YuBeljahr

#48 Gutes Geld aus dem europäischen Topf

Die Young Boys jubeln nach ihrem 2:1-Sieg gegen Juventus Turin.

2018 war ein spezielles Jahr für YB. Der erste Meistertitel nach 32 Jahren des ewigen Wartens. Dann die erstmalige Qualifikation für die Champions League. Das europäische Abenteuer ging mit einem Ausrufezeichen zu Ende, dem 2:1 gegen Juventus Turin. Der Sieg änderte indes nichts mehr am Ausscheiden. Sechs Partien auf der grösstmöglichen Bühne hat YB absolviert, vier Punkte erobert und Einnahmen von gut 30 Millionen Franken generiert (wovon dem Verein etwa 60 Prozent zufliessen). Die vier Berner Autoren Pedro Lenz, Bänz Friedli, Klaus Zaugg und Bernhard Giger begleiteten YB in dieser Zeitung mit Kolumnen durch das «YuBeljahr». Zuerst auf dem Weg zum Meistertitel, dann in der Champions League. Heute schreiben sie ein letztes Mal.

Das «Abenteuer Champions League» ist eine grosse Genugtuung für uns Berner. Mit einer historischen Bedeutung, die weit über den Sport hinausgeht. Nicht nur, weil wir Juventus gebodigt haben. Viel wichtiger ist etwas ganz anders: ein grosses Unrecht ist durch die erste Teilnahme an der Champions League wenigstens teilweise gutgemacht worden.

1798 haben uns die Franzosen den Staatsschatz im Wert von damals sieben Millionen Pfund gestohlen. Wie viel Geld das heute wäre, weiss ich nicht. Aber wohl unermesslich viel. Die Legende geht, die Franzosen hätten damals unseren Staatsschatz auf einen Wagen geladen. Bei der Fahrt über die Nydeggbrücke sei die Achse ob des Gewicht gebrochen und man habe das Raubgut auf zwei Wagen verladen. Heute würden wohl die Wagenachsen brechen, wenn wir die bernischen Staats-Schulden auf einen Wagen packen könnten.

Item, unser Staatsschatz ist ins Ausland abgezügelt worden und wir haben ihn natürlich nie zurückbekommen. Erst jetzt fliesst das Geld aus Europa zurück. Die Champions League bringt YB schätzungsweise 30 Millionen Franken. So viel Geld hat seit 1798 kaum eine andere stadtbernische Institution auf einmal aus einem gesamteuropäischen Topf bekommen. Gut, geht dieses Geld direkt an YB und nicht an irgendeine städtische Kasse. So ist sichergestellt, dass nicht nur die politische Elite, sondern auch das gewöhnliche Volk im ganzen Bernbiet etwas von dem Geld hat. Finanziert wird damit die Institution, die uns Bernern neben dem SC Bern jahrein, jahraus am meisten Freude bereitet: YB.

Die Kassen sind nun randvoll, und selbst eine Mannschaft mit Ronaldo ist gegen uns chancenlos. Und da wir weniger hoffärtig sind als die Basler, wird Christoph Spycher, unser Sportchef, das Geld besser investieren als die Herren beim FCB und uns nun auf Jahre hinaus die Vormachtstellung im helvetischen Fussball vor dem FCB sichern.

Unsere goldene Fussball-Ära wird nicht ganz, aber fast so lange andauern wie die ganz grosse Zeit des alten Bern. Sie dauerte gut 200 Jahre.

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