Eishockey

«Es ist ein Final – nur das zählt»: Leonardo Genoni, der Wechsel und Prinzipien

Leonardo Genoni steht im Mittelpunkt des Interesses: Er wechselt auf die nächste Saison zum Finalgegner Zug.

SC-Bern-Goalie Leonardo Genoni steht im Playoff-Final unter spezieller Beobachtung, weil der Gegner aus Zug sein zukünftiger Arbeitgeber ist. Deswegen bricht er mit einem seiner Grundprinzipien, doch er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.

Leonardo Genoni ist ein Mann der Prinzipien. Dass seine Goalie-Karriere bisher so erfolgreich verlaufen ist, kann kein Zufall sein. Mit dem HC Davos feierte er drei Meistertitel, mit dem SCB einen. Und im vergangenen Mai hexte er die Schweizer Nationalmannschaft in Dänemark zu WM-Silber. So ein Palmarès erarbeitet sich ein Torhüter nur, wenn er mit viel Talent gesegnet ist – und auch mental auf höchstem Niveau agiert.

Jetzt steht Leonardo Genoni erneut im Playoff-Final und nimmt Anlauf, seinen zweiten Triumph in den Farben der Berner zu feiern. Doch im Weg steht ihm dabei ausgerechnet der Klub, für den er ab der kommenden Saison das Tor hüten wird: der EV Zug.

Eine derart spezielle Affiche führte nun dazu, dass Leonardo Genoni mit einem seiner Grundprinzipien brach und sich vor dem ersten Finalduell den Fragen der Journalisten stellte. Denn normalerweise beherzigte der 31-Jährige während der Playoffs in den letzten Jahren eine strikte «Silenzio stampa» – und gab konsequent keine Interviews, bis die letzte Schlacht geschlagen war.

Keine Schuld an der Niederlage

Es dürfte reiner Zufall sein, dass Genoni und dem SC Bern der Auftakt in die Finalserie misslang. Der EV Zug gewann das erste Spiel in Bern am Donnerstag mit 4:1. An den drei Gegentreffern (der vierte fiel ins leere Tor) konnte man dem SCB-Keeper keine Mitschuld geben. Selbst wenn es so wäre, wäre es ein Hohn, ihm das anzukreiden. Denn: Ohne die zahlreichen, fehlerlosen und aussergewöhnlichen Leistungen des Kilchbergers würde der SC Bern vermutlich gar nicht in dieser Finalserie stehen.

Dabei sah es zu Beginn der aktuellen Playoff-Kampagne aus Sicht Genonis nicht allzu rosig aus. Nicht nur die Mannschaft hatte im Viertelfinal grosse Mühe gegen den krassen Aussenseiter Servette Genf. Immer wieder gaben die Berner Spiele aus der Hand, die sie eigentlich sicher im Griff hatten. Auch deshalb, weil der Berner Schlussmann nicht die gewohnte Ausstrahlung hatte.

Leonardo Genoni sagt: «Die Gegentore gegen Genf fielen auf eine Weise, bei der du sagen musstest: Die nächsten 99 Schüsse, die so aufs Tor kommen, werden sicher nicht reingehen.» Nervös sei er durch den unglücklichen Lauf der Dinge nicht geworden. «Das darfst du als Goalie nie sein. Sonst machst du den Schritt zurück und bist jedes Mal zu spät. Beginnst du zu zweifeln, ist es vorbei.»

Eine Aussage, die die ausserordentlichen, mentalen Qualitäten Genonis auf den Punkt bringt. In der Halbfinalserie gegen den EHC Biel, in welcher die Berner mehr als einmal gewaltig in Rücklage gerieten, zeigte der 84-fache Nationalgoalie zu den kritischsten Zeitpunkten die besten Leistungen.

Was auch mit seiner eigenen Wahrnehmung übereinstimmt: «Ich wusste: Der Körper stimmt. Die Augen stimmen auch. Das ist für einen Goalie sehr wichtig. Unser Weg war bisher eine Willensleistung – auch von meiner Seite. Aber es gibt immer Verbesserungspotenzial.» Schaut man sich Leonardo Genonis Playoff-Statistiken der aktuellen Saison an, dann kann man sich allerdings mit Recht fragen, ob das wirklich stimmt. 1,78 Gegentore pro Schnitt, 94,27 Prozent Fangquote. Das sind fantastische Werte. Werte, die sich eher nach unten als nach oben korrigieren, wenn man den «normalen» Massstab zur Hand nimmt.

Keine anderen Gedanken

Und, damit wir diese Frage doch noch geklärt hätten: Wie ist es denn jetzt für Leonardo Genoni, gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber antreten zu müssen? Seine Antwort fällt typisch pragmatisch aus: «Es ist ein Final – das zählt. Andere Gedanken gibt es nicht. Ich bin sehr stolz auf unsere Mannschaft; stolz darauf, was sie bisher geleistet hat. Wir haben uns aus schwierigen Situationen befreit, die Finalteilnahme verdient.» Der Weg zum Titel ist aber noch ein weiter. Ohne einen Genoni in Hochform wird der Gipfel für die Berner vermutlich unerreichbar bleiben.

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