FCB-Zahl der Woche

Ciriaco Sforza in Dauereinsatz an der Seitenlinie: «Chasch mer bitte emol zuelose jetzt!»

Ciriaco Sforza hilft seiner Mannschaft mit lautstarken Inputs von draussen.

Ciriaco Sforza hilft seiner Mannschaft mit lautstarken Inputs von draussen.

Der neue FCB-Trainer gibt an der Seitenlinie Vollgas. Wir haben gegen Anorthosis genau zugehört und mitgezählt, an wen sich die lautstarken Inputs richten und bei den Betroffenen nachgefragt.

Ciriaco Sforza dreht sich ab. «Chasch mer bitte emol zuelose jetzt!», schreit der FCB-Trainer und fuchtelt mit erhobenen Armen durch die Luft. Die Worte sind mehr an sich selbst gerichtet. Doch der Auslöser ist Linksverteidiger Andrea Padula, der zuvor die lautstarken Inputs nicht wie gewünscht umgesetzt hatte.

Insgesamt schreit Sforza am Donnerstagabend gegen Anorthosis 136 Mal gut hörbare direkte Anweisungen an einen seiner Spieler aufs Feld. Das sind 1,5 pro Minute. Doppelnennungen kurz hintereinander, die immer wieder vorkommen, sind da ebenso wenig eingerechnet wie kollektive Anweisungen ans ganze Team. Kurzum: Sforzas Stimme ist im Dauereinsatz und sie hält der Beanspruchung stand. Am Tag nach dem Spiel erklärt Sforza ohne ein Anzeichen von Heiserkeit: «Das ist meine Art und die Mannschaft braucht diese Unterstützung jetzt. Das spüre ich. Es ist vieles neu. Wir spielen offensiver, gehen früher drauf. Sie wissen, dass ich das immer positiv meine und darum nehmen sie es auch gut auf. Aber es wird sicher auch Phasen geben, wo ich ruhiger sein werde.»

Der neue FCB-Trainer ist in den leeren Geisterstadien der zwölfte Mann. Das ist vor allem in Abwesenheit der Fans, die normalerweise die Rolle des zwölften Mannes übernehmen, sehr gut zu hören. Während seine Spieler kicken, schreit der neue FCB-Trainer von aussen rein. Dabei macht er vor niemandem Halt. Goalie Djordje Nikolic weist er nach einem Befreiungsschlag an: «Nicht in die Mitte! Seite!» Zu Stürmer Julian von Moos ruft er: «Julian, nicht kreuz und quer rennen!».

Sforza schreit auf Schweizerdeutsch, auf Englisch auf Spanisch und auf Italienisch. In der ersten Halbzeit sind es Padula und Afimico Pululu, die quasi bei jeder Aktion Inputs von aussen erhalten. Nach der Pause, als der FCB das Spiel aus der Hand zu geben scheint und Padula und Pululu auf der gegenüberliegenden Seite spielen, sind es Ricky van Wolfswinkel und Samuele Campo. Ihr Defensivverhalten in der Zentrale ist selten so, wie Sforza sich das wünscht. «Ricky, wir stehen», «Samuele, Löcher schliessen», heisst es dann von der Seitenlinie.

Auch Fabian Frei ist auf dem Feld immer wieder zu hören. «Ruhig, ruhig, alles gut», sagt der 31-Jährige einmal in Richtung Campo, als wolle er der Hektik, die von Sforzas Schreien ausgeht, entgegenwirken. Angesprochen auf die lautstarken Inputs sagt Frei: «Das ist seine Art und sein gutes Recht. Er ist mit Emotionen dabei und man merkt, dass er selber Fussball gespielt hat.» Frei stört das nicht. Er erklärt: «Ich finde das gut. Denn ich bin erfahren und weiss, wann ich lieber auf mich höre.» Dass das bei Sforza ein «Chasch mer bitte emol zuelose jetzt!» auslösen könnte, nimmt er in Kauf.

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