FC Basel

Der erster grosse Prüfstein für FCB-Trainer Ciriaco Sforza

Diskussionsbedarf beim FCB: Regelmässig bricht die Mannschaft nach der Pause ein.

Diskussionsbedarf beim FCB: Regelmässig bricht die Mannschaft nach der Pause ein.

FCB-Trainer Ciriaco Sforza hat bei seinem Team ein mentales Problem ausgemacht. Nun muss er beweisen, dass er fähig ist, dies zu lösen.

Sie hätten es auch schönreden können. Oder es zumindest versuchen. Es wäre wenig überraschend gewesen, verständlich gar, so kurz nach Spielschluss. Stattdessen aber wählen Ciriaco Sforza, Fabian Frei und Silvan Widmer sehr deutliche, ehrliche Worte. Unabhängig voneinander, aber geeint in der Sichtweise. Sie alle konstatieren: Das war schlecht. Und vor allem: Das war alles andere als in Ordnung.
Es geht um das, was der FC Basel am Donnerstagabend ab der 30. Minute, vor allem aber nach der Pause, im Spiel gegen Anorthosis Famagusta zeigt. Aber eben nicht nur: Es geht im gleichen Moment auch um die zweite Halbzeit der Basler gegen Osijek vor Wochenfrist oder um den zweiten Durchgang im ersten Meisterschaftsspiel gegen Vaduz. In allen drei bisherigen Pflichtspielen ist der FCB spätestens nach der Pause eingebrochen. Massiv. Und jedes Mal folgte dieser Einbruch, der jeweils geprägt war von Nonchalance, nach einer starken ersten Halbzeit mit Führung. Es scheint ein neues, unschönes Muster zu sein: Stark, wach, guten Fussball spielend beginnen, den Gegner dominieren, und dann den Betrieb beinahe einstellen. Die Konsequenz: Gegen Famagusta wurde es plötzlich und gar noch in Überzahl unnötig und unheimlich spannend. Gegen Vaduz war das Nervenkostüm nicht ganz so strapaziert, dafür kostete es am Ende einen Punkt. Und gegen Osijek kam der FCB auch gerade noch davon.

Eine starke Mannschaft – mit Wenn und Aber

Obschon diese neue Charaktereigenschaft bislang «nur» einen Punkt und sehr viele Nerven gekostet hat, ist die Frage nach dem Wieso unumgänglich. Während Frei die Gründe nach Spielschluss nicht final findet, sie aber im mentalen Bereich verortet, wird sein Trainer etwas deutlicher: «Das hat mit Einstellung und mit Disziplin zu tun. So geht es nicht weiter. Die Einstellung im Zweikampfverhalten muss sich ändern. Da muss jeder Einzelne über seine Leistung nachdenken», sagt Sforza. Es ist eine laute Kritik des Trainers an seinen Spielern. Auch am Tag danach, nach einer Nacht, in der er zwar kurz aber gut geschlafen habe, sagt er: «Wenn jeder bei sich anfängt und bei sich aufhört und jeder das abruft, was er teilweise schon gezeigt hat, dann haben wir eine starke Mannschaft, die langfristig sehr interessant ist.»

Die Ausführungen Sforzas machen deutlich, wo er am dringendsten den Hebel ansetzen wird. Denn dass die Mannschaft Fussball spielen kann, das hat sowohl der 50-Jährige gesehen wie auch das Team gerade in den ersten 30 Minuten gegen Anorthosis eindrücklich unter Beweis gestellt. «Wir haben dem Gegner kaum Luft gelassen», bezeichnet es gar Silvan Widmer, und fügt an: «Aber dann haben sie uns nervös gemacht und wir haben es nicht mehr geschafft, Ruhe rein zu bringen.»

Dass zumindest alle Parteien – also der Trainer sowie Frei und Widmer stellvertretend für das ganze Team – die Problematik gleicherorts ausmachen, ist ein erster Ansatzpunkt. Widmer sagt: «Wir müssen nicht meinen, dass wir ein paar Prozent weniger geben können, wenn wir führen. Im Gegenteil.» Denn am Ende könnten es genau diese zwei, drei fehlenden Prozent sein, die folgenschwer werden können. «Gegen Famagusta hat es noch gereicht. Aber das wird nicht immer so sein. Wir müssen das sofort abstellen. Denn ich habe keinen Bock, dass wir so unnötig Punkte verlieren.»

Keine Konditionsprobleme, nur welche im Kopf

Für Sforza wird es die erste, ganz grosse Herausforderung, ja gar der erste Prüfstein in seiner Rolle als Trainer werden. Er muss beweisen, dass er seine Mannschaft psychologisch dort packen kann, damit diese dieses Verhalten abstellt. Das ist nach so kurzer gemeinsamer Zeit und mit einem Spielplan, der nicht viel Raum für Einzelgespräche oder tiefgehende Analysen lässt, alles andere als einfach. Wären die Probleme konditionell bedingt, wäre es wohl einfacher. Aber die konditionelle Verfassung, die sei in Ordnung. «Es ist ja auch nicht so, dass wir die Läufe nicht mehr machen. Sondern der Wille, es sauber fertig zu spielen, geht verloren. So entstehen solche zweite Halbzeiten, die mich nerven», sagt Frei unverblümt.

Über die Ursache für diese Einstellungs-Probleme kann nur spekuliert werden. Gegen die vermeintlich kleineren Gegner kämpfte der FCB bereits vergangene Saison mit ähnlichen Hindernissen. Damals wie heute konnten in der Folge auf dem Feld keine spielerischen Lösungen gefunden werden. Sforza erklärt, dass er dies jeden Tag anspreche. Im Training, vor dem Spiel. Erste Fortschritte könnte der FCB gegen Servette am Sonntag zeigen. Oder viel mehr: Muss er in Genf zeigen. Denn die Servettiens dürften ein Team sein, das Profit aus diesem Auftreten zieht.

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