Der FC Bayern München kam der erfolgreichen Titelverteidigung in der Champions League eine Runde näher. Ein 3:1 gegen Manchester United reichte dem alten und neuen Deutschen Meister nach dem 1:1 in England zur Halbfinalqualifikation.

Eine knappe Stunde lang plätscherte der einzige Viertelfinal in der Königsklasse mit Beteiligung zweier aktueller Champions nur so dahin. Bayern München zog mit einer extrem offensiven Aufstellung ein druckvolles Powerplay auf, kam gegen die ausgezeichnet stehende Abwehr von Manchester United aber kaum zu Torchancen. Die Engländer suchten ihre Chance in überfallartigen Gegenangriffen.

Die entscheidenden Szenen spielten sich zwischen der 57. und der 76. Minute ab. Zuerst brachte Patrice Evra mit einem Sonntagsschuss am Mittwochabend Manchester in Führung. Der bald 33-jährige französische Verteidiger kam angerauscht und drosch den Ball aus vollem Lauf via Latte ins Netz. Evra erzielte erst zum zweiten Mal in der Champions League ein Tor, erstmals wieder seit sieben Jahren (Viertelfinal 2007 gegen AS Roma). Aber Evra trug nur 69 Sekunden nach dem Führungstor auch die Hauptschuld, dass die Partie sogleich wieder kippte. Er verlor neun Meter vor dem eigenen Tor das Kopfballduell gegen Mario Mandzukic, der eine Hereingabe von Franck Ribéry einköpfte. Neun Minuten nach dem Ausgleich brachte Thomas Müller die Bayern in Führung. Er kickte einen Flachpass von Arjen Robben trotz Behinderung ins Netz. Und Robben stellte weitere acht Minuten später mit einem Querlauf durch den Strafraum und einem Abschluss mit dem linken Fuss Bayerns Weiterkommen sicher.

Eine Gala gelang den Bayern gegen Manchester United aber nicht. Die Münchner wären wohl arg ins Schwimmen geraten, hätte nicht gleich der erste Angriff nach dem Gegentor zum Torerfolg geführt, was die Lage für Bayern wieder entspannte. "Wir begannen die zweite Halbzeit unglaublich schwach", räumte sogar Robben ein. "Eigentlich darf man sich eine solche Leistung in der Champions League nicht erlauben."

Schon früh hatte Bayern Anzeichen von Nervosität gezeigt. ManU beunruhigte die nach drei sieglosen Spielen hintereinander (3:3 Hoffenheim, 1:1 Manchester United, 0:1 Augsburg) nicht mehr ganz so souveränen Münchner immer wieder. Wayne Rooney, der trotz eines Blutergusses im grossen Zeh durchspielte, bot sich nach acht Minuten die erste gute Torchance. In der 17. Minute gelang Antonio Valencia ein Offside-Goal; ein halber Meter fehlte den Briten bei dieser Szene zur Führung. Nach einer halben Stunde verhinderte wieder eine Offside-Position, dass Manchester einen Handspenalty zugesprochen erhielt. Und zweimal boten sich auch in der zweiten Halbzeit Rooney nochmals gute Möglichkeiten (52./62.).

Am Ende blieb Manchester aber nichts Zählbares. Derweil die Bayern weiter die erfolgreiche Titelverteidigung verfolgen, muss Manchester United am Wochenende unbedingt in Everton gewinnen, um sich die letzte Chance zu wahren, auch nächste Saison europäisch spielen zu können. Das Team von Coach David Moyes liegt fünf Runden vor Meisterschaftsschluss bereits sechs Punkte hinter Everton zurück, das derzeit den letzten Europa-League-Platz belegt.

Atletico seit 1974 wieder im CL-Halbfinal

Atletico war letztmals vor 40 Jahren unter die Top 4 des europäischen Klubfussballs vorgestossen. Damals hatte die Champions League noch Meistercup geheissen. Nun gelang den Rot-Weissen, genannt die "Matratzenmacher", wieder einmal ein Coup auf kontinentaler Ebene. Mit dem FC Barcelona warfen sie einen Dauergast in den Champions-League-Halbfinals aus dem Wettbewerb. "Barça" muss also in dieser Saison einen wichtigen Titel abschreiben. Und Atletico könnte nun auch in der Primera Division zum Spielverderber werden.

Tor und dreimal Aluminium nach 19 Minuten

Die Vorzeichen waren nicht gut gewesen für Atletico Madrid. Die Mannschaft von Diego Simeone hatte vor der Partie einen herben Rückschlag zu verkraften. Die Hoffnungen auf einen Einsatz von Star-Stürmer Diego Costa zerschlugen sich. Seine Oberschenkelverletzung erlaubte keine Aufnahme ins Aufgebot. Wer nun gedacht hatte, Atletico würde diese Schwächung der Offensive nicht auffangen können, wurde rasch eines Besseren belehrt. Die Madrilenen zündeten im Vicente Calderon angetrieben von ihren frenetischen Fans in der Anfangsphase ein Angriffs-Feuerwerk erster Güte. Koke, ein Eigengewächs, schoss bereits in der 5. Minute das 1:0. Die Vorarbeit hatte Diego Costas Ersatzmann Adrian Lopez geleistet. Und nach 19 Minuten hatte Atletico schon drei Aluminium-Treffer auf dem Konto. David Villa, früher in Diensten von "Barça", war je einmal an Pfosten und Latte gescheitert.

Atletico konnte diesen hohen Rhythmus nicht über die ganze Spieldauer aufrecht erhalten. Dies eröffnete dem FC Barcelona mehr Möglichkeiten. Die Katalanen konnten sich nach und nach Luft verschaffen und sich ein klares Plus beim Anteil Ballbesitz aneignen. Die zwingenden Torchancen der Gäste waren aber am Ende an einer Hand abzuzählen. Zu den gefährlichsten Aktionen zählten die Kopfbälle von Lionel Messi (13.) und Neymar (78.). Ansonsten verpuffte die Kunst in Blaugrana oft wirkungslos. Es mangelte an Ideen. Und je länger die Partie dauerte, desto schwieriger wurde es für "Barça", weil sich Atletico einigelte und auf Konter beschränkte. Die Mauer der Platzherren sollte bis am Schluss halten.