone

Zusammen mit Mitstreiter Reto Wenger musste Schirinzi eine Mannschaft aufstellen: «Ich habe einige Ex-Profispieler angefragt, die ich aus meiner Zeit im Rasenfussball kannte», sagt Schirinzi. So nahmen 2001 Alain Sutter, Dario Zuffi, Thomas Bickel und weitere Ex-Stars an mehreren Turnieren teil.

Die grossen Namen erzeugten Aufmerksamkeit, obwohl die sportliche Bilanz durchzogen war. «Dadurch wurde die Sportart schnell bekannt, was bei der Sponsorensuche half», so Schirinzi.

Goldene Generation

Im Jahr 2002 baute die Stadt Basel einen Beachsoccer-Platz neben dem St. Jakob-Park, damit die neu gegründete Nationalmannschaft trainieren konnte. Dennoch kam das Team nicht auf Touren.

«Mir war klar, dass wir Beachsoccer-Spezialisten ausbilden müssen, um erfolgreich zu sein. Wir wollten ein Projekt aufbauen, eine Nationalmannschaft, die viermal pro Woche trainiert. Also habe ich junge Spieler kontaktiert, deren Potenzial ich bei unseren kurzen Beachsoccer-Events gesehen habe.»

So kam die goldene Generation um Dejan Stankovic und Moritz Jaeggy an Bord, die nun alle schon einige hundert Länderspiele für die Schweiz bestritten haben. Bereits 2005 konnten die Früchte der harten Arbeit geerntet werden: Die junge Truppe gewann völlig überraschend die Europameisterschaft.

Da wird selbst Shaquiri neidisch: Ein Fallrückzieher-Tor von Stankovic im Video.

Danach wurde die Schweiz drei weitere Male Vize-Europameister. 2009 gelang mit dem Vorstoss in den WM-Final der bislang grösste Erfolg (5:10-Niederlage gegen Brasilien). «Seither gehören wir zu den Top 4 der Welt.»

Wann wird Beachsoccer olympisch?

Vor einem Jahr wurde die Beachsoccer-Nati vollständig in den schweizerischen Fussballverband (SFV) integriert. «Wir sind nun die 15. Nationalmannschaft des SFV», sagt Schirinzi. «Wir haben die Zusammenarbeit intensiviert, weil wir hoffen, dass wir mit der Strahlkraft des Verbandes mehr Aufmerksamkeit für die Sportart erzeugen können.»

Das finanzielle Engagement des SFV für den Beachsoccer beschränke sich laut Schirinzi auf die Reise- und Unterkunftskosten sowie Spesenentschädigungen.

Hat die Schweiz bald Chancen auf olympisches Edelmetall? Sprich: Wann wird Beachsoccer olympisch? «Ich denke, das wird in absehbarer Zeit passieren», sagt Schirinzi. «Die grösste Hürde ist, dass die Fussballsportarten an den Olympischen Spielen bereits extrem stark vertreten sind. Bei einer Aufnahme von Beachsoccer ins olympische Programm würde Fussball noch stärker werden. Es ist aber auch so schon extrem viel gelungen: Wenn mir vor 15 Jahren jemand gesagt hätte, dass im Beachsoccer eine Fifa-WM stattfinden würde, wäre meine Antwort gewesen: Davon träume ich nicht einmal.»