FC Basel

Auf allen Ebenen zu wenig: Der FCB unterliegt YB verdient mit 0:2

Der FC Basel verliert 0:2 gegen YB, kassiert die erste Heimniederlage seit Februar und verpasst den Sprung an die Spitze.

Es war ja schon lange nicht mehr so, dass man vor einem Spiel zwischen dem FC Basel und den Young Boys so stark das Gefühl haben konnte, dass die Basler Favorit sind. Aber vor diesem Aufeinandertreffen gestern Abend, da sprach tatsächlich sehr viel für den FCB. Da war einerseits die Form: Drei Siege reihten die Basler zuletzt aneinander, zwei davon zu Null. Seit dem 15. Februar und damit seit fast auf den Tag genau zehn Monaten hatte man im Joggeli in der Liga nicht mehr verloren. Dazu kam die tiefere Belastung im Vergleich mit den Bernern, die kürzere Absenzenliste.

Und doch braucht es in dieser Partie keine zehn Minuten, um zu realisieren: All das, all diese guten Argumente, sie würden an diesem Abend nicht relevant sein. Denn während YB von der ersten Sekunde an da ist, bereits in den ersten 60 Sekunden einen Eckball heraus holt, ist der FCB abwesend. Mental, aber auch von der Aggressivität, der Körpersprache her. Alles geht dem auf drei Positionen umgestellten Baslern ab. Im Zentrum kriegen weder Pajtim Kasami noch Fabian Frei oder Luca Zuffi annähernd Zugriff auf das Geschehen. Viel mehr werden sie vom sehr präsent agierenden Gegner neutralisiert. Und: Wie der Rest der Mannschaft extrem weit in die eigene Hälfte gedrückt.

Obschon der FCB in diesem Spiel Gastgeber ist, sind es die Berner, die wie ein Heimteam auftreten. Sie haben die Kontrolle, bestimmen Tempo und Richtung. Der Plan von Ciriaco Sforza, nach vorne zu agieren, funktioniert zu keiner Zeit. Stattdessen kassieren die Basler nach Slapstick-artigen Einlagen von Eray Cömert und Timm Klose nach zwölf Minuten den ersten Gegentreffer. Und acht Minuten später den zweiten. Verdient. Denn wer nach einer Ecke mit Jean-Pierre Nsame den Topskorer der Liga so sträflich alleine lässt, der bettelt förmlich um ein Tor.

Vier Tage für eine komplett andere Ausgangslage

Dass es nicht in diesem Takt weitergeht, ist der abnehmenden Genauigkeit der Berner, aber auch den sich langsam stabilisierenden Baslern zu verdanken. Der FCB fängt sich mit zunehmender Dauer. Gut – das wird er aber nie. Ihm fehlen Ideen, Kreativität, Biss und ohne Spieler wie Valentin Stocker oder Taulant Xhaka auch die unbändige Leidenschaft. So ist die Niederlage am Ende mehr als verdient, auch wenn Julian von Moos in Durchgang 2 eine Topchance liegen lässt.

In den letzten beiden Aufeinandertreffen – vor dreieinhalb Wochen und im Cupfinal Ende August – war dem FCB zuletzt wenigstens ein Tor gelungen. Aber: Damals war der FCB auch nicht so weit weg vom Meister. Gestern ist dieser meilenweit weg. Mehr als zwei Tore. So wird dem FCB, statt vorübergehend an die Tabellenspitze zu klettern, in aller erbarmungsloser Deutlichkeit aufgezeigt, dass er die Nummer 2 ist. Fragte man sich vor der Partie, wo Bernhard Burgener das Team verstärken möchte, fragt man sich nun: Wo nicht?

Nach Verlustpunkten sind die Basler wieder acht Punkte hinter YB. Und das, nachdem vor Anpfiff die Chance kaum je grösser schien, heranzurücken. Aber dafür kommt vom FCB schlicht zu wenig. Auf allen Ebenen. Der leichte Aufwärtstrend ist gestoppt. Jäh. Ausgerechnet, bevor auch noch St. Gallen am Samstag ins Joggeli kommt. Die Espen spielten zwar gestern nur 0:0. Dennoch sind sie nun punktgleich. Je nach Resultat könnte der FCB also innert vier Tagen vom wiederernannten Titelaspiranten zur Nummer 3 verkommen. So schnell der Aufwind da war, so schnell ist er wieder weg.

Das Telegramm:

Die Highlights:

Meistgesehen

Artboard 1