Fussball
Im heimischen Umfeld gibt Murat Yakin preis, was ihn prägte

Der Nationaltrainer besuchte am Montag seinen Jugendverein und erzählte von seinen Anfängen, Vertragsunterschriften und taktischen Analysen.

Riccardo Ferraro
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Bei einem Podiumsgespräch erzählt Murat Yakin, wie seine Karrieren bei Congeli begannen.

Bei einem Podiumsgespräch erzählt Murat Yakin, wie seine Karrieren bei Congeli begannen.

Bild: Flavio Cavaleri

Am Sonntag gewinnt der FC Concordia gegen die Kickers aus Luzern im letzten Spiel der Vorrunde mit 5:1. Für den Verein jedoch steht noch ein wichtiger Termin an. Einen Tag später lädt Congeli zum Gala-Abend im Pantheon ein. Als Gast präsentieren die Blauweissen niemand geringeren als Murat Yakin. Ebendieser Yakin, der sowohl seine ersten Schritte als Fussballer als auch als Trainer bei Congeli machte. Natürlich auch dieser Yakin, der gerade eben die Nationalmannschaft von Vladimir Petkovic übernommen hat und die Qualifikation für die WM-Endrunde noch vor Italien geschafft hat. 120 Gäste folgen dem Aufruf des Vereins.

Unter den Gästen sind ehemalige Weggefährten wie Werner Mogg. Der einstige Nachwuchstrainer des FC Basel erinnert sich noch an den jungen Yakin und sagt: «Es waren schöne Zeiten und über den Rest müssen wir nicht sprechen.» Früh sorgt er so für eine fröhliche Stimmung am Anlass. Nach dem Apéro eröffnet Thomas Steinemann, der Präsident von Congeli, den Abend. Dass dieser Anlass überhaupt stattfinden kann, war auch etwas glücklich. «Wir hatten eine extrem kurze Vorbereitungszeit. Muri hatte aber Zeit und war gerade in der Region. Das nutzten wir aus. Dass er dann mit der Qualifikation eine Woche zuvor so ein Highlight erreicht, war einfach glücklich», sagt Steinemann.

Nicht nur die Yakins entspringen der Congeli-Schule. Momentan stehen 43 Ex-Congeli-Spieler in den Kadern des FCB. Und auch die Nationalspieler Yann Sommer und Cedric Itten haben eine Vergangenheit im Klub. Am Montag jedoch sollte sich alles um den Nationaltrainer drehen. Die Gäste geniessen ein 3-Gang-Dinner, während immer wieder Anekdoten von und über Yakin erzählt werden. Währenddessen können die Besuchenden Lose kaufen. Verlost wird ein Trikot, das mit der Wunschnummer und dem Wunschnamen bedruckt und natürlich vom Star des Abends signiert wird. Der Ertrag der Lose kommt dem Verein zugute.

Murat Yakin stöbert in Erinnerungen seines Jugendvereins Congeli.

Murat Yakin stöbert in Erinnerungen seines Jugendvereins Congeli.

Bild: Flavio Cavaleri

Zwischen Hauptgang und Dessert folgt das langersehnte Podiumsgespräch. Moderator Benjamin Bruni und Murat Yakin nehmen auf den vorbereiteten Sesseln Platz – wie es sich in einer Familie gehört. Und genauso familiär wie der Sitzplatz wird auch das Gespräch. Entspannt und offen beantwortet Yakin die Fragen und gewährt den Anwesenden tiefe Einblicke in die letzten Monate und in seine Jugendzeit bei Congeli. Yakin erzählt:

«Wir wohnten noch in Muttenz, da nahm uns Ertan (Yakins Halbbruder) mit in ein Probetraining. Das war bei Congeli. Wir trainierten nur einmal, dann zogen wir von Muttenz nach Münchenstein. Dort hatten wir einen Nachbarn. Dieser sah uns immer vor dem Haus spielen. Eines Tages fragte er uns, ob wir im Verein spielen.»

Die Jungs sagen dem Nachbarn, dass sie einmal ein Probetraining hatten, seither jedoch nicht mehr im Verein waren. Nicht einmal den Namen des Vereins wissen sie noch. Der Nachbar nimmt sie zum Training mit. Überraschenderweise ist es derselbe Verein, bei welchem sie schon einmal trainiert hatten – Congeli.

Nicht nur als Spieler startet Yakin die Karriere bei Congeli. Auch seine erste Station als Trainer ist bei den Blauweissen. Für Yakin ist gegen Ende der Karriere als Fussballer klar, dass er Trainer werden möchte. Weil er das Strategische auf dem Platz mag und sein Wissen weitergeben, vor allem jedoch, weil er sein eigenes System implementieren will, ist das die logische Konsequenz. Zuerst hätte er gerne eine Pause eingelegt. Der damalige Sportchef jedoch ruft ihn an und sagt ihm, dass sich der Verein vorstellen könnte, ihn als Trainer zu engagieren. «Als Assistenztrainer, weil ich die Diplome nicht hatte», ergänzt Yakin und fügt an:

«Der Sportchef erinnerte mich immer daran, ich sagte ihm jedoch, dass er sagen könne, was er will. Ich übernahm das Team und als wir langsam erfolgreich wurden, sah ich, dass aus dieser Karriere etwas wird.»

Es wird tatsächlich etwas daraus und so plaudert Yakin darüber, wie er am 25. Dezember die Stelle bei Schaffhausen angeboten bekommt, mit der Zigarre im Mund völlig überrascht das Telefon aufhängt und sich dann nach einem Gespräch mit dem Präsidenten doch entscheidet, das Team zu übernehmen. Und er erzählt, wie seine Vertragsunterschrift beim Verband zu Stande kommt. Auch damals ist der Erstkontakt mit Pierluigi Tami an einem Feiertag. «Er rief mich am 1. August an, am Nationalfeiertag, stellen sie sich das vor. Ich dachte mir schon, dass es um den Nati-Trainerposten ging, als er das jedoch aussprach, wurde mir warm ums Herz – nicht wegen des Feuerwerks draussen», sagt er.

Als das Gespräch auf das Spiel gegen Italien gelenkt wird, ist ihm der Stolz auf die Arbeit anzusehen. Er sagt:

«Wir haben die Italiener bis auf den letzten Zentimeter auseinandergenommen. Ich habe zu meinem Assistenten Vincent Cavin gesagt: Wenn wir nur 5 Prozent von unseren Erkenntnissen auf den Platz bekommen, sind wir Weltklasse.»

Das schafft die Schweiz und qualifiziert sich souverän für die WM. «Ich nehme gerne den bequemen Weg», sagt er lachend und fügt an, dass andere Teams im März ja noch in die Playoffs müssen.

Die Gäste freuen sich über das offene Gespräch «ihres» Nationaltrainers und auch Steinemann ist nach dem Event glücklich. «Es war ein stimmiger Anlass, der zur familiären Ambiance bei Congeli passt. Solche Anlässe würden wir gerne wiederholen. Der Verein konnte sich von einer anderen Seite zeigen und den Gästen wurde eine intimere Seite eines ‹Fussballprominenten› gezeigt», sagt er und verabschiedet die Gäste.

Während Yakin noch die letzten Selfies mit den Gästen macht, leert sich das Pantheon. Ähnlich wie nach einem Fussballspiel verlassen die Gäste den Ort des Geschehens und werden Tage danach noch über diesen Event sprechen.

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