Timm Klose

«Den einfachen Weg mag ich eh nicht»: Die FCB-Neuverpflichtung über seinen Transfer, Tiefschläge und Träume

Timm Klose bei seiner Vorstellung als Spieler des FC Basel.

Timm Klose bei seiner Vorstellung als Spieler des FC Basel.

Bei seiner Vorstellung erklärt Timm Klose, wieso ihn Kritik anspornt, wie er zu Bernhard Burgener steht und auf welches Essen er sich speziell freut.

Die Medienrunde hat noch nicht begonnen, da hat Timm Klose schon den ersten Lacher auf seiner Seite. Als Kommunikationsdirektor Remo Meister ihm eine Flasche Wasser hinstellt, fragt Klose mit einem Augenzwinkern, wieso nicht das Getränk eines Sponsors namens Feldschlösschen dasteht. Er lacht herzhaft. Und macht nach nur wenigen Sekunden klar, was ohnehin zu erwarten sein durfte: Die nächsten Minuten würden spannend, amüsant und unverkrampft werden. So also, wie Timm Klose sich immer gegeben hat in seiner Karriere. Einer, die nicht ohne Hindernisse war. Eine Karriere, die ihn nun, elf Jahre nach einem einschneidenden Gespräch mit dem ehemaligen Trainer Thorsten Fink und dem damit verbundenen Abschied dorthin zurückgebracht hat, wo er immer hin wollte: zum FC Basel. Am Mittwoch unterschrieb er einen einjährigen Leihvertrag mit Option auf eine definitive Übernahme. Einen Tag darauf sprach er erstmals in der Öffentlichkeit über seinen Transfer, Tiefschläge und Träume. Timm Klose über...

... den Abschied aus Norwich:

«Ich war eher traurig, Norwich zu verlassen, weil ich doch viereinhalb tolle Jahre dort hatte. Sowohl emotional als auch privat. Ich habe immer gesagt, dass ich dort eine zweite Heimat gefunden habe. Daher habe ich auch das eine oder andere Tränchen vergossen. Ich habe einen Ort verlassen, an dem ich mich sehr wohl gefühlt habe. Aber ich habe diesen Ort verlassen, um heim zu kehren. Darauf habe ich mich extrem gefreut und daher habe ich auch nicht gross überlegen müssen. Auch meine Familie ist over the moon, eben so wie meine Freunde, die sich alle schon ein Saisonticket gekauft haben.»

... die Rolle seiner Mutter, der Modemacherin Daniela Spillmann, bei seiner Rückkehr:

«Mit der ganzen Coronasituation war es schwierig, meine Eltern zu sehen. Das letzte Mal, als ich in Basel war, ist bereits Monate her. Daher habe ich natürlich meine Eltern, meinen Bruder, mein Göttikind und meine Schwester vermisst. Ich bin ein extremer Familienmensch und brauche sie um mich herum. Natürlich hat mich meine Mutter in dem Zusammenhang immer wieder angerufen und gefragt, wie es mir geht. Sie ist die Emotionale, mein Vater mehr der Rationale. Aber natürlich sind wir alle sehr, sehr glücklich, dass es endlich klappen konnte.»

... das latente Thema seiner Rückkehr, und ob es irgendwann ausgeschlossen war:

«Nach meinem ersten Jahr in Nürnberg war meine Rückkehr ein ernsthaftes Thema. Es war damals nicht einfach für mich, ich hatte grosse Probleme während der Saison, bin aus dem Team gefallen, musste mental kämpfen. Dann kam Kritik nach meinem ersten Länderspiel auf. Ich musste unten durch und habe in dieser Zeit meine Familie und Freunde gesucht und den Ort, der mich festhält und mir Sicherheit gibt. Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass ich mich durchbeissen will und bin geblieben. Als ich dann nach Wolfsburg ging, war Basel und eine Rückkehr für einmal kein Thema. Aber ich habe immer alles verfolgt, der Klub ist mir immer am Herzen gelegen. Egal, wo ich war und wie es lief: Ein Stück Hirn dachte immer an die Heimat. Das hat sich durchgezogen durch meine Karriere. Und ich denke, dass ich hier noch etwas erreichen will, hat mich auch stark gemacht.»

... die bislang verpasste Chance, in der ersten Mannschaft zu spielen und den Wunsch, das irgendwann zu schaffen:

«Dass es nicht geklappt hat, hat vor allem mit Thorsten Fink zu tun und damit, dass er mich nicht wollte. Natürlich hätte ich mir gewünscht, wie ein Yann Sommer beispielsweise hier gross zu werden und dann ins Ausland zu gehen. Aber ich musste meinen Weg machen und das ist auch okay. Natürlich war ich extrem traurig nach dem Gespräch mit Thorsten. Aber ich habe mir damals gleich gesagt: Irgendwann komme ich zurück. Und bis dahin mache ich das Beste aus meiner Karriere, bis ich dieses Trikot anziehen darf.»

... die vielen Rückschläge und die Kritik gegen ihn:

«Die Zeit in Nürnberg zum Beispiel war wichtig für mich als Person und Charakter, um mich zu entwickeln. Auch wenn es nicht einfach war. Aber den einfachen Weg mag ich eh nicht, das wäre langweilig. Das zieht sich durch meine Karriere und mein Leben, dass es nicht geradeaus geht. Das macht mich zu dem, was ich bin. Und ich bin happy mit mir. Aber es gab immer positive und negative Kommentare. In der Nati, bei Thun, Nürnberg, Wolfsburg und Norwich. Die Kritiker haben gesagt, ich sei nicht gut genug für die Bundesliga, aber ich habe mich durchgesetzt. Sie haben gesagt, ich sei zu langsam für die Premier League, aber ich habe mich durchgesetzt. Am Ende ist Kritik doch toll. Das ist wie wenn alle Zuschauer pfeifen, du ihnen aber zeigen kannst, dass du es doch kannst. Das habe ich immer ein bisschen gemocht, Kritik und Pfiffe haben mich stets angespornt.»

