Er ist an diesem Abend der einsamste Mensch. Ganz allein schlendert Fabian Schär durch die Katakomben, seine Augen suchen Orientierung und finden sie kaum, weil der Kopf viel verarbeiten muss. Die Enttäuschung sitzt tief, bloss mit niemandem reden jetzt. In der Stunde des Erfolgs, und das ist der Achtelfinaleinzug für die Schweiz, ist der Innenverteidiger alleine in seinem Tunnel.

Dann verlangsamt Schär den Schritt, hält an und sagt: «Ich mag keine Fragen beantworten. Es ist sehr bitter.» Er ringt um Fassung, ist den Tränen nah, und wenn man in ihm manchmal etwas Stolzes und Selbstbewusstes erkennt, ist das alles an diesem Abend wie weggeschwemmt.

Er beginnt sich zu sammeln, und vielleicht bekommt er das Gefühl, dass Reden guttut in diesem Moment. Er habe lediglich ein einziges Foul begangen, und nicht einmal das sei eigentlich eines gewesen. «Bitter», sagt er wieder. «Es ging um viel, wir haben es geschafft. Hauptsache, weitergekommen.» Lag es an der Nervosität, dass die Mannschaft so nachlässig schien? «Ich denke nicht, wir haben viel geredet und versucht, die Wichtigkeit der Partie beiseitezuschieben. Der Gegner war schon auch gut.»

Das Nicht-Foul an Messi

Den Fussball sollte man nie dramatisieren. Doch gerade bei Schär, der eine schwierige Saison mit La Coruña und dem Abstieg hinter sich hat, gibt es eine tragische Komponente. 2014, an der WM in Brasilien, spielt er ab dem dritten Gruppenspiel, steht auch im Achtelfinal auf dem Platz. Und kann in der Verlängerung Lionel Messi nicht am Pass auf Angel di Maria hindern, der das Ausscheiden besiegelt. Später sagt Schär einmal, er würde rückblickend Messi einfach umreissen, als ob er etwas gutzumachen hätte.

Das Ziel bleibe dieser Schritt, das Erreichen der Viertelfinals, Schär wirkt nun gefasster. «Ich will dem Team dann nochmals helfen.» Und je länger er nun redet, desto klarer sieht er die Dinge, auch sein Foul, das in Wahrheit sein zweites war. «Es war ein 08/15-Zurückhalten, aber niemals eine gelbe Karte. Schade.»

Ein Verlust für die Nati

Für die Schweiz ist Schärs Ausfall nicht nur wegen der Turniererfahrung ein Verlust. Mit Manuel Akanji harmoniert er in der Innenverteidigung. Auch sein öffnender Pass ist eine Waffe und wird fehlen. Wie die Torgefahr bei ruhenden Bällen; in 39 Länderspielen hat der 26-Jährige sieben Mal getroffen, ein beachtlicher Wert. Vladimir Petkovic hat stets zu Schär gehalten, selbst in schwierigen Zeiten. Doch nun fehlen dem Nationaltrainer im Achtelfinal plötzlich 50 Prozent der oft gerühmten Defensive, weil Lichtsteiner auch gesperrt ist. Und Schär treibt die Frage um: Kann wirklich alles vorbei sein, wegen eines einzigen unnötigen Fouls?