Super League
Das Jahrhundertereignis: Noch nie ist GC derart schlecht in die Saison gestartet

Der missratene Saisonstart der Grasshoppers ist eine Tatsache. Die historischen Dimensionen werden dem Betrachter erst beim Durchforsten der Statistiken bewusst.

Markus Brütsch
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Kriegt zu oft aufs Dach: GC-Trainer Thorsten Fink.

Kriegt zu oft aufs Dach: GC-Trainer Thorsten Fink.

Keystone

Drei Spiele, null Punkte. Der Saisonstart der Grasshoppers ist gründlich in die Hose gegangen. Vor ihrem dritten Auswärtsspiel am Samstag in Lugano sind sie Tabellenletzte. Zwar haben sie in der Vergangenheit auch schon das eine oder andere Mal die Rote Laterne getragen, doch die Frage ist, ob sie in ihrer stolzen Geschichte jemals zuvor mit drei Niederlagen in eine Meisterschaft gestartet sind.

0:2, 0:2, 2:4 – mit diesen drei Ergebnissen gegen YB, den FCZ und den FCB hat GC einen veritablen Fehlstart hingelegt. Nach drei Partien punktelos dazustehen, ist nichts Aussergewöhnliches. Das haben im vergangenen Jahrzehnt auch Vereine wie St. Gallen, Bellinzona, Xamax, Servette, Lausanne und Thun geschafft. Aber der stolze Rekordmeister und klare Leader der Ewigen Tabelle?

Darauf eine Antwort zu finden, ist nicht ganz einfach und ziemlich aufwendig. Zum einen wurde der erste Wettbewerb im Schweizer Fussball schon ab 1897 ausgetragen und nur spärlich darüber berichtet. Zum andern ist das Flair für Fussballstatistiken hierzulande weit weniger ausgeprägt als in anderen Ländern.

Viele Aufzeichnungen verbrannt

Weil aus der Steinzeit der Schweizer Fussballliga nicht alle Resultate zusammengefasst sind und im Fall von GC bei den Tribünenbränden im Hardturm von 1934 und 1968 viele Aufzeichnungen verloren gingen, lässt sich nicht genau sagen, wie oft der Klub in seiner 132-jährigen Geschichte mit drei Niederlagen in eine Meisterschaft gestartet ist.

1909 zum Beispiel haben die Zürcher mit sechs Pleiten begonnen, die Rückrunde dann aber nicht mehr gespielt. Was sich indes recherchieren lässt: In den letzten 100 Jahren hat GC zum Saisonbeginn nie dreimal verloren!

Der Mann, der den Verlust dieses Nimbus zu verantworten hat, heisst Thorsten Fink und ist seit dem 23. April der Trainer der Zürcher. In acht Super-League-Spielen hat er mit diesen lediglich einmal gewonnen. Schlaflose Nächte hat er deswegen jedoch nicht.

Weil er erst kurz vor dem Saisonende nach Zürich gekommen ist, darf ihm die verpfuschte Spielzeit 17/18 nicht angelastet werden. Er selber will sich andererseits aber mit dem Sieg über Lausanne auch nicht als «der Retter vor dem Abstieg» brüsten. Was die neue Saison betrifft, kann Fink aber noch immer gut schlafen, weil er überzeugt von seiner Arbeit und der Qualität des Teams ist und davon, dass dieses nun zu punkten beginnt.

Es fällt dem Deutschen, der 2012 auch mal in der Bundesliga mit dem HSV die ersten drei Partien verloren hatte, nicht schwer, seinen Optimismus zu begründen. «Wir sind in allen drei Partien nahe dran gewesen. Es fehlte nie viel zum Erfolgserlebnis», sagt Fink.

Nathan, Tarashaj und ein Stürmer für die Zuversicht

Dass seine Mannschaft in Basel erst Gas gegeben hat, nachdem sie klar in Rückstand geraten war, findet er nicht gut. «Doch es gibt Teams, die dann gar nicht mehr Gas geben. GC hat reagiert und gezeigt, dass es lebt», sagt Fink.

Dazu kommen drei Personalien, die ihn darin bestärken, positiv in die Zukunft zu sehen. Vom Brasilianer Nathan, der zuletzt für Servette gespielt hat und in Lugano debütieren wird, erwartet Fink eine klare Verstärkung der Abwehr. «Er ist technisch gut, kopfballstark und nur schwer zu überspielen», sagt der GC-Trainer.

Angetan ist er auch von Shani Tarashaj, der seit seinem Abgang vor zwei Jahren zu Everton und Frankfurt nur selten gespielt hat, nach mehrwöchiger Aufbauphase jetzt aber ins Team drängt.

«Er hatte ein paar Kilos zu viel, arbeitet aber diszipliniert an seiner Fitness», ist sich Fink sicher, dass der 23-Jährige mit seinen fussballerischen Fähigkeiten ein wichtiger Spieler für GC wird. Und zum Dritten ist beim Trainer die Hoffnung gross, dass der Klub ihm demnächst einen guten Stürmer beschert.

Fink hat in den vergangenen Tagen bemerkt, wie fokussiert sein Team auf das Spiel in Lugano ist. «Mit 0 Punkten aus vier Spielen zu starten, wäre ja auch sehr schlecht», sagt Fink. Tief ins Archiv steigen müsste man deswegen aber nicht mehr . . .