Europameisterschaft
Tschechien ist nach dem Sieg gegen die Niederlande auf Nedveds Spuren vom Sommer 2004

Tschechien steht dank eines 2:0-Sieges gegen die Niederlande im Viertelfinal – und lässt in Erinnerungen an die Euro 2004 schwelgen.

Raphael Gutzwiller
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Das klare Handspiel von Matthijs de Ligt (links) im Duell mit Patrik Schick.

Das klare Handspiel von Matthijs de Ligt (links) im Duell mit Patrik Schick.

EPA

Es ist die Szene des Abends: Matthijs de Ligt fällt im Duell mit Patrik Schick hin, der auf das Tor der Niederländer zulaufen könnte. De Ligt stoppt den Ball mit der Hand als hinterster Mann – und sieht folgerichtig schon in der 55. Minute die rote Karte. Es ist der Moment, in dem ein ohnehin verkorkster Abend aus niederländischer Sicht eine Katastrophe wird.

Danach geben die Niederländer dieses EM-Achtelfinale gegen Tschechien komplett aus den eigenen Füssen. Die Tschechen drücken auf das Führungstor, Tomas Holes erzielt es per Kopf. Zwölf Minuten später bereitet er das zweite Tor mustergültig vor. Schick trifft bereits zum vierten Mal in diesem Turnier. Danach ist die Frage nach dem Sieger geklärt.

Holes gewinnt das Duell im Zentrum gegen Wijnaldum

Tomas Holes (Mitte) jubelt nach seinem Treffer zum 1:0.

Tomas Holes (Mitte) jubelt nach seinem Treffer zum 1:0.

Alex Pantling / Pool / EPA

Für die Niederlande endet die Europameisterschaft damit mit einem überraschenden Dämpfer. Und doch geht das Ausscheiden in Ordnung. Nur in den Startminuten zeigen sich die Niederländer ähnlich, wie sie als souveräner Gruppensieger aufgetreten waren, danach als die Tschechen ihre Anfangsnervösität abgelegt hatten, kamen die Favoriten nicht mehr zur Entfaltung. Sinnbildlich dafür steht der Captain Georginio Wijnaldum, der nicht nur bei den Gegentoren schlecht verteidigt, sondern sich auch im Offensiv- und Aufbauspiel nie in Szene setzen kann.

Georginio Wijnaldum (links) bleibt ohne Wirkung gegen Tschechien und Tomas Holes.

Georginio Wijnaldum (links) bleibt ohne Wirkung gegen Tschechien und Tomas Holes.

EPA

Auch das hat mit dem bärenstarken Tomas Holes zu tun. Der Mittelfeldspieler von Slavia Prag, der erst während des Turniers zum Stammspieler wurde, dominiert im Mittelfeld seinen prominenten Gegenspieler in allen Belangen. Er reagiert schneller als Wijnaldum, läuft Bälle ab, gewinnt Zweikämpfe. Gleichzeitig schafft es Holes sich immer wieder ins Angriffsspiel der Tschechen einzuschalten.

Ganz im Gegensatz zu Wijnaldum, der danach sichtlich bedient in die Mikrofone sagte: «Wir sind eigentlich als Team gewachsen in der Gruppenphase. Aber diese Partie von uns war einfach schlecht. Nun geht es nach Hause. Das ist peinlich, aber Realität.» Eine realistische Chance auf einen Treffer für die Oranje hatte lediglich Donyell Malen, der nach einer Einzelaktion am gut reagierenden Tomas Vaclik scheiterte.

Auf der Gegenseite zauberten je länger die Partie dauerte immer mehr die Equipe aus Tschechien. Es ist ein Team, das nicht durch grosse Namen, dafür durch viel Herz und Mentalität glänzt. Zudem ist es eine eingespielte Truppe. Viele Akteure spielten oder spielen bei Slavia Prag, bringen den physischen und pressinglastigen Spielstil des tschechischen Meisters mit ins Nationalteam.

Erinnerungen an 2004 werden wach

Der Jubel nach dem 2:0 im EM-Viertelfinal 2004 der Tschechen gegen Dänemark: Pavel Nedved (links) und Torschütze Milan Baros feiern.

Der Jubel nach dem 2:0 im EM-Viertelfinal 2004 der Tschechen gegen Dänemark: Pavel Nedved (links) und Torschütze Milan Baros feiern.

EPA

Tschechien, genau so wie die Niederländer 2018 nicht für die WM qualifiziert, spielt dank des Einzugs in den Viertelfinal das beste Turnier seit der Europameisterschaft 2004. Damals mit einer goldenen Generation rund um Pavel Nedved, Tomas Rosicky und Milan Baros angetreten, endete der Titeltraum der Tschechen erst in der Verlängerung des Halbfinals an Griechenland. Der Gegner im Viertelfinal von 2004: Dänemark. Gegen die Dänen geht es auch diesmal, am Samstag steigt die Viertelfinalpaarung in Baku. Und die Tschechen haben nach diesem Auftritt Lust nach mehr.

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