Als der von einer Welle von Ausfällen schon seit Wochen gezeichnete FCZ früh einen weiteren Substanzverlust (Abwehrpatron Kecojevic musste kapitulieren) erlitten hatte und nach der Pause mit seiner U25-Equipe unter Druck geriet, bahnte sich das Unheil an. Borussia, seit der 31. Minute in Führung, legte zu und inszenierte mit etwas Verspätung den typischen Favre-Fussball - technische Raffinessen, Tempoverschärfungen, Kombinationen wie vom Reissbrett.

Einer stand wie kein Zweiter für die spielerische Dominanz der Nummer 6 der Weltmeisterliga: Branimir Hrgota, der 21-jährige Schwede, von dem Lucien Favre ausgeprochen viel hält, der im Meisterschaftsalltag bisher aber noch kaum auf Touren gekommen ist. Innert fünf Minuten erhöhte er auf 3:0 - bei der ersten Aktion überraschte er Koch, beim dritten Tor der Fohlen brillierte der Skandinavier mit einem Lobball erster Güte.

Zürich hatte der Qualität der Rheinländer nichts mehr zu entgegen. Am Ende eines guten Jahres fehlte die Energie, sich gegen das Out in der Gruppenphase aufzulehnen. Gegen einen Verein, der pro Jahr rund 100 Millionen Euro umsetzt und sich in jeglicher Beziehung in anderen Sphären bewegt, war der zwar ambitionierte, aber nicht annähernd so gut besetzte Schweizer Klub letztlich chancenlos. International fehlt ihm, was der FCB immer wieder demonstriert: die Cleverness und die Kaderplanung, um internationale Duftnoten zu setzen.

Derweil Gladbach die bisherige Europacup-Kampagne im Februar ungeschlagen und mit einem imposanten Torverhältnis von 24:6 als gesetzter Gruppensieger fortsetzen wird, kommt die Winterpause für Zürich keinen Tag zu früh. In den kommenden Wochen steht für den FCZ primär die Regeneration im Vordergrund. Mit halb leerem Akku ist auf keiner Bühne etwas auszurichten.

Pech und eine schwierige Konstellation

Zürichs Chance, ausgerechnet im Duell mit einem Kontrahenten der gehobenen deutschen Kategorie im elften Anlauf zur Siegpremiere zu gelangen, war ohnehin minim - zumal der FCZ wegen eines umfangreichen medizinischen Bulletins unter ungünstigen Bedingungen anzutreten hatte. In den letzten Wochen verlor der Cupsieger nicht nur mehrere wichtige Partien, sondern gleich reihenweise Stammspieler.

Nachdem der physisch "ramponierte" Aussenseiter die ersten Angriffszüge der Borussen relativ glimpflich und ziemlich gut geordnet überstanden hatte, verschlechterte sich die Situation in der 25. Minute schlagartig. Ivan Kecojevic blieb nach einem Zweikampf verletzt liegen und signalisierte seinem Coach sofort, dass er das Spiel nicht würde fortsetzen können.

Dass der personell bereits arg dezimierte FC Zürich den nächsten schwerwiegenden Ausfall kaum verkraften würde, war zu befürchten gewesen. Urs Meier musste seine (Ersatz-)Abwehr abermals neu gruppieren. Zu Beginn hatte er überraschend den früheren U17-Weltmeister Buff an der Seite Kecojevics nominiert und war wie bereits im Heimspiel gegen Villarreal (3:2) von der üblichen Dreierformation abgewichen. Dem Out des Montegriners folgten weitere Umstellungen - nach Buff rückte mit Kukeli ein zweiter Mittelfeld-Spezialist zurück.

Aber noch ehe sich die Gäste neu formiert hatten, konfrontierte sie Mönchengladbach mit einem Problem, das nicht mehr zu lösen war: Branimir Hrgota passte, der kurz zuvor eingetretene Cédric Brunner fälschte ab, Patrick Herrmann umdribbelte Zürichs Keeper stilsicher. Das Malheur des 20-jährigen Talents Brunner, das mit minimaler Super-League-Erfahrung von 21 Minuten in einer prekären Lage auf europäischer Ebene debütierte, erschwerte Zürichs Aufgabe zusätzlich.

Hrgotas Unterhaltungsprogramm

Die Borussia hatte sich lange zurückgehalten. Von ihrer gefürchteten Dynamik und der One-Touch-Kunst war während er ersten Hälfte wenig zu spüren. Mehr als nötig investierte die Equipe angesichts ihrer vier Partien innert zehn Tagen zunächst nicht, bis Hrgota die FCZ-Defensive in Co-Produktion mit dem früheren Zürcher Meister-Stürmer Raffael austrickste und das Unterhaltungsprogramm spät doch noch ankurbelte. Der grün-weisse Teil der über 44'000 Zuschauer bedankte sich mit Szenen-Applaus für die phasenweise gute Performance und den 50. Europacup-Heimsieg der Vereinsgeschichte.

Matchtelegramm:

Borussia Mönchengladbach - FC Zürich 3:0 (1:0)

44'323 Zuschauer. - SR Luca Banti. - Tore: 31. Herrmann (Hrgota) 1:0. 59. Hrgota (Raffael) 2:0. 64. Hrgota (Xhaka) 3:0.

Mönchengladbach: Sommer; Jantschke, Brouwers, Dominguez, Wendt; Traoré (79. Johnson), Kramer, Xhaka, Herrmann (66. Hazard); Hrgota, Raffael (66. Kruse).

Zürich: Da Costa; Philippe Koch, Kecojevic (25. Cédric Brunner), Buff, Elvedi; Rodriguez (69. Maurice Brunner), Kukeli, hiumiento, Schönbächler; Chikhaoui, Etoundi (69. Chermiti).

Bemerkungen: Mönchengladbach ohne Nordtveit (verletzt), FCZ ohne Nef, Rossini (beide krank), Yapi, Djimsiti, Gavranovic, Rikan, Raphael Koch. 25. Kecojevic verletzt ausgeschieden. 38. Pfostenschuss von Traoré. Verwarnung: 32. Philippe Koch (Foul).

Gruppe A. Resultate: Apollon Limassol - Villarreal 0:2 (0:2). Borussia Mönchengladbach - Zürich 3:0 (1:0). - Rangliste: 1. Borussia Mönchengladbach 6/12 (14:4). 2. Villarreal 6/11 (15:7). 3. Zürich 6/7 (10:14). 4. Apollon Limassol 6/3 (4:18).