Chancen? Waren da. «Viele grosse sogar. Und das bei einem so tief stehenden Gegner, das ist nicht einfach.» Dominant? War man auch. «Sehr sogar.» Der Gegner? «Kam kaum zu Chancen. Und wenn, dann nur, weil wir sie ihm durch Fehler zugestanden haben.» Kein schlechtes Fazit eines Testspiels. Und doch ist Raphael Wicky nicht zufrieden. Weil trotz der Grosschancen am Ende «eben doch die 0 steht.» Immerhin stand sie auch hinten. Das zweite Testspiel unter dem neuen Cheftrainer des FC Basel gegen den eine Liga tiefer spielenden FC Wil endete 0:0.

«Die Situation ist klar»

Es war ein ereignisarmes Spiel – mit elf Wechseln in der Pause wie schon im ersten Testkick letzten Freitag – das aber dennoch aufschlussreich war. Zum einen, weil es die vorhandenen Mängel aufzeigte. Oder besser den einen vorhandenen Mangel: Nämlich jenen eines zweiten Stürmers. Oder eines vierten, zählt man die beiden neu definitiv in die erste Mannschaft gerückten Nachwuchsspieler Neftali Manzambi und Afimico Pululu dazu. Weil Ersterer gegen Wil angeschlagen fehlte und der Zweite nach dem hohen Trainingsrhythmus eine Pause zugestanden bekam, stand Wicky am Ende mit nur einem Stürmer da: Ricky van Wolfswinkel. Dieser kam zu Abschlüssen, verzog aber jeweils.

Grund zur Sorge sei dies noch nicht. Genau so wenig wie die Tatsache, dass noch kein zweiter gestandener Spieler für diese Position verpflichtet werden konnte. «Die Situation ist klar. Sie wurde intern auch klar angesprochen. Es wird gearbeitet. Aber schlaflose Nächte habe ich deswegen keine», erklärt Wicky den aktuellen Stand der Stürmer-Suche. Er wolle sich aber gar nicht zu sehr auf Spieler konzentrieren, die noch nicht da sind, und dafür Gedanken und Energie verschwenden, sondern sich auf jene fokussieren, die im aktuell zur Verfügung stehen.

Das Elyounoussi-Experiment

Einer davon ist Mohamed Elyounoussi. Für ihn führte die Absenz eines weiteren gelernten Stürmers dazu, dass er in den zweiten 45 Minuten in der Spitze auflief. «Wir mussten uns etwas überlegen und er hat das mit der Norwegischen Nati auch schon gespielt. Aber er ist eben doch kein gelernter Mittelstürmer.» Dass man sich dennoch diverse Möglichkeiten aus dem Spiel habe erarbeiten können sei gerade deshalb «sehr positiv.»

Neben der Erkenntnis, dass auf dem Transfermarkt doch noch Handlungsbedarf besteht, bestätigten sich auch einige Eindrücke, die bereits im Trainingslager hatten gewonnen werden können. Jene beispielsweise, dass Matías Delgado sich nicht nur als Experiment im ersten Spiel hat zwischen die Innenverteidiger fallen lassen, um das Mittelfeld mittels starken Pässen in die Tiefe zu überbrücken, sondern dass dies in der Spielauslösung tatsächlich seine neue Rolle sein soll. Des Weiteren agierten die Aussenverteidiger, zuerst Lang und Petretta, danach Gaber und Riveros, in einem auf Ballbesitz ausgelegten Spiel erneut höher stehend als in der letzten Saison.