FC Basel

FCB-Sportchef Ruedi Zbinden: «Wir sind ganz klar dafür, dass die Super League weiter geht»

FCB-Sportdirektor Ruedi Zbinden beantwortet im Joggeli auf Distanz die Fragen der Journalisten.

FCB-Sportdirektor Ruedi Zbinden beantwortet im Joggeli auf Distanz die Fragen der Journalisten.

FCB-Sportchef Ruedi Zbinden erklärt im Interview, warum sein Verein für eine Wiederaufnahme der Saison ist und wie sich der Transfermarkt durch Corona entwickelt hat. Ausserdem gibt es News zu den Personalien Arthur Cabral, Raoul Petretta und Alex Frei.

Ruedi Zbinden, wie heiss sind Sie auf Fussball?

Ruedi Zbinden: Sehr heiss. Es war die längste Zeit in meiner Karriere ohne Fussball. Ich freue mich sehr, dass das Training wieder angefangen hat, aber ich freue mich auch – wenn das Ok am 27. und 29. Mai von Bund und Liga kommt – auf den Rest von dieser Meisterschaft. Es sind noch 13 Spiele und da können wir noch einiges erreichen. Wir haben unsere Ziele, sind auch im Cup-Viertelfinale und in der Europa League noch dabei. Wenn die Meisterschaft wieder laufen würde, wäre das auch eine gute Vorbereitung für das Rückspiel gegen Eintracht Frankfurt.

Wie wichtig ist dieses Spiel auch in finanzieller Hinsicht?

Das ist für den Verein eine wichtige Einnahmequelle. Deswegen hoffen wir, dass wir uns mit Meisterschaft und Cup gut auf dieses Spiel, das wohl im August stattfinden wird, vorbereiten können. Wenn wir nicht Liga spielen würden, hätten wir von März bis August eine Pause. Freundschaftsspiele dürfen wir nicht machen. Frankfurt hingegen ist voll in der Meisterschaft. Unter diesen Voraussetzungen wäre es auch mit dem 3:0 aus dem Hinspiel im Rücken sehr schwierig, über die Runde zu kommen. Wenn wir vorher nicht spielen, wäre es für Frankfurt ein Riesenvorteil.

Was passiert mit auslaufenden Verträgen? Beispielsweise bei Arthur Cabral. Werden Sie die Kaufoption ziehen?

Da müssen wir auf die Entscheidungen des Bundes und der Liga warten. Erst dann können wir die Zukunft planen. Wenn wir weiterspielen, führen wir die Gespräche mit Trainer und Spielern, deren Verträge am 30. Juni auslaufen. Weil dann spielen wir auch im Juli und August noch. Das gilt auch für Cabral. Wir wollen ihn behalten und versuchen alles, damit das klappt. Aber wir können erst Gespräche führen, wenn der 29. Mai vorbei ist.

Wissen Sie schon, wie der FCB an der GV der Liga abstimmen wird?

Wir wollen ganz klar weiterspielen.

Woher kam dieser Sinneswandel? Vor kurzem sagte Bernhard Burgener noch, jedes Geisterspiel koste den FCB 300‘000 Franken. Warum stimmt der Verein jetzt trotzdem für eine Fortsetzung der Liga?

Der Bund hat uns grünes Licht fürs Training gegeben und uns Kredite zugesagt. Falls ein Klub in finanzielle Schwierigkeiten kommt, kann er schnell Geld beantragen und so überlegen. Das waren wichtige Punkte. Wegen dem Europacup wollen wir unbedingt in der Meisterschaft spielen, damit wir uns vorbereiten können. Wir wollen ins Viertelfinale. Das wäre für einen Schweizer Klub eine tolle Sache. Das gibt es nicht jedes Jahr. Deswegen stimmen wir jetzt für eine Wiederaufnahme der Liga.

Auf den Bundeskredit wird der FCB aber nur im Notfall zugreifen. Er muss ja zurückgezahlt werden und ist an Auflagen gebunden.

Das ist so. Aber er ist für alle Vereine, die Probleme bekommen sollten, eine Möglichkeit, schnell zu Geld zu kommen, damit die Löhne weiter gezahlt werden können. Wir wissen ja nicht, wie lange das mit diesen Geisterspielen noch geht. Wird es September oder doch erst zwei, drei Monate später? Das muss man alles abwarten. Zuschauereinnahmen sind neben Transfereinnahmen in der Schweiz sehr wichtig.

Was halten Sie von Geisterspielen?

Es ist klar, dass es ohne Zuschauer nicht das gleiche ist. Trotzdem gab es jetzt in der Bundesliga gute Matches, schöne Tore und viele Emotionen auf dem Platz. So schlecht war das nicht. Solange es nur zwei, drei Monate dauert, werden wir das überstehen.

