Super League
Ernüchterndes Ende einer guten YB-Woche

Im Spiel 1 nach seiner Vertragsverlängerung erzielt Guillaume Hoarau ein Tor und bereitet eines vor, doch dies reicht gegen St. Gallen nur zu einem 2:2.

Markus Brütsch
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YBs Neuzugang Roger Assale, rechts, erzielt den Ausgleich gegen St. Gallens Goalie Daniel Lopar.
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YBs Guillaume Hoarau verwertet den Penalty.
Bern YB - FC St. Gallen 18.02.2017
Für die St. Galler war das Unentschieden in Bern ein kleiner Erfolg.

YBs Neuzugang Roger Assale, rechts, erzielt den Ausgleich gegen St. Gallens Goalie Daniel Lopar.

Keystone

Drei Tage nach der Verlängerung seines Kontraktes bis 2020 hat sich Guillaume Hoarau auf seine spezielle Art für das Vertrauen der Young Boys bedankt. Schon nach 11 Minuten versenkte er gegen St. Gallen eiskalt einen Penalty, und 13 Minuten vor Schluss bereitete er mit einer tollen Direktabnahme den 2:2-Ausgleich des Debütanten Roger Assalé vor. Hoarau wies einmal mehr nach, einer der besten Stürmer zu sein, die je im Schweizer Fussball engagiert waren.

Und sehr gute Stürmer hat es in der höchsten Spielklasse schon viele gegeben. Als sie noch NLA hiess, waren Karl-Heinz Rummenigge, Ivan Zamorano, Sonny Anderson, Wynton Rufer und Giovane Elber grosse Namen. Nach der Umbenennung in Super League haben Akteure wie Stephan Chapuisat, Richard Nuñez, Seydou Doumbia, Emile Mpenza, Alex Frei und Marco Streller für Schlagzeilen gesorgt. Aber Hoarau lässt sich bedenkenlos an diese Reihe anhängen. Der YB-Angreifer ist derzeit die grösste Attraktion der Liga und Ende Januar zu Recht als ihr bester Spieler ausgezeichnet worden.

Es ist daher nur gut für die Super League, haben die Young Boys in dieser Woche den Vertrag mit dem Topstar vorzeitig um zwei Jahre verlängert. «Hoarau ist ein absoluter Leader – auf und neben dem Platz», sagt Sportchef Christoph Spycher. «Er ist einer, der mit Taten vorangeht und für die jungen Spieler eine grosse Stütze ist.»

Es ist ein starkes Signal, das die Klubführung damit an die YB-Anhänger und auch an die Konkurrenz abgeschickt hat. Es bringt zum Ausdruck, dass Gelb-Schwarz weiterhin grosse Ambitionen hat. Noch im vergangenen Herbst, nach der Trennung von Sportchef Fredy Bickel und den angekündigten Sparübungen, war der Eindruck aufgekommen, die Berner müssten künftig kleinere Brötchen backen.

Weil aber in dieser Woche neben Hoarau auch die Verträge des Mittelfeldkraftwerks Sékou Sanogo und des Mittelfeldtalents Michel Aebischer verlängert wurden, ist davon auszugehen, dass YB eine Spitzenmannschaft bleibt. Ob diese auch einmal in der Lage sein wird, den FC Basel ernsthaft anzugreifen, muss indes abgewartet werden.

Guillaume Hoarau, Stürmer von YB

«Die persönlichen Auszeichnungen haben mich zwar gefreut. Aber lieber hätte ich es, wenn ich mit YB Titel gewinnen könnte.»

Mit Mvogo, von Bergen, Sanogo, Ravet und Hoarau verfügt YB über eine starke Achse und hat damit ein stabiles Gerüst, das geeignet ist, um Talente aus der starken Nachwuchsabteilung an den Spitzenfussball heranzuführen. Bickel-Nachfolger Spycher hat vielversprechende erste Arbeitsmonate hinter sich und mit dem gestrigen Torschützen Assalé möglicherweise ein Juwel an Land gezogen. Vielleicht schafft er tatsächlich den Spagat, einerseits den vorgegebenen Sparkurs einzuhalten, ohne andererseits allzu grosse Abstriche bei der sportlichen Qualität zu machen.

Natürlich geht YB im Fall von Hoarau auch ein gewisses Risiko ein. Immerhin wird der Franzose im März bereits 33 Jahre alt. In der Vergangenheit haben ihm auch immer wieder Verletzungen arg zu schaffen gemacht. Hoarau sieht keine Probleme: «Ich habe mich nicht für drei weitere Jahre verpflichtet, um mich zurückzulehnen.» Die persönlichen Auszeichnungen hätten ihn zwar gefreut, sagt Hoarau, «aber lieber hätte ich es, wenn ich mit YB Titel gewinnen könnte».

Hoarau hat im Winter Offerten anderer Klubs wie Olympique Lyon abgelehnt und sich zu YB bekannt. «Ich freue mich auf jedes Training hier und fühle mich seit nun bald drei Jahren sehr wohl in Bern», sagt Hoarau, der in der Hauptstadt Begleiter gefunden hat, um einer seiner grossen Leidenschaften zu frönen: der Musik.

Telegramm

Young Boys - St. Gallen 2:2 (1:0)

13'186 Zuschauer. - SR Bieri. - Tor: 11. Hoarau (Foulpenalty) 1:0. 59. Ajeti (Buess) 1:1. 63. Buess 1:2. 77. Assalé (Hoarau) 2:2.

Young Boys: Mvogo; Sutter, Nuhu, Von Bergen, Lecjaks; Sanogo (68. Bertone), Zakaria (87. Frey); Schick, Ravet, Sulejmani (68. Assalé); Hoarau.

St. Gallen: Lopar; Hefti, Haggui, Schulz; Aratore, Toko, Gelmi, Wittwer; Barnetta (83. Tafer); Ajeti (89. Salihovic), Buess (74. Wiss).

Bemerkungen: Young Boys ohne Benito, Wüthrich, Seferi, Gerndt (alle verletzt), Joss, Obexer (beide U21) und Gajic (nicht im Aufgebot). St. Gallen ohne Mutsch, Gaudino und Gouaida (alle nicht im Aufgebot). 24. Mvogo lenkt Kopfball von Haggui an den Pfosten. Verwarnungen: 11. Barnetta (Reklamieren). 18. Sanogo (Foul). 41. Ajeti (Foul). 55. Haggui (Foul). 72. Ravet (Hands). 94. Salihovic (Foul).

Die andere aber ist das Toreschiessen. In La Réunion aufgewachsen, mit 19 Jahren nach Frankreich gekommen und mit Paris Saint-Germain unter Trainer Carlo Ancelotti französischer Meister geworden, hat Hoarau auch fünf Länderspiele für Frankreich bestritten. Gestern hat der 1,92-Meter-Mann in seinem 395. Pflichtspiel seinen 170. Treffer erzielt.

Zum 13. Mal hintereinander hat er einen Penalty verwandelt und für YB im 86. Spiel sein 62. Tor geschossen. Das sind eindrückliche Werte. Weil seine Teamkollegen aber in der Defensive nicht konzentriert genug waren und Ajeti (59.) und Buess (63.) zwei Tore ermöglichten, reichte es − trotz Hoarau − nur zu einem 2:2.