Ganz Fussball-Italien schaut heute gespannt nach Mailand, wo sich um 20.45 Uhr im seit Tagen ausverkauften Giuseppe-Meazza-Stadion die AC Milan und der FC Internazionale zum Duell der Giganten treffen. Der Vergleich der beiden Stadtrivalen im so genannten «Derby della Madonnina» (benannt nach der Muttergottesstatue auf dem Mailänder Dom) geht dieses Jahr über die Turmspitze des Mailänder Wahrzeichens hinaus. Milan führt die Tabelle der Serie A zwei Längen vor Inter an.

Das insgesamt 276. Aufeinandertreffen der beiden Antipoden wird somit zum «Derby scudetto», zum Kampf um die Meisterschaft.

Allegri ma non troppo

Lange Zeit hatte nichts auf einen solch spannenden Zweikampf hingedeutet. Die Rossoneri schienen ihre Gegner nach Belieben zu dominieren. Der Durchmarsch zum ersten Meistertitel seit 2004 eine reine Formalität zu sein.

Unter dem neuen Coach Massimiliano Allegri, mit der Referenz des «Trainers des Jahres» aus Cagliari gekommen, zelebrierte Milan spektakulären Angriffsfussball – ganz nach dem Gusto von Silvio Berlusconi. Der smarte, aber eher stille, Allegri schaffte es, aus einer wenig dynamischen Truppe von Individualisten wieder eine schlagkräftige Mannschaft zu formen.

Alte Haudegen wie Ex-Nationalspieler Alessandro Nesta, Captain Rino Gattuso oder der in der Winterpause von Bayern München verpflichtete Marc van Bommel bilden das defensive Gerüst der statistisch besten Abwehr der Liga (22 Gegentore).

Ibrahimovic fehlt

Vorne zündet Allegri (auf Deutsch der Heitere) das Offensiv-Feuerwerk mit drei hängenden Angreifern, welche Mittelstürmer Zlatan Ibrahimovic unterstützen. Die Heiterkeit ist dem «Diavolo» zuletzt jedoch ein wenig abhandengekommen. Aus den letzten beiden Meisterschaftsspielen resultierte nur noch ein Punkt.

Und nun fehlt Milan im Spiel des Jahres mit Zlatan Ibrahimovic ausgerechnet die wichtigste Offensivkraft (14 Saisontore) wegen einer Rotsperre nach Tätlichkeit. Für den ebenso genialen wie unberechenbaren Schweden mit bosnischen Wurzeln könnte der 21-jährige Alexandre Pato in die Bresche springen.

Der torgefährliche Brasilianer (11 Treffer) machte zuletzt jedoch vor allem abseits des grünen Rasens von sich reden. Seine vor wenigen Tagen publik gemachte Liäson mit Barbara Berlusconi, der jüngsten Tochter von Milan-Besitzer und Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, sorgte nicht nur in den Boulevardblättern für Schlagzeilen.

Zanettis dritter Frühling

Frühlingsgefühle ganz anderer Art hat Javier Zanetti. Der Inter-Captain (notabene seit 11 Jahren glücklich verheiratet) bestreitet heute Abend sein insgesamt 39. Stadtderby.

Wahrscheinlich müsste man beim argentinischen Verteidiger wohl bereits vom dritten Frühling sprechen. Im August wird das Urgestein nämlich 38 Jahre alt. Sein erstes Derby bestritt der Bilderbuchathlet 1995. Auf der Trainerbank der Lombarden sass damals ein gewisser Roy Hodgson.

Seitdem hat sich bei den Nerazzurri vieles verändert. Aus der «Slotmaschine-Inter», in die Präsident Massimo Moratti anfänglich vergeblich Hunderte von Millionen Euro investiert hatte, wurde seit 2006 wieder «La grande Inter». Fünf Meistertitel in Folge, zwei Cupsiege sowie der Gewinn der Champions League 2010 sprechen eine eindeutige Sprache.

Nach einem kurzen Zwischentief, welches im vergangenen Dezember zur Entlassung von Mourinho-Nachfolger Rafael Benitez geführt hatte, fand die Mannschaft dank dem Brasilianer Leonardo wieder zurück ins Fahrwasser. Unter dem letztjährigen Milan-Coach resultierten in 15 Meisterschaftsspielen 12 Siege. Inter konnte den Rückstand auf Milan von zwischenzeitlich 16 Punkten auf nur noch deren zwei reduzieren. Somit führt der Meistertitel auch in dieser Saison wieder nur über Mailand. Nur die Siegesfarben sind heuer noch nicht bestimmt.