Rebeka Masarova (17)

Tennis

Steht ein Nachwuchs-Athlet vor einer grossen Karriere, sind die Vergleiche mit Granden der Vergangenheit nicht weit. Umso mehr, wenn sich erstaunliche Parallelen in den Biografien nachzeichnen lassen. Bei Rebeka Masarova (17) dienen mit Martina Hingis und Roger Federer gleich zwei noch aktive Schweizer Tennisspieler als Richtwert.

Wie Hingis – und auch Belinda Bencic – hat Masarova Wurzeln in der Slowakei. Vorbild der 1,86 Meter grossen Baslerin ist aber Roger Federer, der wie sie im TC Old Boys Basel gross wurde.

Im letzten Jahr gewann Masarova in Roland Garros das Turnier der Juniorinnen und trat damit in die Fussstapfen von Martina Hingis, die 1993 und 1994 in Paris triumphiert hatte. Belinda Bencic siegte dort 2013.

Masarovas Mutter und Trainerin Marivi ist Spanierin, Vater Peter, der in Basel eine Arztpraxis betreibt, kam in der Slowakei zur Welt. Rebeka hat zwei Brüder (David und Mojzis) und zwei Schwestern (Viginia und Veronika), die alle älter sind als sie.

Sechs Jahre lebte die Mutter mit den Kindern in Barcelona, ehe die Familie im Sommer 2014 nach Basel zurückkehrte. Deswegen spricht Masarova neben Spanisch, Slowakisch, Deutsch, Französisch und Englisch auch noch Katalanisch.

Bei ihrem Debüt auf der WTA-Tour hat Masarova im letzten Sommer mit einer Wildcard in Gstaad auf Anhieb die Halbfinals erreicht und ist bereits die Nummer 314 der Welt. Fed-Cup-Captain Heinz Günthardt ist von Masarovas Potenzial überzeugt: «Selten habe ich in den letzten Jahren eine so gute Verbindung aus Grösse, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Ballgefühl, Fleiss und Wille gesehen wie bei ihr.» Übrigens: Am Montag wohnte Masarova dem Cortège bei. Offenbar ist sie wie Roger Federer ein Anhänger der Basler Fasnacht. Noch so eine Parallele. (sih)

Lynn Genhart (15)

Kunstturnen

Eine wie sie hat es noch nie gegeben. Und das heisst etwas. Schliesslich prägten und prägen Ariella Kaeslin und Giulia Steingruber das Schweizer Kunstturnen. Die Zürcherin Lynn Genhart wurde im letzten Jahr als 14-Jährige Vize-Europameisterin im Mehrkampf. Es ist der grösste Erfolg der Geschichte einer Schweizer Turnerin im Juniorenbereich.

Im letzten Sommer durfte Genhart – Paradedisziplin Schwebebalken – zur Elite wechseln. Heisst: Training in Magglingen. Unter anderem mit Steingruber. Heisst: Wohnen in Evilard (Biel), bei einer Gastfamilie.

Dass gleichzeitig auch noch der Wechsel von der Sekundarstufe ins Gymnasium erfolgte, ist eine weitere Herausforderung. Vor allem, weil sie die einzige Sportlerin ihrer Klasse ist. Zudem erlitt Genhart im Sommer einen Schicksalsschlag, als ihr ehemaliger Trainer am Leistungszentrum Zürich einem Herzinfarkt erlag.

Olympia-Medaillengewinnerin Steingruber sagt: «Das erste Jahr bei der Elite ist immer schwierig, durchzustehen. Primär geht es einmal darum, die Pubertät zu überstehen.» In der internationalen Turnszene sind die Athletinnen zwischen 16 und 20 Jahren auf dem Zenit, «in der Schweiz ist das häufig später», sagt Steingruber, selbst bald 23-jährig.

Im März steht für Lynn Genhart in Doha der erste internationale Wettkampf auf dem Programm. Die EM im April in Rumänien ist höchstens ein Zwischenziel, das Erfahrungen bringen kann. Das grosse Ziel sind die Olympischen Sommerspiele von Tokio 2020. Eine amerikanische Turnfachzeitschrift hat Genhart bereits eine Story gewidmet. Das ist – ohne die Erwartungen in die Höhe zu schrauben – zumindest kein schlechtes Zeichen. (ewu)

Cinzia Zehnder (19)

Fussball

Sieht man sich ein Foto des Schweizer Fussball-Nationalteams der Frauen an, fällt eine besonders auf: Cinzia Zehnder, 19 Jahre alt, 1,83m gross, Schuhgrösse 43. Doch die Ostschweizerin überragt nicht nur ihrer Grösse wegen ihre Fussballkolleginnen. Die Mittelfeldspielerin ist technisch begabt, abschlussstark, spielbestimmend.

Im Alter von 17 Jahren fuhr Cinzia Zehnder 2015 mit der Frauen-Nati als jüngste Spielerin an die Fussball-WM nach Kanada. Seither ist sie nicht mehr aus dem Nationalteam wegzudenken: «Cinzia hat eine sehr hohe, ausgeprägte Spielintelligenz», lobt Nationalteam-Trainerin Martina Voss-Tecklenburg.

Auch neben dem Feld werde Cinzia Zehnder von allen geschätzt: «Sie ist eine sehr wertvolle, starke Persönlichkeit und weiss, was sie will. Man vergisst gerne, dass Cinzia erst 19 Jahre alt ist», ergänzt Voss-Tecklenburg.

