Serie A

AC Milan setzt auf 16-Jährigen im Tor

Gianluigi Donnarumma hat sich den Platz im Milan-Tor gesichert.keystone

Gianluigi Donnarumma hat sich den Platz im Milan-Tor gesichert.keystone

Er heisst Gianluigi, und dieser Vorname verpflichtet in Italien. Gianluigi Donnarumma ist die grösste Torhüterhoffnung des Landes seit der Juventus Legende Gianluigi Buffon.

Die Serie A ist für junge Fussballer ein schweres Pflaster. Keine andere Top-Liga in Europa gibt Perspektivspielern weniger Vertrauen. Das Durchschnittsalter der Kader von Spitzenvereinen wie Juventus Turin oder dem aktuellen Tabellenführer AS Roma ist mit 27 Jahren rund zwei Jahre höher als dasjenige eines Bundesligisten oder Premier-League-Vereins.

Die Situation im Calcio widerspiegelt sich auch in der soziokulturellen Realität des «Bel Paese». Im Gegensatz zum Oscar-gekrönten Spielfilm der Coen-Brüder «No country for old men» ist Italien kein Land für junge Leute.

Studienabgänger wohnen bis Mitte oder sogar Ende dreissig bei Mama, weil sie sich mit schlecht bezahlten Temporärjobs über Wasser halten müssen. Und wäre Matteo Renzi (40) nicht Premierminister, er würde noch mit «Ragazzo» (Junge) angesprochen.

Dass nun die AC Milan auf einem knapp 17-jährigen Junior im Tor setzt, ist fast ein Anachronismus. Gianluigi Donnarumma heisst die italienische Goalie-Hoffnung, welche vor einer Woche im Heimspiel gegen Sassuolo sein Ligadebüt für die Rossoneri feierte und auch am letzten Mittwoch gegen Chievo Verona zwischen den Pfosten stand.

Jünger als Buffon

Mit 16 Jahren und 8 Monaten war der gebürtige Neapolitaner, den alle nur «Gigio» nennen, noch unweit jünger als sein Namensvetter und Idol,Italiens Rekordnationalspieler (152 Spiele) Gianluigi «Gigi» Buffon, der erst mit 17 debütierte. Logisch, dass Donnarumma in den Medien schon schnell den Status eines «Predestinato», eines Auserwählten, erhielt.

Bereits als 15-Jähriger sass er auf der Ersatzbank der ersten Mannschaft – dank einer Ausnahmebewilligung des italienischen Verbandes. In der fussballverrückten Familie stehen seine Brüder Antonio (Goalie beim FC Genoa) und Alfredo (Stürmer beim Serie-B-Klub Salernitana) ebenfalls schon bei Profivereinen unter Vertrag.

Penaltykiller Donnarumma

Auf dem Radarschirm der Öffentlichkeit tauchte Donnarumma erstmals im letzten Sommer auf, als er in zwei Testspielen der AC Milan insgesamt drei Elfmeter hielt, darunter einen von Toni Kroos. Seine imposante Statur von 197 cm fiel auch Klubbesitzer Silvio Berlusconi auf.

Eigentlich wäre Donnarumma, Mitglied von Italiens U-17 Nationalmannschaft, hinter den beiden Routiniers Diego Lopez (33) und Christian Abbiati (38) als dritter Torhüter vorgesehen gewesen. Der Spanier Lopez hatte einst bei Real Madrid die Klubikone Iker Casillas verdrängt.

Aber als Milan in den letzten Wochen in eine Krise schlitterte und sich beim ansonsten zuverlässigen Lopez Unsicherheiten einschlichen, geriet Trainer Sinisa Mihajlovic unter Druck. Der Serbe änderte daraufhin nicht nur Milans Spielsystem (von 4-4-2 auf 4-3-3), sondern auch seinen Mann im Tor.

Der Bessere soll spielen

Der Talisman stach. Mit Donnarumma im Tor hält Milan wieder Anschluss an die Champions-Legaue-Plätze, dem erklärten Saisonziel der Mailänder. Die Torhüterrochade erklärte der serbische Coach lapidar. «Wer in Form ist, spielt, und das ist momentan Donnarumma.»

Bereits als Trainer von Sampdoria Genua war Mihajlovic mit dem argentinischen Nationaltorhüter Romero (aktuell Manchester United) und dem Italiener Emiliano Viviano ähnlich verfahren.

Beim heutigen Auswärtsspiel gegen Lazio Rom wird Donnarumma zu seinem dritten Einsatz innerhalb einer Woche kommen. Ob für den jungen Torhüter damit die Weichen für eine Traumkarriere gestellt sind, muss sich noch weisen. Als warnendes Beispiel dient Simone Scuffet.

Mit 17 Jahren gab dieser 2013 seinen Einstand in der Serie A mit Udinese und wurde voreilig als neuer Buffon betitelt. Als ein Wechsel zu Atletico Madrid scheiterte, weil seine Eltern ihn lieber die Schule beenden lassen wollten, fiel er im Friaul ausser Traktanden. Mittlerweile versucht sich Scuffett beim Serie-B-Aufsteiger Como. Von Nationalmannschaft redet bei ihm keiner mehr.

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