FC Basel
Nach einem dünnen 1:1 gegen GC: Nur beim Punkteteilen ist Basel König

In einem mehrheitlich unansehnlichen Spiel rettet Sebastiano Esposito gegen das abstiegsbedrohte GC ein 1:1. Fabian Frei wird vor dem Spiel als Rekordspieler des FC Basel geehrt – seine Rückennummer 20 wird der Klub künftig nicht mehr vergeben.

Christoph Kieslich
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Einer der aufregendsten Momente des Abends: Rekordspieler Fabian Frei kommt mit seiner älteren Tochter ins Joggeli. Freis Rückennummer 20 wird der FC Basel künftig nicht mehr vergeben.

Einer der aufregendsten Momente des Abends: Rekordspieler Fabian Frei kommt mit seiner älteren Tochter ins Joggeli. Freis Rückennummer 20 wird der FC Basel künftig nicht mehr vergeben.

Keystone

Was darf man erwarten, wenn es für die Heimmannschaft drei Runde vor Schluss nur noch um so etwas wie die goldene Ananas geht? Und ihr Trainer vor der Partie durchblicken liess, dass es für ihn keine Zukunft im Klub gibt? In der Politik würde man von einer lame duck sprechen, aber Guillermo Abascal wird seiner durch Verletzungen ausgedünnten Mannschaft klargemacht haben, dass es um die Integrität des Wettbewerbs geht – schliesslich steckt GC plötzlich wieder mitten im Abstiegsschlamassel.

Bevor es also immerhin für die Grasshoppers noch um etwas ging, wurde im St. Jakob-Park erst einmal im grossen Stil zu Ehren von Fabian gefeiert und Freibier ausgeschenkt. Schon allein die Dekoration war grossartig: Die Ballustrade des zweiten Rangs war gesäumt mit sämtlichen Trikotmodellen, die Frei in 453 Spielen für den FC Basel getragen hat.

Das Telegramm

FC Basel - Grasshoppers 1:1 (0:0)

St. Jakob-Park. – 19’228 Zuschauer. – SR Stefan Horisberger.

Tore: 50. Riascos 0:1. 84. Esposito 1:1 (Katterbach).

FC Basel: Lindner; Lopez, Pelmard, Pavlovic, Katterbach (87. Petretta); Burger (80. Kasami), Xhaka (62. Chalov); Ndoye, Frei, Esposito; Szalai (62. Fernandes).

GC: Moreira; Bolla, Arigoni, Loosli, Seko, Schmid, Kawabe, Abrahsi (74. Herc); Morandi (80. Jordao), Sène (65. Lenjani); Riascos (65. Momoh).

Bemerkungen: FCB ohne Lang, Tavares, Stocker, Millar, Essiam (verletzt), Palacios (kein Aufgebot). – GC ohne Ribeiro, Jeong, Margreitter, Hoxha, Kacuri (verletzt), Pusic (kein Aufgebot.) – Verwarnungen: 8. Bolla (Foul), 41. Pelmard (Foul), 59. Riascos (Foul), 75. Herc (Foul), 90. Moreira (Foul). – Gelb-Rot: 77. Herc (wiederholtes Foulspiel). – Fabian Frei vor dem Spiel als Rekordspieler des FC Basel geehrt; seine Rückennummer 20 wird künftig nicht mehr vergeben.

Bevor sein 454. Spiel angepfiffen wurde, lief Fabian Frei mit seiner älteren Tochter in einem Spalier von Mitspielern und Beschäftigten aufs Feld, gab es Geschenke, warme Worte einstiger Teamkollegen (Marco Streller: «Ich glaube, das ist ein Rekord für die Ewigkeit»), ein herziger «Wir-sind-stolz-auf-dich» Videogruss von Ehefrau Muriel und den beiden Kindern. Und obendrein gibt es die grösste Ehre für Fabian Frei: Der FCB wird seine Rückennummer 20 künftig nicht vergeben, so wie es bei Freis Rekord-Vorgänger Massimo Ceccaroni und der Nummer 2 bis zum heutigen Tag gehalten wird.

Nach früher GC-Chance das lange Nichts

Als dann Fussball gespielt wurde, dauerte es exakt 58 Sekunden, ehe sich den Grasshoppers die Riesenchance bot: Brayan Riascos, im April aus der Ukraine von Metalist Charkiv verpflichtet, verstolperte neun Meter vor dem Tor.

Anschliessend erinnerte das Dargebotene nicht im Entferntesten an ein ansehnliches Fussballspiel. Der FCB unterstrich, auf was Abascal im Vorfeld betont hatte: Dass sich sein Team gegen Gegner, die mit Fünfer-Abwehrkette agieren, besonders schwertut. Ein Gegenmittel fand der Trainer auch gegen GC nicht.

Nach einer halben Stunde mit ziemlich erbärmlichem Hin und Her wies GC eine Passquote von 66 Prozent aus, was bedeutet, dass jeder dritte Pass in den Füssen der Basler landete. Ohne, dass die irgendetwas damit anzufangen wussten. Einen Torschuss verzeichnete das Heimteam bis dahin nicht, beim einzigen Versuch wurde Adam Szalai schmerzhaft geblockt.

Der gefährlichste Versuch blieb so ein Zürcher Freistoss in der 42. Minute, den Giotto Morandi aus gut und gerne 30 Metern an den Pfosten setzte.

Der Zauberschuss von Riascos zum 0:1

Nach dem man nüchtern festhalten musste, dass das Pausenspiel mitreissender war als die ersten 45 Minuten, verlieh GC dem Spiel einen ersten zauberhaften Moment. Riascos schlenzte den Ball diagonal aus halblinker Position in den Torwinkel zur Zürcher Führung.

Brayan Riascos (nicht im Bild) brachte die Grasshoppers mit einem prächtigen Diagonalschuss in Basel in Führung.

Brayan Riascos (nicht im Bild) brachte die Grasshoppers mit einem prächtigen Diagonalschuss in Basel in Führung.

Keystone

Der FCB reagierte, zwar nicht schön, aber mit einer Spur mehr Druck hinter den Aktionen. Für den Ausgleich brauchte es jedoch erst das Kunststück von Christian Herc, der nach seiner Einwechslung anderthalb Minuten benötigte, um mit Gelb-Rot vom Platz zu fliegen. Und eine aus Zürcher Sicht bittere Slapstick-Einlage boten Ayumu Seko und Noah Loosli, die beim Klärungsversuch eines langen Balles von Noah Katterbach zusammenrasselten und Sebastiano Esposito den Weg zu dessen sechsten Saisontor öffneten.

Der FCB erreicht mit dem 16. Remis neuen Höchstwert

Weil dem FCB ein klarer Penalty verwehrt wurde (Bendeguz Bolla gegen Raoul Petretta) blieb es beim 1:1, womit GC weiter zittern muss und der FCB einen weiteren Rekord vermeldet: Es war das 16. Remis der laufenden Saison – so oft hat er in seiner Super-League-Geschichte noch nie die Punkte geteilt, und er steht nun in einer Reihe mit dem FC Lugano (2018/19) sowie dem FC Thun (2010/11). Nichts, auf was man sich etwas einbilden kann.

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Mit einem feinen Aussenrist-Abschluss (oben) erzielt Sebastiano Esposito sein sechstes Saisontor zum 1:1-Endstand und feiert das auf seine typische Weise.

Mit einem feinen Aussenrist-Abschluss (oben) erzielt Sebastiano Esposito sein sechstes Saisontor zum 1:1-Endstand und feiert das auf seine typische Weise.

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