YuBeljahr

#45 Alte Dame, alte Herren

Die YB-Fans jubeln nach dem 2:0 von Guillaume Hoarau gegen Juventus Turin.

2018 war ein spezielles Jahr für YB. Der erste Meistertitel nach 32 Jahren des ewigen Wartens. Dann die erstmalige Qualifikation für die Champions League. Das europäische Abenteuer ging mit einem Ausrufezeichen zu Ende, dem 2:1 gegen Juventus Turin. Der Sieg änderte indes nichts mehr am Ausscheiden. Sechs Partien auf der grösstmöglichen Bühne hat YB absolviert, vier Punkte erobert und Einnahmen von gut 30 Millionen Franken generiert (wovon dem Verein etwa 60 Prozent zufliessen). Die vier Berner Autoren Pedro Lenz, Bänz Friedli, Klaus Zaugg und Bernhard Giger begleiteten YB in dieser Zeitung mit Kolumnen durch das «YuBeljahr». Zuerst auf dem Weg zum Meistertitel, dann in der Champions League. Heute schreiben sie ein letztes Mal.

Wir heutigen YB-Fans sind es leid, uns von alten Männern erzählen zu lassen, wie das grosse Albert-Sing-YB irgendwann in der Vorsteinzeit den unvergesslichen 1:0-Sieg gegen das beinahe unschlagbare Stade Reims errungen hat. Tausend Mal mussten wir uns erzählen lassen, wie voll das Wankdorf war, wie herrlich der Ball von Geni Meier im Netz zappelte und wie nahe YB dran war, in den Final des Europacups der Landesmeister einzuziehen.

Wir heutigen YB-Fans sind es auch leid, uns von Männern mittleren Alters immer wieder erzählen zu lassen, wie der YB-Spieler Urs Bamert zur Zeit der Manndeckung gegen Real Madrid zum 1:0-Sieg im Hinspiel des Europacups der Landesmeister einnickte. Tausend Mal mussten wir uns anhören, wie stolz der Berner Anhang an jenem Abend war.

Also liebe Stade-Reims-Veteranen, liebe Real-Madrid-Veteranen, seid still und lasst die nächsten hundert Jahre uns heutigen YB-Fans erzählen, von dem Abend, an dem zwei alte Männer, einer ganz vorne und einer ganz hinten, einen Haufen Jungspunde angeführt haben, um die alte Dame aus Turin zu demütigen. Die 36-jährigen Guillaume Hoarau und Marco Wölfli waren auf der Höhe ihrer Aufgabe und schickten das neue Juventus, das Juventus der Nach-Lichtsteiner-Ära, das Juventus von Dybala und Cristiano Ronaldo mit einer 2:1-Packung nach Hause!

Hat da jemand gesagt, 2:1 sei keine Packung? Für uns fühlt sich dieses 2:1 an wie eine Riesenpackung, wie ein Triumph von zwei alten und einem Haufen junger Young Boys über einen Klub von Weltstars, die glaubten, sie kämen zu einem lockeren Betriebsausflug nach Bern. Die Spieler von Juventus waren gedanklich schon beim pochierten Frühstücksei im Hotel Bellevue. Aber der immer geschmeidige Wölfli, der Cristiano Ronaldo den Ball von den Füssen nahm, als gäbe es nichts Einfacheres, und der ebenso geschmeidige Guillaume Hoarau, der zwei Bälle mit einer Souplesse versenkte, als hätte er zwei Songs geträllert, haben uns Blöff-Stoff für die nächsten hundert Jahre gegeben.

Vergesst Reims und Real. Ab sofort reden wir nur noch über Juve!

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