Als der FC Basel vor knapp zwei Wochen zu Hause gegen Lausanne verlor, war dies eine faustdicke Überraschung. Aber eine, die man beim FCB als Tiefpunkt der Saison abstempelte.

Fortan sollte es bergauf gehen, die Niederlage gegen das Tabellenschlusslicht sollte ein Weckruf werden. Sollte. Denn gegen St. Gallen lieferte der FCB keineswegs die erwartete Reaktion, sondern zeigte vielmehr eine besorgniserregende Leistung, die viele Fragen aufwirft.

Fragen nach den Ursachen einer Krise, wie sie der FC Basel seit acht Jahren und dem damaligen Saisonstart mit lediglich neun Punkten aus acht Spielen nicht mehr durchlebt hat. Die «Nordwestschweiz» zeigt, wo der im Sommer neu erfundene FCB krankt.

1. Der FC Basel hat im Sommer einen Qualitätsverlust erlitten. Schuld sind Abgänge und Formkrisen.

Einen Seydou Doumbia und einen Marco Janko zu ersetzen, ist schwierig. Die beiden vereinten letzte Saison satte 35 Tore auf sich. Das ist ein herber Verlust und eine Bürde, die Ricky van Wolfswinkel bisher beinahe alleine zu tragen hat (siehe Punkt 5).

Aber nicht nur dieser Qualitätsverlust in Form von Abgängen macht dem FCB zu schaffen. Hinzu kommen noch tiefe Formkrisen von Akteuren, die in der letzten Saison immer für Tore gut waren, wie Michael Lang oder Renato Steffen.

Gepaart mit der Baisse eines Taulant Xhaka, der gegen St. Gallen den wohl gravierendsten Fehlpass seiner bisherigen Karriere streute. Hinzu kommen ein sonst so dauersolider Luca Zuffi und ein Manuel Akanji, dessen Entwicklung erstmals etwas stagniert. Diese Mischung nagt an der Substanz und der Souveränität der Meistermannschaft.

2. Die im Sommer neu angetretene Führungsriege um Streller und Burgener hat Fehler begangen.

Eins vorneweg: Seydou Doumbia war zu teuer, Marc Janko wäre es für einen Ergänzungsspieler auch gewesen und der so plötzliche wie unerwartete Rücktritt von Matías Delgado traf niemanden härter als die neue sportliche Führung um Marco Streller.

Die im Sommer neu angetretene Führungsriege um Streller und Burgener hat Fehler begangen.

Die im Sommer neu angetretene Führungsriege um Streller und Burgener hat Fehler begangen.

Aber: vor allem auf Letzteres hätte anders reagiert werden müssen. Das nicht gesprochene Geld von Bernhard Burgener war ein Problem. Das andere, dass man keinen Schnellschuss riskieren wollte. Die Rückholaktion Cedric Ittens hat aber einen Hauch genau dessen.

Und kann nicht die Lösung der Defizite einer Offensive sein, die an Kreativität und Unberechenbarkeit eingebüsst hat. Mohamed Elyounoussi zeigt Ansprechendes. Noch ist er aber aufgrund seines jungen Alters zu unbeständig. Eine Rückkehr Zdravko Kuzmanovics hätte eine Möglichkeit sein können. Er wäre ein Mann für den tödlichen Pass in die Tiefe.

3. Das Kader hat zu viele Mitläufer und zu wenige Leader. Delgados Rücktritt hat dies verschärft.

Einher mit dem Abgang Delgados geht die Erkenntnis, dass diesem Team Typen fehlen. Von Figuren wie Alex Frei und Marco Streller ist man meilenweit entfernt. Und auch wenn Delgado kein Lautsprecher war, war er ein Leader. Einer, zu dem ausnahmslos jeder aufgeschaut hat.

Matias Delgado: Nach seinem Rücktritt fehlt der Leader auf dem Feld.

Matias Delgado: Nach seinem Rücktritt fehlt der Leader auf dem Feld.

Seine Weiterbeschäftigung im Trainerstaff soll dahingehend eine klaffende Lücke füllen, nur fehlt auf dem Feld trotzdem eine solche Person. Zu viele Spieler sind Mitläufer statt Meinungsmacher. Und jene, die in die Bresche springen müssten, wie Marek Suchy, Tomas Vaclik, Michael Lang, Taulant Xhaka oder Renato Steffen brauchen anscheinend noch Zeit.

4. Der Nimbus der Unbesiegbarkeit und das Selbstverständnis des Sieges sind verschwunden.

Den FCB der letzten Jahre umgab stets eine Aura, die dem Gegner unmissverständlich vermittelte: Gegen uns gibt es nichts zu holen. Ihr kassiert eher drei Tore, als dass wir euch Punkte schenken. Vor allem zu Hause.

Aber diesen Nimbus der Unbesiegbarkeit haben die Basler verloren. Viel mehr erinnern die jüngsten Auftritte des FCB an eine Mannschaft, der es nicht darum geht, um jeden Preis zu gewinnen, sondern eine Niederlage irgendwie zu verhindern.

5. In der Offensive hängt alles an van Wolfswinkel. Ein nicht zu verachtendes Problem.

Natürlich ist es grossartig, wenn ein Stürmer in sechs Spielen hintereinander trifft und schon sieben Tore auf dem Konto hat. Es ist aber auch gefährlich. Von 13 Basler Liga-Treffern gehen mehr als die Hälfte auf das Konto von van Wolfswinkel.

Ein gefeierter Mann beim FCB: Stürmerstar Ricky van Wolfswinkel (Mitte).

Ein gefeierter Mann beim FCB: Stürmerstar Ricky van Wolfswinkel (Mitte).

Ein Klumpenrisiko, das impliziert: trifft er nicht, steht es schlecht um den FCB. Vor allem dann, wenn mit Kevin Bua, Mohamed Elyounoussi, Dimitri Oberlin und Luca Zuffi in der Meisterschaft sonst nur Akteure treffen konnten, die zu inkonstant sind.

6. Das Prunkstück der letzten Saison, die Defensive, ist zum absoluten Problemkind verkommen.

Irgendwo war immer noch ein Bein, ein Oberkörper oder ein Kopf, der den Ball blockte, abwehrte oder ablenkte. Die FCB-Abwehr wirkte letzte Saison phasenweise unbezwingbar.

Auch, weil Spieler wie Akanji und Lang zur Bestform aufliefen. Jetzt aber ist der Defensivverbund wacklig. Unsicher. Löchrig. Schiesst ein Gegner auf das Tor von Tomas Vaclik, landet fast jeder zweite Ball (11 von 24 Schüssen) im Tor. Es geht viel zu einfach. Die Geschenke gegen St. Gallen waren nur die Spitze des Eisbergs.