Man hat gar nicht gewusst, dass Ancillo Canepa noch so beweglich ist. Doch der Torjubel des FC Zürich beseitigte alle Zweifel diesbezüglich. Canepa wusste in diesem Moment: Das musste der Einzug in den Cupfinal sein. Denn die Uhr hatte bereits die Nachspielzeit angezeigt, als nach einem Freistoss des FCZ der GC-Verteidiger Emil Bergström den Ball mit dem Kopf in den Lauf des aufgerückten FCZ-Verteidigers Cedric Brunner lenkte, der die Kugel freistehend ins Netz hämmerte.

Ausgerechnet Brunner, der in 46 Super-League-Spielen noch nie getroffen hatte und der am letzten Sonntag im Meisterschaftsderby mit gelbrot vom Platz gestellt worden war, wurde zum grossen Helden seiner Mannschaft. «Stimmt, ich bin nicht bekannt dafür, Tore zu schiessen», lachte Brunner, «eher dafür, solche zu verhindern. Das Gefühl nach diesem Treffer ist unbeschreiblich. Ich werde es ein Leben lang nicht vergessen.»

Cupfinal in Bern?

Der 24-Jährige sorgte damit dafür, dass der FC Zürich am 27. Mai zum elften Mal den Cupfinal bestreitet. Gegner werden die Young Boys sein; eine Affiche, die es noch nie in einem Final gegeben hat. Sollten sich indes die Gerüchte bestätigen, dass dieser in Bern stattfinden wird, so wäre dies grob unfair. Zum einen, weil die Partie auf Kunstrasen ausgetragen und damit die Berner bevorteilen würde, zum andern, weil Gelbschwarz ein Heimvorteil zugeschanzt würde, erst nachdem es sich am Dienstag gegen Basel fürs Endspiel qualifiziert hatte.

Der Sieg des FCZ ging vor allem deshalb in Ordnung, weil Schiedsrichter Fedayi San kurz vor Ablauf einer Stunde dem Stadtklub einen Penalty vorenthalten hatte. Nachdem Jean-Pierre Rhyner einen viel zu kurzen Rückpass in Richtung von Heinz Linder gespielt hatte, stand Raphael Dwamena allein vor dem GC-Goalie, welcher dem Afrikaner mit beiden Beinen voran entgegensprang, dabei zwar den Ball traf, aber eben auch ein Foul begangen hatte und es einen Penalty für den FCZ hätte geben müssen.

Das 17. Aufeinandertreffen im Schweizer Cup und das 269. in Pflichtspielen zwischen diesen beiden Zürcher Teams lebte vor allem von der Spannung. Drei Tage nach der ausgeglichenen Begegnung in der Super League, welche die Grasshoppers dank grosser Effizienz 1:0 gewonnen hatten, hatten die beiden Trainer ihre Teams auf einigen Positionen verändert. FCZ-Coach Ludovic Magnin auf drei, GC-Trainer Murat Yakin sogar auf deren vier.

Viel änderte sich dadurch im Vergleich mit dem Geschehen vom Sonntag indes nicht. Beide Mannschaften waren sich erneut ebenbürtig, und obwohl das Terrain – zumindest von aussen betrachtet – einen passablen Eindruck machte, unterliefen den beiden Teams ungemein viele technische Fehler. Weil die packenden Torszenen fehlten, dürfte sich so mancher der 15 600 frierenden Zuschauer gefragt haben, weshalb er sich dazu entschlossen habe, das Spiel zu Hause in der warmen Stube statt im Kühlschrank Letzigrund anzuschauen.

Der Zufall spielte mit

Dass nach 22 Minuten bereits zwei Tore gefallen waren, war entsprechend auch etwas dem Zufall geschuldet. Beim 1:0 für die Grasshoppers wurde der Torschuss von Marko Basic von einem gegnerischen Bein so abgelenkt, dass er perfekt vor Numa Lavanchy herunterfiel, der der die Kugel wunschgemäss volley traf und Yanick Brecher bezwang. Der FCZ-Goalie hätte die Kugel aber abwehren müssen. 1:0 führte GC also schon nach elf Minuten und damit ein paar Minuten früher als am Sonntag.

Hatten die Hoppers danach die Zürcher anrennen lassen und den Vorsprung mit wenigen Ausnahmen sicher über die Zeit gebracht, so gelang dem FCZ diesmal eine Reaktion. Aber auch er benötigte einen gegnerischen Fehler in Form einer schwachen Abwehr von Verteidiger Rhyner, dass Kevin Rüegg nach einem Doppelpass mit Raphael Dwamena freie Schussbahn hatte und aus kurzer Entfernung zum 1:1 traf. Es war der erste Pflichtspieltreffer des 19-Jährigen für den FCZ.