Den FC Basel sollte man besser nicht zu sehr reizen. Dies bekam am Sonntagnachmittag der FC Zürich zu spüren. Der war so unverschämt gewesen, durch Alexander Kerschakow und Kevin Bua innert sieben Minuten (62./69.) einen 2:0-Vorsprung herauszuschiessen und dann auch noch den berechtigten Platzverweis von Behrang Safari zu provozieren. Dieser hatte als letzter Mann den flinken Bua gefoult.

2:0 in Führung und 14 Minuten in Überzahl – was sollte da noch schieflaufen? Glaubten vermutlich manche der Zürcher und bekamen prompt die Quittung dafür. Denn der FC Basel dachte gar nicht daran, sich gegen die aufmüpfigen Zürcher die zweite Heimniederlage dieser Saison einzuhandeln. Nachdem der Zürcher Captain Alain Nef reichlich unkontrolliert Breel Embolo niedergedrückt hatte, verwandelte der Basler Captain Matias Delgado seinen fünften Penalty in dieser Spielzeit zum 1:2 (83.). Um nur zwei Minuten später mit einem perfekt getimten langen Ball den Kopf von Birkir Bjarnason zu finden – 2:2. Nun wurde der St. Jakob-Park kurzzeitig zur Festhütte und die vielen der 31 257 Besucher, die in der Halbzeit noch enttäuscht gewesen waren über das ereignislose Spiel zweier Teams mit Dreierabwehr, mussten ihr Kommen nun doch nicht bereuen.

Umstrittener Penalty für die Basler

Es gab gleichwohl Unzufriedene. Sami Hyypiä, nicht dafür bekannt, ohne Punkt und Komma zu sprechen, setzte an der Medienkonferenz – für seine Verhältnisse – zu einem Monolog an und geisselte in scharfen Worten die Entscheidung von Schiedsrichter Fedayi San, Nefs Zweikampfführung gegen Embolo mit einem Elfmeter bestraft zu haben. «Das war nie ein Penalty. Wenn doch, dann müssen wir in Zukunft kontaktfrei spielen», sagte der Zürcher Trainer, früher ein Weltklasseverteidiger. Umso unverständlicher war daher, wie der Finne diese Szene beurteilte. So, wie sich Nef auf Embolo stützte und drauf warf, geht es selbst in einer körperbetonten Sportart nicht.

Anlass, sich zu beschweren, hätten vielmehr die Basler gehabt. Denn als Embolo nur eine Minute nach dem ersten Tor der Gäste wuchtig seinen Körper gegen Ivan Kecojevic eingesetzt hatte und zum 1:1 traf, verweigerte San dem Heimteam den Ausgleich. Ein Fehlentscheid, denn Fussball wird ja nicht kontaktfrei gespielt.

Kein Vergleich zu Xamax anno dazumal

Dennoch war am Ende des Tages der Basler Trainer Urs Fischer weitaus zufriedener als der schlecht gelaunte Hyypiä. Dass der Vorsprung seiner Mannschaft in der Super League auf die Young Boys auf bescheidene 15 Punkte zusammengeschmolzen war, liess er unerwähnt. Dafür lobte er sein Team für die Moral und den Kampfgeist, mit einem Mann weniger einen Zweitorerückstand wettgemacht zu haben. Was zweifellos eine starke Leistung ist, aber nicht ganz an den Effort von Xamax herankommt, das vor vier Jahren gegen den FC St. Gallen in dreifacher(!) Unterzahl den 2:1-Siegtreffer erzielt hatte.

«Bis zum 0:1 haben wir sehr gut gespielt. Die Zürcher aber haben mit ihrem ersten Schuss getroffen», sagte Fischer. Dies stimmte zwar, doch der Leader hatte sich mit den defensiv orientierten und gut organisierten Zürchern selber lange Zeit schwer getan, überhaupt in den Strafraum zu kommen und war nur selten gefährlich vor FCZ-Goalie Yanick Brecher aufgetaucht. Zumal Topskorer Marc Janko wegen einer Muskelverletzung schon nach einer halben Stunde dem jungen Cedric Itten hatte Platz machen müssen. Dass der FCB in der Schlussphase für den FCZ doch noch bedrohlich werden konnte, hatte neben den von Fischer genannten Faktoren auch mit dem verletzungsbedingten Ausscheiden (57.) des starken Zürcher Abwehrchefs Leonardo Sanchez zu tun.

Obwohl die Basler, seit zehn Spielen ungeschlagen, bei ihrem Nachholspiel in Lugano mit Janko sowie den gesperrten Safari, Embolo und Marek Suchy noch ein paar weitere Namen auf der Absenzenliste haben, werden sie nicht mit zittrigen Knien in die Südschweiz fahren. Die beiden letzten Resultate der Tessiner (0:6 gegen Sion und 0:7 gegen YB) zeigen: Der Cupfinalist ist ausser Rand und Band.

Basel - Zürich 2:2 (0:0)

31'257 Zuschauer. – SR San. – Tore: 62. Kerschakow (Kecojevic) 0:1. 69. Bua (Koch) 0:2. 83. Delgado (Foulpenalty, Foul Nef an Embolo) 1:2. 85. Bjarnason (Delgado) 2:2.

Basel: Vaclik; Suchy, Samuel, Safari; Xhaka; Steffen, Delgado, Zuffi (73. Fransson) Callà (66. Bjarnason); Embolo, Janko (29. Itten).

Zürich: Brecher; Nef, Sanchez (57. Vinicius), Kecojevic; Brunner (78. Sarr), Grgic, Kukeli, Koch; Chiumiento (66. Bua), Buff; Kerschakow.

Bemerkungen: Basel ohne Akanji, Boëtius, Degen, Hoegh, Lang und Sporar (alle verletzt). Zürich ohne Alesevic, Baumann, Etoundi, Kleiber, Schönbächler und Yapi (alle verletzt). – Platzverweis: 76. Safari (Notbremse an Bua). – Verwarnungen: 13. Suchy (Foul), 60. Buff (Foul), 65. Embolo (Reklamieren), 82. Nef (Foul), 94. Koch (Foul).

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