... die Erwartungen in Basel:

«Ich weiss um die Erwartungshaltung hier. Ich sehe dem positiv entgegen. Ich bin aber auch froh, dass ich das mit anderen Führungsspielern zusammen machen kann. Ich bin kein Heilsbringer. Dieses Wort möchte ich nicht in den Mund nehmen und ich mag es auch nicht, wenn sich alle auf dieses Wort einschiessen. Ich bin Teil der Mannschaft, will mich einführen und einleben. Ich werde meine Position finden und bin sicher, dass ich diese Mannschaft gemeinsam mit den anderen in eine positive Zeit führen kann. Dazu gehört es auch, dass ich eine so erfolgreiche Zeit wie möglich haben will mit dem FCB. Dass dies mit den Titeln in der Meisterschaft und dem Cup zusammenhängt ist, denke ich, logisch. Es liegt aber nicht an mir alleine. Es hat viele Spieler hier, die viel mehr erreicht haben für diesen Verein als ich. Ich spüre auch keinen Druck, beziehungsweise mache ihn mir nur selber.»

... sein Alter und ob es die letzte Chance war, zurück zu kehren:

«Wie alt war Walter Samuel, als er hier hin gekommen ist? 36? Ich möchte mich nicht mit ihm vergleichen und es ist leider so, dass man nicht jünger wird. Aber ich bin im Kopf noch extrem jung, da bin ich nie älter als 20 geworden. So fühle ich mich auch. Dass ich 32 Jahre alt bin, ist für mich nur eine Zahl. Klar, das letzte Jahr war mit meiner Knieverletzung schwieriger, aber ich habe extrem an mir gearbeitet, bin extrem hungrig und heiss, wieder auf dem Platz zu stehen. Ob das eine now-or-never-Chance für mich war, weiss ich nicht. Das gibt es für mich nicht. Wenn es stimmt, dann stimmt es. Und jetzt war genau dieser Moment, in dem es für alle gestimmt hat.

... seinen Gesundheitszustand nach der Verletzung:

«Ich bin früher auf den Platz zurückgekehrt, als geplant, weil wir zu diesem Zeitpunkt keinen Innenverteidiger hatten in Norwich. Ich musste meinen Mann stehen und war mir auch nicht zu schade, für meine Farben alles zu geben. Ich musste daher aber sicher mit dem einen oder anderen Schmerz spielen. Jetzt bin ich aber glücklich darüber, dass ich schmerzfrei bin auf dem Platz, ich die Vorbereitung komplett machen konnte und fit bin.»

... seine Beziehung zu Bernhard Burgener, mit dem er im Verwaltungsrat des Club de Bâle sitzt:

«Er ist auch dort mein Chef und auch dort mein Präsident. Der Club de Bâle ist ein Business-Klub, in dem wir zusammen im Verwaltungsrat sitzen dürfen. Ich bin durch meine Mutter dort rein gerutscht, die dort sehr engagiert ist. Ich selber war aber kaum an Verwaltungsrats-Sitzungen, weil ich in England war. Natürlich habe ich alles mitbekommen und natürlich habe ich so auch einen engeren Kontakt zur Bernhard Burgener. Es hat es sicher auch einfacher gemacht, jetzt mit ihm zu reden. Aber es ist ein ganz anderes Geschäft, das hat nichts mit dem FCB zu tun. Es sind zwei verschiedene paar Schuhe und zwei Themen, die ich nicht in den jeweils anderen Bereich rein ziehen möchte. Das war von Anfang an klar. Ich habe ein gutes, freundschaftliches, kollegiales Verhältnis zu Bernhard Burgener, deshalb gehe ich trotzdem nicht jeden Morgen zu ihm frühstücken. Mehr möchte ich dazu gar nicht sagen.»

... das, was er als Erstes macht, wenn er in Basel richtig angekommen ist:

«Wegen Corona bewege ich mich im Moment so wenig wie möglich in der Öffentlichkeit, gehe vom Hotel ins Stadion und zurück. Sobald ich aber wieder raus darf, unter die Leute, gehe ich im Isbilir einen Döner essen. Das war immer das Erste, was ich in Basel gemacht habe. Mittlerweile habe ich zwar meine Ernährung auf vegetarisch umgestellt, aber mal schauen, was sie da zu bieten haben.»

... die neue Bleibe in Basel:

«Die Suche nach einem Daheim, der Stress mit dem An- und Abmelden, das kommt noch auf uns zu. Meine Frau arbeitet momentan auch noch in England. Wir müssen schauen, wie wir alles machen. Das alles zu planen, finde ich aber toll. Es ist schön, einen Platz zu finden, an dem man sich wohl fühlt. Meine Mutter hat schon gesagt, wir sollen doch bei ihr wohnen. Aber das will ich nicht, sonst lasse ich mich zu sehr bemuttern. Wir suchen selber etwas Schönes. In Basel gibt es viele wunderbare Flecken.»

... sein nebenberufliches Studium:

«Ich bin dran, nebenbei Sportmanagement zu studieren, ja. Und ich hoffe, dass ich bald abschliesse. Ausserdem habe ich mit dem Uefa-B-Diplom angefangen. Ich fühle mich immer unter Druck gesetzt von meiner Frau, weil die so schlau ist. Mein Hauptfokus ist nach wie vor der Fussball. Aber es macht Spass, nach all denn Kopfbällen die Hirnzellen wieder etwas zu aktivieren.»

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