Der FCB musste am Mittwochabend anerkennen, dass er nicht Champions League tauglich ist. Nur fünf Monate nachdem man im Achtelfinal-Rückspiel in Manchester gegen City siegte, sieht sich die Klubführung dazu gezwungen, anzuerkennen, dass «wir auf beide Spiele betrachtet, so in der Champions League nichts verloren haben», wie es FCB-Interimstrainer Alex Frei nach dem 0:3 im Heimspiel gegen Paok formulierte. Paok Thessaloniki war für den FCB Ausgabe 2018/19 eine Nummer zu gross.

Ob es am Substanzverlust im Sommer lag, den Abgängen von Goalie Tomas Vaclik, Verteidiger Michael Lang und Offensiv-Allrounder Mohamed Elyounoussi? Oder an der mangelnden physischen Vorbereitung? Den schwachen Testspielen gar? Oder hat die Entlassung von Rachael Wicky vielleicht ein zwar nicht unerfahrenes, aber doch junges Team noch zusätzlich verunsichert?

Für Frei war auf jeden Fall klar, dass man nun wieder «härter zu sich selbst» sein müsse. «Paok hatte das Glück des Tüchtigen. Aber wenn man jeden 50-50-Ball gewinnt, jeder Befreiungsschlag bei dir landet, dann ist das nicht einfach Zufall. Das ist die Portion mehr Leidenschaft, mehr Gier vielleicht, die belohnt wird. Wir müssen schnellstens wieder lernen, mehr zu machen als der Gegner», sagt der Ex-Nationalspieler, der seine Karriere zu grossen Teilen seinem unbändigen Ehrgeiz zu verdanken hat. Eigentlich braucht der FCB mehr Alex Frei, sagt Alex Frei.

Alex Frei: «Jetzt wird sich herauskristallisieren, wer ein Leader sein kann»

Alex Frei: «Jetzt wird sich herauskristallisieren, wer ein Leader sein kann.»

Frei: "Jetzt wird sich herauskristallisieren, wer ein Leader sein kann"

Der FCB steckte letztes Jahr ein paar Spiele später in einer ähnlichen Situation. Die Krise begann mit dem 1:1 in Sion und sie dauerte an bis zum dreckigen 1:0-Sieg gegen den FCZ und dem anschliessenden Befreiungsschlag gegen Benfica. In der Krisen-Phase appellierte der unterdessen entlassene Wicky an seine Spieler, die Einfachheit zu zelebrieren, er betonte die grundlegenden Werte des Fussballs, den Kampf, die Laufbereitschaft. Es half. Aber offenbar ging das alles im Sommer vergessen.

Vielleicht hat es Wicky verpasst, diese Werte in der Vorbereitung wieder in Erinnerung zu rufen. Vielleicht ist es ihm aber auch nicht gelungen, aus diesen Spielern rechtzeitig ein Team zu formen.

Fakt ist, der FCB hatte keine Geduld mehr und sah offensichtlich in den wiederkehrenden Mustern das Problem und machte dafür den Trainer verantwortlich. Ob es nicht doch vielmehr an relativer Unerfahrenheit des Teams, grossen Veränderungen im Gefüge und unverändert hohen Zielsetzungen lag? Der neue Trainer wird wenigstens den Ansatz einer Antwort liefern.

Vieles deutet darauf hin, dass Marcel Koller dieser neue Mann sein wird. Ob er schon am Wochenende oder erst danach an der Linie stehen wird, konnte oder wollte gestern niemand beantworten. Alex Frei wusste es nicht und Geschäftsführer Roland Heri konnte schlicht noch keine unterschriebenen Verträge vorweisen. Koller dagegen dürfte es kaum schaden, dass er gesichtet und fotografiert wurde, als er nach den Gesprächen mit der Klubführung wegchauffiert wurde. Er agiert so aus noch stärkerer Verhandlungsposition.

Denn der FCB braucht nach diesem nächsten Tiefschlag dringend «einen Trainer, der Ruhe in den Klub bringt», wie Heri es formulierte. Einen erfahrenen Mann, einen wie Koller, mit dem er am Nachmittag noch verhandelt hat, der aber – clever wie er ist – vor dem Spiel noch nichts unterschrieb.

Ob er sich aus dieser Position einen besseren Lohn aushandelt oder weitere Verstärkungen ausbedingt, wird man vermutlich schon bald wissen. Denn während Streller vor der Saison noch sagte, dass man mit diesem Kader in die Saison gehe und dieses definitiv stark genug sei, schloss Heri am späten Mittwochabend nicht mehr aus, dass es noch zu Veränderungen kommen könnte. Entweder ein Indiz für die grosse Unruhe, die derzeit im Verein herrscht, oder die Zweifel an Wicky waren zuvor schon so gross, dass man das Team nicht mehr nach seinem Geschmack bauen, sondern abwarten wollte. Dann aber hätte man wohl besser schon zu diesem Zeitpunkt die Reissleine gezogen.

Verantwortlich für das Scheitern in der Champions-League-Qualifikation und den schlechten Start in die Meisterschaft ist nicht einfach der gefeuerte Wicky, sondern genauso die Mannschaft und die Klubführung. Letztes Jahr hat der FC Basel die Champions League vorgesetzt bekommen, dieses Jahr hätte er sich die Königsklasse erarbeiten müsseen. Das gelang dem FCB nicht. Der Klub hat in der Champions League derzeit nichts verloren.