Europa League

FCB-Captain Valentin Stockers brisante Kritik nach dem Basler Scheitern

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Kein europäischer Fussball im St. Jakob-Park und deutliche Worte des Captains: Der FC Basel steuert unruhigen Tagen entgegen.

Dass etwas Aussergewöhnliches passiert ist, erkennt man beim FC Basel oft daran, dass ge­wisse Menschen auftreten. So zum Beispiel Roland Heri. Der CEO nahm am Freitag an der eigentlich nur als Vorschau auf das Spiel gegen Luzern gedachten Pressekonferenz teil. Er beantwortete Fragen zur überge­ordneten Bedeutung dessen, was am Donnerstagabend passiert ist.

Mit 1:3 unterlag der FCB CSKA Sofia. Mit der Niederlage endet der Weg in den Playoffs der Europa League. Zum zweiten Mal in drei Jahren und seit der Übernahme von Bernhard Burgener verpasst der Verein das europäische Geschäft. Und vor allem: verpasst er bereits sehr früh in der Saison ein erstes von drei gesteckten Zielen.

Statt mit einem Einzug in die Gruppenphase also für Ruhe in Basel zu sorgen, passiert das Gegenteil. Ciriaco Sforza wird kaum in Ruhe arbeiten können – obschon er jetzt viel mehr Zeit dafür hat. Ein Paradoxon. Aber eines mit einer gewissen Logik, denn ein europäisches Aus wird in Basel nie einfach hinge­nommen.

Stockers Aussagen waren keine Kurzschlussreaktion

Auch aus der Mannschaft kommt Kritik auf. Nach Spielschluss wird Valentin Stocker gegenüber «blue TV» sehr deutlich: «Wir sind in den letzten drei Jahren mehr oder weniger auseinanderdividiert worden. Von dem her denke ich, dass es auch an der Qualität liegt.» Eine Breitseite gegen die Kaderpolitik des Klubs. Stocker monierte schon in der Vergangenheit, dass das Kader immer dünner und die Qualität überschaubarer werde. Und dass das Erreichte in der vergangenen Saison über dem liege, was in diesem Team steckt. So drastisch wie am Donnerstag äusserte er sich öffentlich aber noch nie.

Natürlich sind Stockers Aussagen auch den Emotionen zuzuschreiben. So fügte er noch an: «Wir bringen im Moment nicht die Freude auf den Platz.» Aber es ist nicht nur eine Kurzschlussreaktion des Captains. Dafür ist Stocker zu wohlüberlegt. Es sind ehrliche Worte und das Abbild dessen, was in ihm vorgeht. Er, der den Verein anders kennt, als wie sich dieser mittler­weile präsentiert. Vonseiten der Führung und des Trainers wird zwar versucht, den Ball flach zu halten. «Wir haben miteinander diskutiert. Der Fall ist für uns zwei erledigt», sagt Sforza. «Es ist bereinigt worden», erklärt Heri.

Dass die Worte Stockers und das Aus gegen Sofia dennoch weitere Wellen werfen wird, dürften alle wissen. Zum einen wird nun jedes Resultat in der Meisterschaft noch höher gewertet als zuvor. Schliesslich gibt es nur noch dieses Ziel und jenes des Erreichens des Cup­finals. «Ich finde nicht, dass riesiger Druck da ist», sagt der Trainer zwar. Spätestens nach einem weiteren Punktverlust am Sonntag gegen Luzern – gerade nach den bereits fünf Verlustpunkten aus den ersten zwei Meisterschaftspartien – wird aber auch Sforza Druck spüren. Nach erst sechs Spielen als Trainer des FC Basel.

Einen anderen Druck kann der FCB nicht schönreden: Den monetären. Zwar versichert Heri die Liquidität bis Januar oder Februar. «Selbstverständlich sind die Uefa-Prämien aber ein wesentlicher Bestandteil und gehören zu unserem Geschäftsmodell.» Budgetieren dürfe und könne man die Millionen aus dem internationalen Geschäft aber nicht. Doch Heri gibt zu: «Es hätte in der aktuellen Situation viel geholfen. Jetzt müssen wir uns umsehen, wie wir das anders decken können.»

Durch die Nicht-Teilnahme an der Europa League gehen dem FCB mindestens sechs Millionen Euro verloren. Wie das kompensiert werden soll, erklärte der CEO nicht. Ein Verscherbeln der Spieler solle es aber nicht geben. «Wir wollen die Mannschaft zusammenhalten, das haben wir dem Trainer versprochen.» Ob das stimmt, wird sich zeigen.

Klar ist nur: Ruhige Tage hat man sich mit dem Aus und den Aussagen einmal mehr nicht beschert.

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