Es ist Dienstag vergangener Woche, zu Beginn des Trainingslagers am Tegernsee, als Marcel Koller auf eine Gruppe Journalisten zukommt. Er fragt nach dem Wohlbefinden und wie die Ferien waren. Und dann beginnt er davon zu sprechen, dass man etwas ganz speziell in den Fokus dieser zehn Tage rücken werde: das Pressing.

Gestern Abend beim Testspiel gegen Nürnberg ist von der ersten Sekunde an zu erkennen, dass die Spieler die Botschaft verstanden haben. Vor allem in den ersten fünfzehn Minuten pressen die Basler extrem hoch, erzielen damit aber keinen Erfolg. Ganz ist das Pressing noch nicht verinnerlicht. «Es ist noch nicht optimal, wie wir das umsetzen. Das braucht noch Zeit, das ist ganz normal. Das sind viele Details, die man kennen muss», sagt Cheftrainer Marcel Koller, der nach dem Spiel dennoch sehr zufrieden ist.

Denn nach dem Wechsel aller zehn Feldspieler zur Pause erspielt sich der FCB einen 4:0-Sieg. Die Tore erzielen Blas Riveros per sehenswertem Distanzschuss, Silvan Widmer und zweimal Afimico Pululu. Es ist der dritte Sieg im dritten Testspiel, der eingeschlagene Weg wirkt gut – auch was gewisse Änderungen angeht.

Etwas mehr Ruhe im Trainingslager

Denn auch wenn die erste Halbzeit resultattechnisch schlechter war: Die Aufstellung war eine interessante und eine, die man sich in einem Ernstkampf vorstellen kann: Taulant Xhaka als Rechtsverteidiger, Eder Balanta und Samuele Campo im Zentrum und vorne der Doppelsturm aus Ricky van Wolfswinkel und Kemal Ademi. Es sind neue Ideen in einem neuen System, die spannende Ansätze versprechen. Noch ist es aber zu früh, um Schlüsse zu ziehen.

Nach dem Spiel zog Koller noch Bilanz: «Es war das Ziel heute, dass wir dieses Spiel gewinnen und das Trainingslager somit positiv abschliessen. Das war absolut der Fall.» Auch Valentin Stocker, der erstmals offiziell die Binde trug, blickte mit einem guten Gefühl zurück: «Wir haben sensationell arbeiten können.» Danach verabschiedete sich die Mannschaft in Richtung Münchner Flughafen, von wo aus das Team nach Hause flog.

Es war der Schlusspunkt eines Trainingslagers, das von enormer Ruhe geprägt war. Kein Spieler hat den Klub verlassen, keiner ist neu dazugekommen, niemand hat sich ernsthaft verletzt. Mit Ende des Trainingslagers wird auch die Kaderplanung Fahrt aufnehmen. Sportchef Ruedi Zbinden hat am Tegernsee diverse Einzelgespräche geführt, Entscheide will er nach der Rückreise verkünden.

Torhüter und weitere Testspiele

Das Kader umfasst aktuell 29 Spieler, die angepeilte Grösse sind 25 Spieler. Gut möglich, dass man bei den Goalies bald einen leihweisen Abgang vermeldet. Djordje Nikolic ist im Fokus von Luzern. Dort könnte er weitere Spielpraxis sammeln, was beim FCB fast unmöglich ist. Auch einige junge Spieler dürften noch ausgeliehen werden.

Heute Morgen steht nun noch ein Training an, dann ist Freizeit bis Sonntagnachmittag. Ernst wird es dann nächste Woche wieder, dann testet der FCB am Dienstag gegen Lausanne und am Samstag gegen Stuttgart.