Eigentlich findet am Sonntag ein Spitzenspiel im Stade de Suisse statt. Erster gegen Zweiter. Basel gegen YB. Ligakrösus gegen ersten Verfolger. Aber: Das Spiel ist zur Randnotiz verkommen. Für den FCB ist es das Spiel zwischen Cup-Hauptrobe und Cup-Final. Zwischen zwei Spielen gegen den FC Sion, die aktuell viel mehr interessieren, als das Duell gegen die Nummer zwei im Schweizer Fussball.

Und selbst für YB geht es um nichts mehr. Mit dem 4:1 gegen Luzern am letzten Wochenende sicherten die Berner sich den zweiten Rang. Auch so erklärt sich FCB-Trainer Urs Fischer, dass er für die Young Boys unter der Woche eine Heim-Niederlage gegen Vaduz absetzte.

FCB gegen YB, das ist für einmal ein Spiel, bei dem die Nebenschauplätze in Basel mehr interessieren. Zum einen, weil die Basler seit drei Spielen sieglos sind. Drei Mal holten sie nur einen Punkt. Zu Hause konnten sie gar vier Mal in Serie nicht gewinnen. «Natürlich kann man sich diese Serie anschauen», gibt Fischer zu.

Anhaltende Unruhe

Für ihn aber gehe es im Moment viel mehr darum, dass die Auftritte seiner Mannschaft stimmen, Resultate hin oder her. Und jener gegen Sion vom Donnerstagabend sei gut gewesen. «Sion war abgesehen von den beiden Toren absolut ungefährlich.» Man habe zwar aufgrund unerzwungener Fehler zwei Tore kassiert. Aber ansonsten eine gute Einstellung und eine gute Leistung gezeigt. Etwas, das nicht selbstverständlich sei.

Deshalb nicht, weil sich im und um den Club gerade alles verändert. «Wir wissen das teilweise ja schon länger. Und wie der ganze Club mit dieser Situation umgeht, das ist schlicht bemerkenswert.» Schliesslich gäbe es eine neue Führung, einen neuen Trainer, Spieler müssen gehen und Neue werden kommen und fortwährend laufen Gespräche. «Das bringt eine gewisse Unruhe mit sich. Und wie die gemeistert wird, ist fantastisch.»

27 Individualisten

Ganz einfach und spurlos gehe die mit der Unruhe einhergehende Ungewissheit für die Zukunft mancher Spieler dann aber doch nicht vorbei. «Ich habe in manchen Gesprächen schon das Gefühl, eine Ungewissheit zu spüren, ja.» Dieses Gefühl gebe ihm seine Erfahrung. Und die ist es auch, die Fischer sagt, dass es im Moment um 27 Individualisten geht, die am Ende zwar ein Team ergeben müssen, für die aber auch deren eigene Zukunft im Fokus steht. «Dass sie ihre eigenen Interessen dem Team unterordnen müssen, das kann zu Unstimmigkeiten führen», gibt Fischer zu uns fügt an: «Das ist aber völlig menschlich.»

Menschlich ist auch, dass seit dem Erreichen des Titels die Luft draussen und die Spannung abgefallen ist. Spätestens am Donnerstag im Cupfinal aber müsse der Schalter umgelegt werden. Bei der Hauptprobe gegen Sion hat es nicht mit der letzten Konsequenz geklappt. Einen letzten Versuch haben die Basler am Sonntag gegen YB. Ob es hilft, dass es für beide Teams um nichts mehr geht, darf zumindest bezweifelt werden.