FC Basel

Das Ende naht - oder? Beim FC Basel laufen im Sommer zwölf Verträge aus

Emil Bergström (links) und Eric Ramires (rechts) sind zwei Spieler, deren Verträge am 30. Juni diesen Jahres auslaufen.

Emil Bergström (links) und Eric Ramires (rechts) sind zwei Spieler, deren Verträge am 30. Juni diesen Jahres auslaufen.

Gleich zwölf Verträge laufen beim FC Basel in diesem Sommer aus . Ein Blick in die Glaskugel, inklusive möglicher Tendenzen.

Eine Sache hat Marco Streller stets betont, als er noch Sportchef des FC Basel war. Seine Mannschaft, die könne er erst im Sommer 2020 wirklich so bauen, wie er sie möchte. Denn bis zu diesem Zeitpunkt laufen diverse Arbeitspapiere von Spielern, die nicht Streller zum FC Basel geholt hat. Sprich: Erst dann kann er entscheiden, ob sie auch in seiner FCB-Ausgabe Platz haben würden. Und somit eine Mannschaft formen, die nur aus seinen effektiven Wunschspielern aufgebaut ist.

Nun ist es ja mittlerweile bekanntermassen so, dass Marco Streller das alles nicht mehr kümmern muss. Beziehungsweise, er sich nicht mehr darum kümmern kann. Seit Sommer ist er nicht mehr Sportchef beim FCB, diese Rolle hat nun Ruedi Zbinden inne. Dieser aber muss sich genau die selben Fragen stellen, wie Marco Streller dies hätte tun müssen. Will ich, im Sinne des Vereins, diese Verträge verlängern? Will ich sie auslaufen lassen? Will ich eine Leihe in eine feste Verpflichtung ummünzen? Und weil es sich dabei nicht nur um Ergänzungs- oder zurückkehrende Leihspieler handelt, sind es auch Entscheidungen mit Gewicht. Entscheidungen, die Einfluss auf dem Platz haben werden, aber auch in der Klubkasse.

Gleich zwölf Verträge enden am 30. Juni diesen Jahres: Jene von Djordje Nikolic, Zdravko Kuzmanovic, Kevin Bua, Ricky van Wolfswinkel und der von Marcel Koller laufen aus. Bei Emil Bergström, Eric Ramires, Edon Zhegrova und Arthur Cabral enden die Leihgeschäfte. Von solchen kehren Dominik Schmid, Gezim Pepsi und Martin Liechti zurück, haben aber ab 1. Juli auch bei Basel keinen gültigen Vertrag mehr. Erste Gespräche wurden selbstredend bereits geführt. Dies bestätigte Zbinden beim Trainingsauftakt vor rund einer Woche. Ergebnisse gibt es aktuell noch keine zu vermelden. Durchaus aber Tendenzen.

Tendenz 1: Vertrag auslaufen lassen

Der klarste Fall ist jener von Zdravko Kuzmanovic. 2015 kam er als grosser Rückkehrer zum FCB, unterschrieb für fünf Jahre. Er wolle nie mehr weg, liebe den Verein und wolle alles mit diesem erreichen. Nun, die Bilanz ist gelinde gesagt eine leicht andere. Drei Mal wurde er ausgeliehen, drei Mal hatte er Achillessehnen-Probleme. Auch sonst war er eher für negative Schlagzeilen besorgt denn für grosse Taten auf dem Platz. Gepaart mit seinem stattlichen Lohn war dies eine riesige Bürde und eines der unschönen Überbleibsel der Ära Heusler/Heitz. Eine Verlängerung macht keinen Sinn.

