FC Basel

Der FCB vor dem Meisterschafts-Start: Über den Kampf mit sich zum Ziel

Am Donnerstag startete die Saison mit dem Sieg über Osijek, am Sonntag beginnt die Meisterschaft mit dem Spiel gegen Vaduz.

Am Donnerstag startete die Saison mit dem Sieg über Osijek, am Sonntag beginnt die Meisterschaft mit dem Spiel gegen Vaduz.

Der FC Basel will in der am Sonntag startenden Liga um den Titel mitkämpfen. Und hat den Hauptkonkurrenten gefunden: sich selber.

Es ist eine kleine Nuance, die den Unterschied macht. Als Bernhard Burgener vor rund drei Wochen an fast derselben Stelle im Joggeli sitzt, spricht er deutliche Worte. Er habe gelernt, dass in Basel nur der Meistertitel zähle. Für die Stadt, für die Fans. Der Meistertitel würde alle Unruhen übertünchen, ja er würde gar dafür sorgen, dass alles wieder gut wäre. Mit anderen Worten: Der FC Basel muss nach drei meisterlosen Jahren endlich wieder den Titel holen. So lautet das Saisonziel des Präsidenten und Besitzers.

Aus diesen angriffigen Ansagen sind knapp drei Wochen später ruhigere Töne geworden. «Es ist unser klares Ziel, dass wir um den Meistertitel mitspielen wollen», sagt Burgener. Mitspielen. Nicht zwingend YB vom Thron stürzen müssen. Ausserdem wolle man wieder in den Cupfinal einziehen sowie europäisch mit dabei sein. So simpel die Ziele, so wenig neu, und doch wirken sie überlegter. Tiefere Ziele kann und will Burgener nicht ausgeben, denn «all das gehört zum FC Basel und deshalb müssen wir uns das so vornehmen.»

Ein mutbringender Auftakt für Neo-Coach Sforza

Es wirkt, als hätte in den letzten rund drei Wochen ein kleines Umdenken stattgefunden. Das manifestiert sich nicht nur in den plötzlichen Vertragsverlängerungen, sondern eben auch in Burgeners Aussagen. Oder im Auftreten Ciriaco Sforzas. War er bei seiner Vorstellung noch unübersehbar nervös, darauf bedacht, nur die einstudierten Sätze zu sprechen und Positivität zu streuen, so wirkt er an diesem Freitagnachmittag ruhiger. Und auch er: überlegter. Aber nicht um deutliche Worte verlegen. Gefragt, was mit seiner neuen Mannschaft in der am Sonntag beginnenden Meisterschaft alles möglich ist, sagt er: «Alles. Im Fussball ist immer alles möglich. Ich habe schon viel erlebt. Jetzt müssen wir einfach mal die Kirche im Dorf lassen.» Sforza wünscht sich Ruhe und Zeit, seine Mannschaft kennenzulernen. Er rechnet selber vor, dass er gerade einmal 17 Tage Zeit hatte, seine Spieler kennenzulernen, einzustellen und auf ein neues System umzustellen, bevor er sein erstes Pflichtspiel coachte. Aber dieses scheint ihm Mut gegeben zu haben. Den Mut eines Sieges, eines Weiterkommens auf europäischer Ebene. Und den Mut, zu sagen: «Ich respektiere jeden Gegner. Klar, YB und St. Gallen und Servette sind unsere Mitkonkurrenten. Aber es ist wichtig, wie wir auftreten. Wir müssen auf uns schauen. Unser Hauptgegner in dieser Meisterschaft sind wir selber.»

Und wenn man Sforza dies so sagen hört, dann scheint er eine ähnliche Ansicht zu haben wie sein Captain. Nur Minuten zuvor sprach Valentin Stocker ähnliche Worte. Er fragte sich, wie realistisch es sei, vom Meistertitel zu träumen. «Der Wunsch ist natürlich da», sagt Stocker. Und die Resultate in den Spielen gegen den Ersten oder den Zweiten der vergangenen Saison zeigten, was möglich wäre. «Aber es geht darum, dass wir gegen vermeintlich kleine Gegner gewinnen können. Dann können wir ganz vorne mitspielen.» Dessen sei sich die Mannschaft bewusst, «und wir wissen auch, dass es an uns liegt in diesen Spielen, wie wir die Saison gestalten können.» Gelinge dies, werde der Titelkampf einer «zwischen Bern und uns.»

Ein Kampf um den Titel, kein definierter Sturmlauf auf den ersten Platz. Man scheint sich einig zu sein zu St. Jakob. Nicht nur was neue Vertragsinhalte angeht, sondern auch puncto Saisonziel. Und so ist man sich auch einig, dass die erste Hürde im ersten Ligaspiel der Saison 2020/2021 am Sonntag, der Aufsteiger Vaduz, eine ist, die genommen werden muss. Um zu zeigen, dass man dazu gelernt hat. Dass der Trainerwechsel beflügelt, dass diese Mannschaft gut ist, auch wenn der Präsident in Absprache mit dem Trainer noch positionelle Verstärkungen verspricht.

Es wirkt alles ein bisschen harmonischer, auch wenn es nur diese kleine Justierung des wichtigsten Saisonziels ist, die dazu geführt hat. Aber so schnell wie innerhalb von drei Wochen alles ein bisschen besser wurde, so schnell kann es wieder kippen. Ein Ausrutscher gegen Vaduz oder gegen Famagusta am Donnerstag – und der FCB steckt wieder mitten in der Krise, kaum hat die Saison begonnen.

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