World Tour Finals
Federer gewinnt zum Auftakt ohne Mühe gegen Raonic

Roger Federer ist mit einem klaren Sieg in die ATP-Finals in London gestartet. Die Weltnummer 2 bot beim 6:1, 7:6 (7:0) gegen den kanadischen Debütanten Milos Raonic eine über weite Strecken überzeugende Leistung.

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Federer Auftaktsieg World Tour Finals
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Der kanadische Finals-Debütant Milos Raonic vor dem Match in der O2-Arena.
Erst vor zehn Tagen war Roger Federer dem Kanadier Milos Raonic in den Viertelfinals von Paris-Bercy 6:7, 5:7 unterlegen.
Roger Federer gewinnt den ersten Satz locker mit 6:1.
Der Kanadier Milos Raonic steigert sich im zweiten Satz.
Milos Raonic wehrt sich im zweiten Satz - Federer muss in den Tie-Break, den er mit 7:0 gewinnt.
Roger Federer gewinnt schliesslich mit 6:1 und 7:6.

Federer Auftaktsieg World Tour Finals

Keystone

Federer, mit sechs Titeln der Masters-Rekordsieger, feierte bei seiner 13. Teilnahme in Folge seinen 45. Einzelsieg im Rahmen der ATP-Finals und sicherte sich 200 Weltranglistenpunkte und 155'000 Dollar. In seiner zweiten Partie trifft Federer nun am Dienstag auf Kei Nishikori (ATP 5), der den Briten Andy Murray 6:4, 6:4 bezwang. Gegen den Japaner weist Federer eine 2:2-Bilanz auf, das letzte Duell gegen den 24-Jährigen entschied der Baselbieter im Halbfinal von Halle für sich. Vor Federers zweitem Auftritt kommt Stan Wawrinka heute Montagnachmittag zu seinem ersten Einsatz. Der 29-jährige Romand trifft in der Gruppe A auf den Tschechen Tomas Berdych. Am Abend trifft Titelverteidiger Novak Djokovic auf den US-Open-Sieger Marin Cilic (Kro).

Nachdem der zweite Satz im achten Duell zwischen Federer und Raonic viel Spannung geboten hatte, ging am Ende alles plötzlich sehr schnell. Der kanadische Finals-Debütant, der im zweiten Durchgang stark aufgespielt hatte, reihte im Tiebreak einen Fehler an den anderen, womit Federer ohne grossen Aufwand zu einem 7:0 in der Kurzentscheidung kam. Somit feierte der Baselbieter letztlich doch noch einen klaren Sieg, nachdem er im zweiten Satz einige heikle Momente zu überstehen hatte.

Erstmals geriet Federer bei eigenem Service in Gefahr, nach er beim Stand von 1:1 im zweiten Durchgang einen Breakball nicht genutzt hatte. Er führte 40:0 und vergab danach noch zwei weitere Spielbälle, ehe er zweimal einen Breakball gegen sich hatte. Bei der zweiten Möglichkeit des Kanadiers zum Servicedurchbruch bekundete Federer etwas Glück, als Raonic eine Vorhand nur mit dem Rahmen traf.

Raonic fand durch dieses Game wieder zurück in die Partie, in der er zuvor ohne Chancen geblieben war. Wenige Minuten später wiederholte sich das Szenario nach 40:0 erneut. Diesmal wehrte Federer den einen Breakball mit einem Kick-Aufschlag beim zweiten Service auf die Linie ab. Den heikelsten Moment hatte Federer beim Stand von 5:6 zu überstehen, als sich Raonic ein Satzball bot, Federer diesen aber mit einem Servicewinner abzuwehren vermochte.

Im ersten Durchgang hatte Federer bei seinem ersten Auftritt in der O2-Arena eine bärenstarke Leistung geboten. Obwohl der Kanadier regelmässig mit mehr als 220 km/h aufschlug, boten sich Federer bereits im ersten Aufschlagspiel drei Chancen zum Break. Die dritte nutzte Federer und liess sich in der Folge nicht mehr stoppen. Schaffte es Federer, den Kanadier in einen Ballwechsel zu verwickeln, behielt der Schweizer fast immer das bessere Ende für sich. Nach nur 25 Minuten gewann Federer den ersten Durchgang mit 6:1.

Federer revanchierte sich damit für die Niederlage vor zehn Tagen, als der Schweizer dem späteren Finalisten in den Viertelfinals von Paris-Bercy 6:7, 5:7 unterlegen war. 22 Asse von bislang 1093 in dieser Saison hatte der gebürtige Montenegriner damals geschlagen. Es war die erste Niederlage Federers gegen Raonic, nachdem der Schweizer die ersten sechs Duelle zwischen den beiden für sich entschieden hatte.

Murray bereits in Rücklage

In der ersten Partie hatte es eine Überraschung abgesetzt. Kei Nishikori, der sich als erster asiatischer Spieler überhaupt für das Saisonfinale qualifiziert hat, besiegte den Briten Andy Murray deutlich 6:4, 6:4, nachdem dieser die ersten drei Duelle gewonnen hatte. Murray liegt zwar in der Weltrangliste einen Platz hinter dem Japaner, zeigte in den letzten Monaten aber stark aufsteigende Tendenz. Der 27-Jährige gewann innerhalb von sechs Wochen in Shenzhen, Wien und Valencia drei Turniere und schaffte dank seinem fulminanten Schlussspurt doch noch den Sprung nach London. Im vergangenen Jahr hatte der zweifache Grand-Slam-Sieger nach einer Rückenoperation für das Saisonfinale passen müssen.

Vor allem beim Aufschlag offenbarte der Schotte Defizite. Nach dem zweiten Aufschlag gewann Murray nur jeden vierten Punkt. Nur in der Startphase der Partie, die von sehr vielen Fehlern geprägt war, konnte er das Geschehen ausgeglichen gestalten. Murray lag nach dem ersten Break der Partie 3:2 vorne, ehe der Japaner seine Nervosität ablegte, die Fehleranzahl zu reduzieren begann und die Ballwechsel dadurch vermehrt diktierte. Nishikori gewann sieben der nächsten acht Games und hatte im zweiten Satz sogar drei Breakbälle zum 4:0. Murray fand aber noch einmal den Weg zurück in die Partie und glich zum 4:4 aus. Nach einem weiteren schwachen Aufschlagspiel mit zwei leichten Rückhandfehlern kassierte der Brite aber sein insgesamt viertes Break, welches gleichbedeutend mit der Niederlage war.

Nun steht Murray in seiner zweiten Partie am Dienstag gegen Raonic bereits unter Zugzwang. Um sich für die Halbfinals zu qualifizieren, muss er wohl die beiden verbleibenden Partien gewinnen. "Dies wird nicht einfach. Raonic hat letzte Woche in Paris fantastisch gespielt und Roger ist an diesem Turnier immer sehr stark", sagte Murray. Immerhin wird der Schotte wieder auf die Unterstützung des Publikums zählen können. Der Wimbledonsieger von 2013 war vor der Partie gegen Nishikori von den Zuschauern in der fast ausverkauften O2-Arena mit einem stürmischen Applaus empfangen worden. Im September noch hatte er den Unmut der britischen Öffentlichkeit auf sich gezogen, weil er sich in den sozialen Medien für die Unabhängigkeit Schottlands ausgesprochen hatte.