So sieht es auch bei Ricky van Wolfswinkel aus. Als erster Spieler von Streller und vor allem als Königstransfer im Sommer 2017 verpflichtet, kann man ihm nicht vorwerfen, nichtseine Leistung gebracht zu haben. Der Holländer erzielte seine Tore, liess sich auf den Flügel, wenn es dort niemanden mehr hatte, und war auch sonst ein mannschaftsdienlicher Spieler. Er hatte aber auch eine grosse (Fussbruch) und eine sehr grosse Verletzung (Aneurysma), die ihn viel Spielzeit kosteten. Auch er hat einen gut dotierten Vertrag, ausserdem ist noch unklar, wie schnell beziehungsweise wie nahe er an seine Leistungen von vor dem Aneurysma-Eingriff wieder heran kommen wird. Eine Vertragsverlängerung wäre menschlich ein sehr schönes Zeichen, sportlich aber wenig sinnvoll. Auch, weil der FCB im Sturm genug Alternativen hat.

Über die Rolle der Alternative kam Emil Bergström in seinem ersten Halbjahr nicht hinaus. Und nach der Verpflichtung Jasper van der Werffs wird sich daran wenig ändern. Sein Vertrag läuft im Sommer aus, und das passt. Von Leihgeschäften zurück kehren Dominik Schmid, Gezim Pepsi und Martin Liechti. Die Verträge aller drei beim FCB laufen aus. In keinem Fall macht eine Verlängerung Sinn. Sie haben keinen Platz und eine grosse Ablöse werden sie auch nicht mehr generieren.

Tendenz 2: Auslaufenden Vertrag verlängern

Nicht erst seit dem Getafe-Spiel weiss man, dass Djordje Nikolic ein begnadeter Torhüter ist. Aber da bestätigte er dies auch den letzten Zweiflern. Seinen Vertrag muss der FCB unbedingt verlänger. Einerseits, um bereits einen guten Ersatz für den im Sommer begehrten und durchaus wechselwilligen Jonas Omlin zu haben. Aber auch, um mit dem talentierten Torhüter irgendwann Geld machen zu können. Etwas weniger eindeutig ist der Fall Kevin Bua. So oft er in seiner FCB-Zeit verletzt war, so oft hat er auch sein grosses Können gezeigt. Ungeachtet dessen, ob der FCB ihn über den Sommer hinaus behalten will: Bei einer Vertragsverlängerung gäbe es bei einem Verkauf immerhin eine nette Summe.

Tendenz 3: Noch ein bisschen abwarten

Es gibt beim FCB auch jene Fälle, bei denen es noch zu früh ist, um ein Urteil zu fällen. Arthur Cabral hat mit seinen Toren zwar überzeugt und wäre ein Kandidat für eine fixe Übernahme. Aber: Er ist aktuell angeschlagen und kostet ausserdem elf Millionen Euro. Eine hohe Summe,die wohl überlegt investiert werden muss. Vier Millionen weniger, also sieben Millionen,würde Eric Ramires kosten, wenn ihn der FCB übernehmen wollte. Ob er das wert ist, ist nicht einschätzbar. Er kam erst auf sieben Einsatzminuten. Da ist jedes Urteil zu früh.

Dass hingegen Edon Zhegrova ein begnadeter Kicker ist, weiss in Basler mittlerweile jeder. Hält er seine Form von Ende Hinrunde, dann gehört er klar in die Kategorie zwei: Vertrag verlängern. Kommt er aber so wenig zum Einsatz wie in den Monaten davor, ist eine definitive Übernahme zwecklos. Das hängt stark mit dem Mann zusammen, der an der Seitenlinie steht und dessen Vertrag ebenfalls ausläuft: Marcel Koller. Auch die Zukunft des Cheftrainers muss zeitnah geklärt werden. Der FCB wäre aber gut beraten, den Rückrundenstart abzuwarten.

Setzt er diesen gegen YB und St. Gallen in den Sand und verliert den Anschluss an den Leader, könnte er nochmal über die Bücher. Denn Kollers Vertrag verlängert sich nur bei einem Meistertitel. Verpasst der FCB diesen, ist es denkbar, dass die Position des Trainers mal wieder heiss diskutiert wird. Vorzeitig zu verlängern wäre nicht sinnvoll. Auch hier hilft etwas Geduld.

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