Abschiede 2017

Bernhard Heusler nach seinem Rücktritt als FCB-Präsident: «Vermisse ich den Fussball? Nicht wirklich»

Ein friedlicher Platzsturm zum Schluss. Die FCB-Fans würdigen Bernhard Heusler während seines letzten Spiels als FCB-Präsident.

Ein friedlicher Platzsturm zum Schluss. Die FCB-Fans würdigen Bernhard Heusler während seines letzten Spiels als FCB-Präsident.

Nach acht Meistertiteln in Serie tritt der FCB-Präsident Bernhard Heusler ab – Erinnerungen und Ausblicke.

Noch einmal gehört die Bühne ihm. Seine Bühne. Es ist der 2. Juni, der FC Basel empfängt St. Gallen, es ist das letzte Spiel der Saison und vor allem das letzte Spiel für Bernhard Heusler als FCB-Präsident. Es wird ein Abend der grossen Emotionen.

In der 72. Minute betreten die Fans der Muttenzerkurve das Spielfeld – friedlich. «Chapeau Bärni!», heisst es auf dem Transparent. Die Fans übergeben Heusler ihre Fahne. Er schwenkt sie. Immer wieder Tränen in den Augen.

Platzsturm: Die Muttenzerkurve mit ihrer etwas anderen Abschiedschoreo für Bernhard Heusler.

Platzsturm: Die Muttenzerkurve mit ihrer etwas anderen Abschiedschoreo für Bernhard Heusler.

«Ich habe im Nachgang zu diesem Abschiedsabend einige Male Filmchen davon gesehen. Wenn ich da mich selbst erblicke, dann merke ich, wie ich in diesem Moment irgendwie gar nicht da war. Es war vielleicht wie bei einer Medaillenfeier. Es schwirren Fragen durch den Kopf. ‹Bin das wirklich ich?› Oder: ‹Passiert das wirklich?› Die Emotionen haben mich völlig überwältigt. Ich wusste nicht, was alles geplant war. Roger Federer hat mir zwei Wochen lang nicht mehr auf meine SMS geantwortet, weil er nicht lügen wollte. Dass er dabei war, dass viele, viele ehemalige Spieler dabei waren – das war alles schlicht unvergesslich.»

Die Abschiedsrede des abtretenden FCB-Präsidenten Bernhard Heusler

Die Abschiedsrede des abtretenden FCB-Präsidenten Bernhard Heusler (2. Juni 2017)

Als seine Grosseltern die goldene Hochzeit feiern, singt der 6-jährige Bernhard Heusler «Karli no ne Gool». An seinem achten Geburtstag dann die erste Begegnung mit Karli Odermatt. Heusler ist infiziert vom FCB-Virus.

Und er merkt, dass der Verein Stadt, Land und Leute bewegt. Es entsteht eine Liebe, die bleibt. Nach dem 13. Mai 2006, nach dieser epochalen Niederlage in letzter Sekunde in der Finalissima gegen den FCZ und den folgenden Ausschreitungen, nimmt Heuslers Einfluss stetig und rasant zu.

Ab 2009 ist er die starke Figur im Verein. Es ist der Beginn einer beispiellosen Ära im Schweizer Fussball. Der Schweizer Meister heisst fortan immer FC Basel. Acht Mal in Serie bis zum heutigen Tag. Der emotionale Höhepunkt zum Schluss ist aber nicht der Meistertitel, sondern der Cupsieg 2017, erstmals seit 2012 holt Rot-Blau das Double.

Bernhard Heusler.

Bernhard Heusler.

«Mit ein bisschen Abstand denke ich mir: So ein Abschied ist fast ein bisschen frech. Jeder in Basel wollte diesen Cupsieg. Dass er ausgerechnet gegen Sion gelingt, gegen dieses lebendige Cupmonster – unbeschreiblich. Ich habe mit der Mannschaft in Genf übernachtet. Ich war vor dem Spiel viel für mich alleine, konnte den ganzen Tag nicht essen, es war mir schlecht seit dem Morgen. Und irgendwie waren unendlich viele Emotionen in mir. Es kam der Moment vor dem Spiel, als ich zur Mannschaft sprach. Es ist nicht gelogen, wenn ich sage, ich weiss nicht mehr genau, was ich alles sagte. Natürlich, ich habe mich zehn Minuten etwas abgesetzt in ein Massage-Räumchen und mir einige Dinge überlegt. Ich erwähnte Renato Steffen und Taulant Xhaka – und dass ich einfach niemanden sehen will, der weniger fightet als die beiden. Aber was mir auch wichtig ist: Es war nicht eine Art ‹heute spielt ihr für uns!›, die Spieler wussten genau, dass wir sie nicht weniger gern haben, wenn es nicht klappt mit dem Sieg.»

