SFV-Jubiläum

Als sich der FC Basel von GC vertreten liess

Der SFV-Trophäen-Schrank im Jahr 1968.

Der SFV-Trophäen-Schrank im Jahr 1968.

Als vor 125 Jahren, am 7. April 1895, die Schweizerische Fussball-Association, der spätere SFV, gegründet wurde, war erst ein sehr kleiner Kreis von Vereinen beisammen.

Von den heutigen Traditionsklubs gehörten nur St. Gallen, GC und Basel zu den Gründungsmitgliedern.

Am Ende der 19. Jahrhunderts brachten englische Touristen den Golfsport in die Schweiz, und zur gleichen Zeit importierten englische Studenten hauptsächlich in der Westschweiz den Fussball. Die ersten Vorstandsmitglieder der Schweizer Fussball-Association (SFA) hiessen denn auch nicht Müller, Studer oder Iseli, sondern Thomas Lawton Kilham, J.W. Seymour Hosley, John Tollman und Edmund L. Davies.

Erster Präsident war Emil J. Westermann von den Grasshoppers. Er wurde der Initiator der Verbandsgründung, indem er alle ihm bekannten Klubs anschrieb und sie ins günstig gelegene Bahnhofbuffet Olten bat, wo auch schon der Alpenclub, die FDP oder der Gewerkschaftsbund gegründet worden waren. Ein paar Eingeladene blieben entschuldigt oder unentschuldigt fern. Der FC Basel liess sich - was heute kaum noch zu denken wäre - durch GC vertreten und für den Verband eintragen. Die sieben anwesenden Gründer waren GC, der FC St. Gallen als ältester Klub auf dem europäischen Festland, der FC Excelsior Zürich (der später mit dem FCZ fusionierte), Lausanne Football & Country Club, La Villa FC Ouchy, Neuchâtel Rovers FC und der Yverdon FC.

In Bern wurde vier Jahre vor dem BSC YB der eigentliche Stadtklub FC Bern (1894) gegründet. Dieser ist aber in den Akten der Gründungszeit nicht erwähnt. Dennoch war ab 1898 der zweite Präsident der SFA, Paul Kehrli, ein Vertreter des FC Bern.

Was die Verbandsstatuten wie auch die Spielregeln betraf, orientierte sich Emil Westermann an der englischen Football-Association (FA). Westermanns erstes Ziel war es, dass die Wettspiele nach einigermassen einheitlichen Regeln abgehalten wurden.

Im Frühling 1897 kam Bewegung in den Schweizer Fussball. Die Genfer Sportpioniere Aimé Schwob und François Dégerine gründeten mit der "La Suisse Sportive" die erste Sportzeitung der Schweiz und fanden mit der Champagner-Firma Ruinart einen Sponsor für eine gesamtschweizerische Meisterschaft. Die SFA wollte allerdings von einem solchen Format noch nichts wissen. Präsident Westermann erklärte, dass es "den meisten Klubs eine absolute Unmöglichkeit ist, in Folge ihrer finanziellen und geschäftlichen Verhältnisse grössere Reisen auszuführen". So wurde die erste offizielle Schweizer Meisterschaft 1898/99 ausgetragen. Der Titel ging an den Anglo-American Club Zürich. Erst im Februar 1905 ging das erste offizielle Länderspiel der Schweiz vonstatten. Die Nati verlor in Paris gegen Frankreich 0:1.

Von den heutigen Klubs der Super League und der Challenge League waren 1895 die folgenden schon gegründet: St. Gallen 1879, Grasshoppers 1886, Servette 1890 (die ersten rund zehn Jahre Rugby spielend), Basel 1893 und Lausanne-Ouchy (La Villa FC Ouchy) 1895. In der ersten Jahren nach der Verbandsgründung kamen weitere heutige Profiklubs dazu: Zürich 1896, Lausanne Sports 1896, Winterthur 1896, Schaffhausen 1896, Young Boys 1898, Thun 1898, Wil 1900, Luzern 1901, Aarau 1902. Später oder viel später folgten Chiasso 1905, Lugano 1908, Sion 1909, Neuchâtel Xamax 1916 und Kriens 1944.

Die Jubiläen im Überblick

Jubiläum 25 Jahre SFV 1920. Zwei Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs trug die Schweizer Nationalmannschaft nur ein Länderspiel aus. Es war der Match vor 20'000 Zuschauern auf der Charmilles in Genf. Und es war schon das siebte Länderspiel gegen den bis dorthin häufigsten Gegner Frankreich. Die Franzosen gewannen 2:0. In der Chronik sind nicht alle als Schweizer Spieler mit vollem Namen erhalten. Es gab einen Huber II und einen Funk II. Schweizer Nationaltrainer war niemand beziehungsweise eine ganze Gruppe: Von 1910 bis 1923 wurde die Nati von der Schiedsrichterkommission geführt. Dies war nicht unüblich. Anfänglich unterstand sie dem Vorstand des SFV, später in fünf verschiedenen Perioden der Technischen Kommission des SFV.

Jubiläum 50 Jahre SFV 1945. Im letzten Kriegsjahr hiess der Trainer zum zweiten Mal Karl Rappan. Der legendäre Wiener, der zeitweise parallel dazu auch mit den Grasshoppers grosse Erfolge errang, war in vier verschiedenen Perioden Nationalcoach. Die Schweiz mass sich auch 1945 - diesmal in Lausanne - mit Frankreich und siegte 1:0. Hans-Peter Friedländer von GC erzielte das einzige Tor der Mannschaft, in der weitere alte Grössen wie Eugen Walaschek, Fredy Bickel, Lauro Amadò, Willy Steffen und Goalie Erwin Ballabio standen. Der Rappan-Riegel hielt, jedenfalls viel besser als neun Jahre später an der WM in der Schweiz. Dort schmolz der Riegel in der Hitzeschlacht von Lausanne, die die Schweiz gegen Österreich 5:7 verlor.

Jubiläum 75 Jahre SFV 1970. Nach zwei WM-Teilnahmen in Folge verpasste die Nati die Qualifikation für die WM in Mexiko. Deshalb wurde das Jubiläumsjahr mit freundschaftlichen Länderspielen ausgefüllt, bevor noch im Dezember ein guter Start zur EM-Qualifikation mit Auswärtssiegen gegen Griechenland und Malta folgte. Nationalcoach auf diese Qualifikation hin wurde Louis Maurer. Aber der damals schon betagte Waadtländer kam mit der Mannschaft nicht an England vorbei - trotz des historischen 1:1 im Wembley im November 1971 mit dem Weitschuss-Tor von Karl Odermatt. Mit dem Scheitern übergab Maurer das Zepter an Bruno Michaud.

Jubiläum 100 Jahre SFV 1995. Die Nati erntete ihre Spätlese der Ära Roy Hodgson mit der souveränen Qualifikation - als Gruppensieger - für die EM in England. Sie schlug unter anderen den WM-Dritten Schweden und bezog die einzige Niederlage im Heimspiel gegen die Türkei. Nachdem Hodgson dem Ruf von Inter Mailand gefolgt war, präsentierte der SFV noch im Jubiläumsjahr, am 19. Dezember, in Bern den Nachfolger: den Portugiesen Artur Jorge, den bis heute wohl sonderbarsten Schweizer Nationalcoach.

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