FCB-Zahl der Woche
Erfahrung vor Unbekümmertheit: Beim FCB haben es die Talente schwer

Sportlich hinkt der FCB seinen eigenen Ansprüchen nach. Und auch seinem Konzept, vermehrt auf junge Spieler zu setzen, wird er nicht wirklich gerecht. Gegen Lugano war die Startelf so alt wie schon lange nicht mehr.

Simon Leser
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Viel Erfahrung auf dem Platz: Timm Klose, Pajtim Kasami, Luca Zuffi und Fabian Frei (v.l.n.r.) erhalten derzeit den Vorzug.

Viel Erfahrung auf dem Platz: Timm Klose, Pajtim Kasami, Luca Zuffi und Fabian Frei (v.l.n.r.) erhalten derzeit den Vorzug.

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Als Ciriaco Sforza Ende August als neuer FCB-Trainer vorgestellt wurde, kam er mit einem Versprechen: «Wir müssen den Jungen eine Chance geben.» Doch vier Monate später laufen die erfahrenen Spieler den jungen Wilden wieder den Rang ab. Am Sonntag gegen Lugano war die Basler Startelf so alt wie letztmals unter Urs Fischer vor drei Jahren. Mit einem Durchschnittsalter von 28,4 Jahren schwingt der FCB gar ligaweit obenauf. Alle anderen neun Super-League-Teams waren in ihrem letzten Spiel jünger als die FCB-Startelf gegen Lugano.

Dabei starteten die Basler wie versprochen jung in die Saison. Im November betrug das Durchschnittsalter der Startelf beim Spiel in Zürich 24 Jahre. Doch seither wird die von Sforza bevorzugte Elf immer älter und die Ersatzbank immer jünger – die Altersschere nimmt zu (siehe Grafik). Doch Sorgen bereitet dies den Verantwortlichen offenbar nicht. Bernhard Burgener spricht von einer «Momentaufnahme». Sforza davon, dass er «nach Leistung» aufstellt. Ein Beispiel für den Altersvorzug aufgrund der Leistung ist die Torhüterposition: Djordje Nikolic (23) verlor nach mehreren Patzern seine Stammposition und wurde durch den erfahreneren Heinz Lindner (30) ersetzt. Mit Luca Zuffi (30) kehrte zudem ein lange verletzter älterer Spieler zurück. Eine weitere Rolle spielen die Transfers. Die eingekauften Routiniers Timm Klose (32), Pajtim Kasami (28) und Lindner haben zurzeit ihre Stammposition auf sicher, auch wenn etwa Klose sportlich noch nicht restlos überzeugt.

Dass die Talente gar nicht zum Einsatz kommen, wäre polemisch, denn es gibt Lichtblicke. Afimico Pululu (21) spielt seine bislang stärkste Saison, Albian Hajdari (17) debütierte und Julian von Moos (19) sowie Yannick Marchand (20) werden immerhin regelmässig eingewechselt. Doch zu mehr reicht es oftmals nicht. Gegen Lugano wären im zentralen Mittelfeld mit Marchand und Orges Bunjaku (19) zwei Eigengewächse bereitgestanden, doch zum Zug kam der 30-jährige Amir Abrashi. Dies, obwohl der Neuzugang zuvor erst eine Trainingseinheit mit der Mannschaft bestritten hatte.