Nach dem Saisonende im Juni beginnt die Zeit des Loslassens. Erstmals mussten Heusler und seine Kollegen aus dem Verwaltungsrat nicht über die Saison hinaus planen. Die Zukunft ist aufgegleist, die Übernahme der neuen Führung klappt ebenfalls – sieht man einmal vom etwas holprigen Start ab, als plötzlich Jean-Paul Brigger aus dem Hut gezaubert wird. Heuslers Werk ist vollendet.

«Ab dem Cupfinal kam ich mir ein bisschen wie ein Skispringer vor, der schön von der Schanze gleitet. Noch nie in meinem Berufsleben konnte ich den Körper so sehr herunterfahren wie im Juli und August. In den letzten Jahren hatte ich stets gesundheitliche Probleme, wenn ich in die Ferien gestresst bin. Diesmal überhaupt nicht. Ich war vier Wochen am Stück weg, unterwegs in Europa, in den Bergen und schliesslich in Miami mit dem gesamten Verwaltungsrat.»

Dass der Übergang von der alten zur neuen Führung so reibungslos klappt, ist nicht selbstverständlich. Und auch mit einer grossen Anspannung in den Monaten bis zum Vollzug und der Wahl der neuen Führung verbunden.

Bernhard Heusler (rechts) gratuliert seinem Nachfolger Bernhard Burgener.

Bernhard Heusler (rechts) gratuliert seinem Nachfolger Bernhard Burgener.

«Wir alle wussten: An diesem Meistertitel hängt die direkte Qualifikation für die Champions League. Dieser Titel trug entscheidend dazu bei, dass die neue Führung positiv starten konnte. Weil ein Titel heute nicht nur ein sportliches Ziel, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist. Darum war der Druck enorm. Stellen Sie sich vor, die Mannschaft wäre nach der Bekanntgabe unseres Entscheides auseinandergefallen. Es hätte sofort geheissen: ‹Ihr habt Unruhe gestiftet!› Oder: ‹Die treten ja nur zurück, weil alles schlechter wird!› Auch darum fühlten sich zehn Punkte Vorsprung nie wirklich komfortabel an.»

Und nun also das neue Leben. Ein Leben, in dem der Fussball für den bald 54-Jährigen nicht mehr ganz die gleiche Bedeutung einnimmt. Doch die Leidenschaft bleibt. Das jedenfalls wird klar, wenn man Heusler erzählen hört, von den Heimsiegen in der Champions League, dem Dortmunder Drama gegen Schalke beispielsweise (vom 4:0 zum 4:4), oder von der spektakulären Wende Freiburgs gegen Köln (vom 0:3 zum 4:3), auch das Cupspiel FCZ gegen Thun (vom 1:3 zum 4:3) bleibt nicht unerwähnt.

«Ich verfolge den Fussball weiterhin mit totalem Interesse. Aber es ist weniger belastend und bedeutend in meinem Leben. Die innere Verzweiflung, wenn es nicht so läuft, wie wir wollen, ist nicht mehr derart gross. Vermisse ich den Fussball? Nicht wirklich. Ich bin nie zu Hause gesessen und habe gedacht: ‹Oh, jetzt wäre es doch toll, mit der Delegation von Manchester United den offiziellen Lunch einzunehmen. Auch Reue habe ich nie gespürt, zum Beispiel, dass wir diese Champions-League-Saison nicht mehr mitgenommen haben.»

Bernhard Heusler nach dem Cupsieg.

Bernhard Heusler nach dem Cupsieg.

Und doch folgt nun wieder eine neue Episode, in der vieles vom Fussball geprägt sein wird. Heusler hat zusammen mit Ex-Sportchef Georg Heitz und Ex-Finanzchef Stephan Werthmüller eine Berater-Firma gegründet. Ab Januar geht es los.

«Wir betreten spannendes Neuland. Konkret möchten wir unser Know-how und Netzwerk bei Vereinen, bei Projekten oder auch bei Spielertransfers einbringen, ohne uns dabei aber anstellen zu lassen. Wir beschränken uns nicht auf die Schweiz, unsere Kontakte helfen auch im Ausland.»

An Arbeit dürfte es der «HWH» kaum mangeln. Schliesslich gibt es genügend Teams, die Meisterambitionen hegen.

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