Tennis
Freunde fürs Leben – kennengelernt in Zürich: Warum Federer und Hewitt so viel verbindet

Lleyton Hewitt und Roger Federer haben beinahe 20 Jahre gemeinsam auf der ATP-Tour verbracht. Am Samstag trainierten die beiden 34-Jährigen ein letztes Mal zusammen. Ein Rückblick auf eine ganz spezielle Freundschaft.

Petra Philippsen
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Lang ist's her: 2005 besiegte Roger Federer Lleyton Hewitt in Indian Wells.

Lang ist's her: 2005 besiegte Roger Federer Lleyton Hewitt in Indian Wells.

Keystone

An seine erste Begegnung mit Lleyton Hewitt kann sich Roger Federer gut erinnern. Sie waren 15 Jahre alt und spielten in Zürich beim World Youth Cup gegeneinander. Sie mochten sich. Sie verabredeten sich für die Australian Open 1998, da wollten sie bei den Junioren gemeinsam im Doppel antreten. Doch es kam nicht dazu. Denn während Federer im Vorfeld des Grand Slams ein bescheidenes Junioren-Turnier im australischen Traralgon gewann, holte sich der 16-jährige Hewitt parallel seinen ersten ATP-Titel in Adelaide.

Es war eine Sensation, und sie brachte Hewitt bei den Australian Open Wildcards im Einzel, Doppel und Mixed-Wettbewerb ein. «Er hat mich sitzen lassen», erzählte Federer nun amüsiert, «aber ich habe das natürlich verstanden. Nach Adelaide war er plötzlich die grosse Nummer. Er spielte hier bei den Profis und ich verlor bei den Junioren im Halbfinal.»

Nun spielt Hewitt in dieser Woche seine 20. Australian Open, es werden seine letzten sein. Ein finales Hurra für den australischen Haudegen, und wieder verabschiedet sich ein weiterer von Federers prägenden Wegbegleitern.

Lange Karriere mit versöhnlichem Abschluss

«Ich habe riesigen Respekt vor Lleyton», sagte Federer, «er war einer meiner grossen Rivalen, heute sind wir Freunde. Mit Lleyton war es besonders, denn er brachte mich dazu, mein eigenes Spiel zu finden, und er machte mich definitiv zu einem besseren Spieler.» Hewitt empfindet das genauso, auch Federer hatte seine eigene Entwicklung stark mitgeprägt. «Wir sind zusammen aufgewachsen, gleich alt», sagte der 34-Jährige aus Adelaide, «wir hatten eine Verbindung, auch weil sich mein Trainer Peter Smith und seiner, Peter Carter, gut kannten. Roger und ich hatten so einige intensive Matches.»

Lleyton Hewitt legte mit 20 Jahren und der Eroberung der Nummer 1 grandios vor, doch dann zog Roger Federer ein für alle Mal am Australier vorbei.

Lleyton Hewitt legte mit 20 Jahren und der Eroberung der Nummer 1 grandios vor, doch dann zog Roger Federer ein für alle Mal am Australier vorbei.

Nordwestschweiz

27-mal traten sie gegeneinander an, 18-mal gewann Federer. Ihre letzte Partie spielten sie 2014 im Final von Brisbane, Hewitt gewann in drei Sätzen. Und damit schloss sich der Kreis für den Australier dann irgendwie auch versöhnlich, denn zu Beginn ihrer Karrieren hatte er Federer meist besiegt. Danach drehte sich das Kräfteverhältnis und Hewitt konnte nur noch selten gegen den Baselbieter gewinnen. Hewitt war ein echter Schnellstarter.

Die schlechteste Nummer eins aller Zeiten?

Am 19. November 2001 wurde er die jüngste Nummer eins der Tennisgeschichte (mit 20 Jahren und acht Monaten). 80 Wochen hielt sich Hewitt an der Spitze und gewann in diesem Zeitraum zwei Grand-Slam-Titel: die US Open 2001 und Wimbledon 2002. Federer brauchte seine Zeit, er war noch nicht so weit. Und Hewitt nutzte in dieser Phase das Vakuum, welches Pete Sampras und Andre Agassi zum Ausklang ihrer Karrieren hinterliessen.

Der Australier läutete keine neue Ära im Herrentennis ein, er füllte eine Lücke. Noch heute werfen ihm Kritiker vor, er sei die schlechteste Nummer eins aller Zeiten gewesen.

Die Kraft des schieren Willens

Doch Hewitt bewies einfach jedes Mal, wenn er auf den Platz ging, was schierer Wille bewegen kann. Hewitt hatte nicht Federers Eleganz und sein Talent schon gar nicht. Sein Spiel war limitiert, hatte Schwächen. Seine Schläge waren gut, aber nicht herausragend. Das machte Hewitt auf dem Platz verwundbar, aber genau das brachte ihm auch den Nimbus des ultimativen Kämpfers ein.

Jedes Mal warf er sich aufs Neue in die Schlacht, als ginge es um sein Leben. 2003 wendete sich das Blatt, als Federer erstmals in Wimbledon gewann. Der Schweizer läutete eine neue Ära ein, Hewitt dagegen stagnierte. Er schaffte es einfach nicht, sein Spiel entscheidend weiterzuentwickeln.

Als Familienväter wieder zu sich gefunden

2005 hätte sich Hewitt fast noch seinen grossen Traum erfüllt, beim 100. Jubiläum der Australian Open erreichte er den Final – doch Marat Safin mimte den Spielverderber. Jeder fünfte Australier hatte damals vor dem Fernseher gesessen und sie alle ahnten, dass es Hewitts letzte Chance gewesen ist.

Federer mutierte zum Seriensieger, Hewitt machte sich dagegen immer wieder durch seine ruppige und ausfallende Art auf dem Platz unbeliebt. «Es ging oft hitzig zwischen uns zu», erinnert sich Federer, «aber es war immer respektvoll. Ich habe seinen Kampfgeist bewundert, auch wenn mich das auf dem Platz manchmal genervt hat – aber da waren seine Ausbrüche auch noch etwas verrückter.»

Das wilde «C’mon»-Gebrüll, sein Feuer, ist Hewitts Markenzeichen geworden. Irgendwann wurde er ruhiger. Schwere Verletzungen, eine Hüftoperation und endlose Reha-Stunden erdeten ihn, auch seine Frau Bec und die drei Kinder liessen ihn reifen. Und als Familienväter kamen sich Federer und Hewitt auch wieder näher.

Das letzte gemeinsame Training

Regelmässig trainieren sie gemeinsam, wie auch am Samstag zu einer letzten gemeinsamen Einheit in der Rod-Laver-Arena. «Mit Lleyton ist es sehr speziell zu trainieren», sagte Federer, «es klappt super miteinander, wir haben einen guten Rhythmus und tauschen uns nebenbei über die Familie aus und was sonst noch so läuft. Es ist schön, dass es hier nochmals geklappt hat.»

Fast 20 Jahre verbinden die beiden. Ein ganzes Tour-Leben. Der eine preschte vor und kämpfte danach mit Leib und Seele weiter. Der andere brauchte etwas Anlauf zum Durchbruch, doch entwickelte er sich danach zum Dauerbrenner. Jeder ist auf seine Weise am anderen ein Stück gewachsen. Den Endspurt legt Federer nun allein zurück. «Lleyton ist cool», sagt er, «er ist im Reinen mit sich. Er hört auf in einem Moment, in dem der Körper sagt: Es ist gut jetzt.» Es ist ein Karriereende, das auch Federer sich erhofft.