Das Geister-Heimspiel gegen Frankfurt wurde vom Kanton nicht bewilligt. Gibt es da Bedenken, dass auch Geisterspiele gegen YB oder den FCZ nicht in Basel stattfinden können?

Da sind der Präsident und der CEO immer im Austausch mit der Liga und der Polizei. Klar hat man Angst, dass sich Gruppen bilden könnten. Doch da hoffe ich auf die Vernunft der Fans, dass sie nicht vors Stadion kommen, wenn wir weiterspielen sollten.

Gibt es schon eine Tendenz zum auslaufenden Vertrag von Marcel Koller?

Nein, da kann ich noch überhaupt nichts sagen. Wir werden es kommunizieren, wenn wir etwas Neues wissen. Und das wird erst passieren, wenn die Meisterschaft weiter geht.

Haben Sie Angebote für begehrte Spieler wie Eray Cömert oder Jonas Omlin erhalten?

Es ist sehr ruhig. Ab und zu kriege ich ein SMS oder eine E-Mail für einen Spieler. Aber es kommen kaum Telefonate und keine Angebote rein. Weltweit gibt es kaum neue Verträge für Spieler und praktisch keine Transfers. Der Markt ist wirklich ruhig zurzeit.

Meinen Sie, FCB-Spieler werden günstiger und zum Schnäppchen für gewisse Vereine?

Schnäppchen sicher nicht. Spieler, die Qualität haben, werden wir weiter gut verkaufen und nicht verschenken. Wie sich der Markt entwickelt, werden wir sehen. Qualität wird seinen Preis aber immer haben.

Raoul Petretta darf noch nicht trainieren, weil er Kontakt mit einer coronainfizierten Person hatte.

Richtig. Er ist wie alle anderen Spieler auch negativ getestet worden, doch er war jetzt mit einer Person zusammen, die positiv getestet wurde. Aus Sicherheit haben wir ihn deshalb jetzt aus dem Trainingsbetrieb rausgenommen. Am Freitag wird er erneut einen Test machen und dann am Samstag wieder trainieren, wenn der Test negativ ausfällt.

Was passiert mit Spielern wie Dimitri Oberlin und Aldo Kalulu, die vom FCB an andere Vereine ausgeliehen sind?

Die Klubs haben natürlich auch Optionen. Bei Oberlin ist es so, dass die Saison in Belgien abgebrochen wurde. Er trainiert noch eine Woche bei Zulte Waregem. Dann ist dort Pause und wir müssen eine Lösung finden, was er im Juni macht. Das schauen wir mit Zulte an. Bei Kalulu ist es so, dass er momentan in Wales trainiert. Swansea hat noch Chancen, in die Playoffs zu kommen und will weiterspielen. Dort denke ich, dass er noch bis Saisonende bleiben wird. Dann werden wir sehen, ob die Option gezogen wird oder ob die beiden zurückkommen.

Im Nachwuchs betreut Alex Frei vorläufig die U21 des FC Basel. Auch über den Sommer hinaus?

Das ist noch nicht definitiv, aber es sieht so aus. Wir werden das kommunizieren, wenn definitiv ist, wer die U18 und wer die U21 in Zukunft trainiert.

Wie hat sich eigentlich Ihr Alltag in der Coronazeit verändert?

Ich habe viel im Scouting gemacht, Berichte gelesen und Spieler angeschaut. Da wir nie wussten, wann das Training wieder anfängt, haben wir uns ständig vorbereitet und hatten immer wieder auch damit zu tun. Das habe ich aber alles von daheim aus gemacht. Ich war nur zwei bis dreimal im Büro.

Der Lohnverzichtsstreit war in der Coronapause immer wieder in den Schlagzeilen. Mittlerweile hat man das Problem ausgeräumt. Aber war das auch in dieser Woche noch einmal Thema?

Nein, das haben wir damals besprochen. Da waren der Präsident, drei Spieler, Roland Heri und ich dabei. Am Ende war es für alle Seiten gut und abgehakt. Über das haben wir jetzt nicht mehr geredet. Das hat auch keine Spuren hinterlassen. Wir haben dort einen Fehler gemacht, beide Seiten. Doch das ist erledigt und aus der Welt geschafft.

Verzichten Sie persönlich auch auf Lohn?

Ich bin in einer speziellen Situation und habe dem FCB in all diesen Jahren viel zu verdanken. Bereits im März habe ich eine Mail an den Präsidenten geschickt und auf einen Grossteil meines Lohns in diesen drei Monaten verzichtet. Das war für mich selbstverständlich.

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