Als Fünfjährige kickte sie mit Buben auf dem Fussballplatz am Hang neben dem Kindergarten. Mit acht trat sie dem FC Wil bei, worauf sie beim FC Kirchberg vom FC Zürich entdeckt wurde. Schliesslich wagte Zehnder im letzten Jahr den grossen Schritt in die Bundesliga zum SC Freiburg. Im deutschen Profi-Frauenfussball erkämpfte sie sich im Nu einen Stammplatz, sodass ihr Vertrag nach 19 Pflichtspielen vorzeitig um ein weiteres Jahr verlängert wurde. Sie befindet sich nun im zweiten Bundesliga-Jahr.

Heute ist die Tochter eines Zahnarzt-Ehepaars eine viel beschäftigte Frau, die neben den Trainings ein intensives Medizinstudium absolviert. Als Belohnung für ihren Aufwand und ihr Talent wurde Cinzia Zehnder 2016 als eine von drei Spielerinnen zur Schweizer Fussballerin des Jahres nominiert. Für die Auszeichnung reichte es noch nicht, doch das dürfte nur eine Frage der Zeit sein. (sha)

Mélanie Meillard (18)

Ski Alpin

Die Zeit, Weltmeisterin zu werden, hat Mélanie Meillard nicht. Während viele ihrer gleichaltrigen Rivalinen im schwedischen Are an der Junioren-WM starten, ist die 18-Jährige in den USA, um die letzten Weltcuprennen der Saison zu bestreiten. Mélanie Meillard war sozusagen zu schnell zu gut für die Juniorinnen. Der WM-Titel soll dann später bei den «Grossen» nachgeholt werden.

Meillards Einstieg im Weltcup war so rasant, dass sie sich sogleich für das Weltcupfinale in Aspen qualifiziert hat. In der Slalomwertung belegt sie bei noch zwei ausstehenden Rennen den 11. Rang. Von den vor ihr klassierten Athletinnen ist keine jünger als sie.

Wenn sie sich im Weltcup in dieser Saison qualifiziert hat (neun von 15 Mal), dann immer in den Top 20. Mit Rang 6 im Slalom in Levi und Rang 5 im City Event in Stockholm als Bestresultate.

Kurz: Meillard ist talentiert. Sehr sogar. Und vor allem ist sie motiviert. Ihr Antrieb? Sie will schneller sein, als ihr zwei Jahre älterer Bruder Loïc, der ebenfalls schon im Weltcup fährt und als – wenn erstaunt es – Supertalent gilt. Ihr Bruder sagte einst: «Ich hoffe, ich bin der Erste der Familie, der es auf ein Weltcuppodest schafft. Aber wenn sie es ist, wäre ich auch sehr zufrieden.»

Meillard darf schon auf das Podest fahren, muss aber nicht. Sie profitiert davon, dass sie sich im Schatten von Teamleaderin Wendy Holdener entwickeln kann. Überhaupt entsteht im Sog der zweifachen WM-Medaillengewinnerin von St. Moritz ein Team von Talenten. Neben Meillard fuhr auch die 17-jährige Camille Rast im Weltcup schon in die Top 10.
Die Zukunft im Schweizer Frauenskisport ist rosig. Auch dank Mélanie Meillard. (mpr)

Angelica Moser (19)

Stabhochsprung

Ob sportliches Talent in den Genen liegt, ist umstritten. Bei der 19-jährigen Angelica Moser kann man aber mit Fug und Recht behaupten, dass es zumindest nicht schadet, bereits Spitzensportler als Eltern zu haben. Angelicas Vater Severin war früher ein erfolgreicher Zehnkämpfer, der bei den Olympischen Spielen 1988 den 22. Rang belegte. Angelicas Mutter war Siebenkämpferin.

Seit 2016 und ihrem 23. Rang in Rio ist Angelica die zweite Olympia-Teilnehmerin der Familie Moser. Dies, obwohl sie erst 2012 begann, ernsthaft Stabhochspringen zu trainieren. Zuvor galt ihre Leidenschaft diversen Sportarten. Ihr Trainer, Herbert Czingon, sagt: «Angelica wurde als Kunstturnerin und Mehrkämpferin ausgebildet. Dies ist eine perfekte Basis für den Stabhochsprung.»

Angelica Moser gewann bisher jede internationale Nachwuchsmeisterschaft, bei der sie antrat und hält die Schweizer Rekorde in sämtlichen Juniorenkategorien, sowohl in der Halle (4,50 m) als auch im Freien (4,57 m). Diese Dominanz kann man als das Markenzeichen der Andelfingerin betrachten.

Bei der EM der Aktiven, die kurz vor den Olympischen Spielen 2016 stattfand, setzte sie mit dem 7. Rang ein Ausrufezeichen. Die junge Stabhochspringerin bezeichnet sich als «sehr ehrgeizig». Ihre Outdoor-Bestmarke liegt derzeit noch 21 Zentimeter unter dem Schweizer Rekord von Nicole Büchler (4,78 m).

Doch was ist das Erfolgsgeheimnis von Angelica Moser? Ihr Trainer sagt: «Ihre Entschlossenheit und Konzentration im Wettkampf unterscheidet sie von anderen Talenten.» Zu dieser Entschlossenheit passt, dass die 19-Jährige in diesen Tagen die Spitzensport-RS beendet. (lei)