Er wolle es nicht als Kritik an seinem Vorgänger Paulo Sousa verstanden haben. Das betont Urs Fischer. Und doch sind die Worte des scheidenden Cheftrainers des FC Basel deutlich: «Wir haben es uns zum Ziel genommen, es nicht gleich zu machen wie es vor zwei Jahren gehandhabt wurde.» Vor zwei Jahren, da stand der FCB zuletzt im Cupfinal. In einem, der aus Basler Sicht schlicht zum Vergessen war. Nicht den Hauch einer Chance hatte man gegen ein entfesseltes Sion.

Die damalige Ausgangslage, sie war ein ähnlich wie die am Donnerstag. Der FCB stand auch damals schon als Meister fest. Hatte zwischen dem meisterschaftsentscheidenden Spiel und dem Cupfinal wie auch jetzt noch einige Spiele in der Liga zu absolvieren. Doch auch wenn sich auf den ersten Blick vieles gleicht, ist die Situation doch grundverschieden.

Das Ziel vor Augen: Urs Fischer will den Cupfinal gewinnen.

Das Ziel vor Augen: Urs Fischer will den Cupfinal gewinnen.

Denn Fischer ist nicht Sousa. Er ist vielmehr das pure Gegenteil des Portugiesen. Und könnte sich damit ein letztes Mal als Glücksfall für den FCB erweisen. Denn obwohl Fischer weiss, dass er gehen muss, legt er eine beachtliche Seriosität an den Tag. Setzt auf Kontinuität, als wäre noch nichts entschieden. Sousa hingegen rotierte seine Mannschaft in jedem Spiel komplett durch. Das Resultat kennen alle. Auch Fischer.

Nuancen als Hinweis

Er hat seine Lehren daraus gezogen und hält die Spannung genau deshalb hoch. «Man hat ja damals gesehen, was passiert, wenn sie ganz weg ist. Das hat nicht funktioniert. Man kann sie eben nicht auf Knopfdruck wieder herstellen.» Wie unheimlich schwierig es so schon sei, eine gewisse Spannung aufrecht zu erhalten, gibt er aber zu. «Es ist nun einmal eine andere Situation, wenn es schon entschieden ist, als wenn es das noch nicht wäre.»

Wenn es aber einem zuzutrauen ist, dass er die Mannschaft eben doch noch auf den Punkt perfekt einstellen kann, dann ist es Fischer. Er lebt die richtige Einstellung vor. Er will diesen Cupsieg. Unbedingt. Mehr als ihn Sousa wollte. Um genau das zu demonstrieren, lautet das Ziel «alles anders machen». Und auch wenn die Kritik nicht direkt ist, so ist sie doch sehr deutlich. Impliziert alleine schon durch Fischers Handlungen. Garniert mit kleinen Ankündigungen.

Unter Paulo Sousa versagte Basel im Cupfinal 2015.

Unter Paulo Sousa versagte Basel im Cupfinal 2015.

Trat Sousa damals, das einzige Mal überhaupt in der ganzen Saison, im Trainingsanzug an die Seitenlinie, sagt Fischer schon jetzt: «Wir haben einen Anzug. Und das ist ein Cupfinal. Da muss man sich entsprechend verhalten. Auch wenn es mir nicht wahnsinnig wohl ist im Anzug, kann ich mir gut vorstellen, darin an der Linie zu stehen. Das werde ich überleben.»

Seine Kleidung. Es ist eine Nuance. Aber eine, die Fischers Charakter widerspiegelt. Hundertprozentige Hingabe bis zum Schluss. Es geht um den Verein, nicht um seine Person. Das beweist er sowohl verbal als auch nonverbal immer wieder. Dass er seine Cupfinal-Siegesquote bei 100 Prozent halten kann, wenn der FCB gewinnt, ist Nebensache für ihn. Aber eine, die man ihm gönnen würde.