So richtig wohl scheint Urs Fischer nicht zu sein, als er um einen Kommentar zur Partie gebeten wird. 7:0 hat sein FC Basel soeben gewonnen. Aus Fischers Sicht nicht gegen irgendeinen Gegner. Sondern in St. Gallen.

Dort also, wo er von 1987 bis 1995 acht erfolgreiche Jahre als Spieler erlebt, an die er sich bis heute gern zurückerinnert. Fischer bestreitet im grün-weissen Trikot knapp 250 Spiele und erzielt dabei zehn Treffer; doppelt so viele wie für den FC Zürich, den zweiten Klub, für den Fischer in seiner Profikarriere spielt. In der Ostschweiz wird Fischer das erste Mal Vater und zum Schweizer Nationalspieler (vier Länderspiele unter Uli Stielike).

Seither ist er etliche Male nach St. Gallen zurückgekehrt. Und auch gewonnen hat er hier schon öfters. Doch wohl nach keinem der vorherigen Siege war das schlechte Gewissen grösser als gestern. 7:0. St. Gallen die höchste Heimniederlage der Geschichte zugefügt, demontiert und der Lächerlichkeit preisgegeben.

Würde das Polster auf den letzten Tabellenplatz nicht sieben Punkte betragen, wäre St. Gallen ab sofort ein Abstiegskandidat. Nach dem 0:7 schaffen es die St. Galler, sieben Pässe in Folge zum Mitspieler zu bringen, das Heimpublikum klatscht höhnisch Beifall. Als die Spieler nach dem Schlusspfiff mit hängenden Köpfen zur Fankurve trotten, werden sie mit Schimpf und Schande fortgejagt.

Untergangsstimmung. An der Pressekonferenz sagt Fischer mit matter Stimme: «Ich habe mit St. Gallen einmal 2:7 verloren. Kopf hoch, das Leben geht weiter. Joe wird die Jungs aufrichten, da bin ich mir sicher.»

Mit «Joe» ist Joe Zinnbauer gemeint, der im September in St. Gallen den Trainerjob von Jeff Saibene übernahm. Der Deutsche mit dem lockeren Mundwerk schaffte es zu Beginn, die Defensive zu stabilisieren und heimste ein paar gute Resultate ein, darunter ein 2:1-Sieg in Basel. Doch spielerisch macht die Mannschaft unter Zinnbauer keine Fortschritte.

Als die Spieler vor zwei Wochen nach dem 0:4 in Zürich zum mitternächtlichen Straftraining antraben müssen, nehmen sie dies dem Trainer übel. Es folgt ein 0:3 in Vaduz, ein glückliches 1:1 in Sion und nun das 0:7 gegen Basel. Defensiv hätten sie gegen den FCB spielen wollen. Der Trainer, der dies nach einem 0:7 sagt, muss sich fragen, ob er die Spieler noch erreicht.


Meisterparty im «Ländle»?

Es gibt eine Szene, die der Partie vielleicht eine andere Wendung geben könnte. Dann nämlich, wenn Schiedsrichter Erlachner in der 60. Minute nach dem Trikotziehen von Suchy gegen Angha Penalty für das Heimteam geben würde.

Tut er nicht, keine Minute später lenkt Gaudino den Ball zum 0:3 ins eigene Tor ab, die Partie ist entschieden. Es folgen auf der einen Seite die Basler Kür und auf der anderen der St. Galler Untergang. Matchwinner wird Renato Steffen, der gleich drei Mal trifft.

«Das war ein Auftritt, wie ich ihn mir vorstelle. Nicht, was das Resultat angeht. Aber wir waren von der ersten Sekunde an bereit und konzentriert», sagt Urs Fischer, bevor er die Rückreise nach Basel antritt. Frühestens am kommenden Sonntag kann der FCB Meister werden. Auf der unscheinbarsten Bühne der Liga, im Ausland, in Vaduz. Irgendwie passt das zum Meisterrennen in dieser Saison.

St. Gallen - Basel 0:7 (0:1)

SR Erlachner. - 14'876 Zuschauer. - Tore: 29. Steffen (Bjarnason) 0:1. 47. Angha (Eigentor/Flanke Traoré) 0:2. 62. Gaudino (Eigentor/Schuss Callà) 0:3. 64. Callà (Aliji) 0:4. 67. Steffen (Fransson) 0:5. 73. Embolo (Itten) 0:6. 78. Steffen (Aliji) 0:7.

St. Gallen: Lopar; Lopar; Hefti, Wiss, Angha, Hanin; Leitgeb; Steven Lang, Gaudino (67. Tréand), Aleksic (70. Cavusevic), Aratore; Salli (77. Karadeniz).

Basel: Vaclik; Safari (46. Aliji), Xhaka, Suchy, Traoré; Fransson, Zuffi; Bjarnason (52. Callà), Delgado (71. Itten), Steffen; Embolo.

Bemerkungen: St. Gallen ohne Mutsch (gesperrt), Bunjaku, Tafer, Thrier, Dziwniel und Lässer (alle verletzt). Basel ohne Janko, Michael Lang, Hoegh, Akanji, Degen und Sporar (alle verletzt). Verwarnungen: 49. Gaudino (Foul). 57. Steffen (Foul). 76. Itten (Foul).