Schweizer Fussball-Cup

Der SC Kriens will zum nächsten Stolperstein der Young Boys werden

Kriens-Trainer Marinko Jurendic posiert auf dem Kleinfeld

Kriens-Trainer Marinko Jurendic posiert auf dem Kleinfeld

Marinko Jurendic, Trainer des Promotion-League-Klubs aus der Innerschweiz, und sein Team glauben im Cupspiel gegen den haushohen Favoriten Young Boys an ihre Chance. Die Berner sind zuletzt jeweils früh im Cup gescheitert.

Am Donnerstagabend haben im Kleinfeld die Farben Gelb und Schwarz dominiert. Nicht, dass die Young Boys frühzeitig angereist waren, um sich ans Krienser Fussballstadion zu gewöhnen. Nein, es waren bloss jede Mengen Wespen da, die mit ihrer Aggressivität die Trainingskiebitze nervten.

Wären die Berner auch da gewesen, dann wüssten sie nun exakt, was heute Samstag auf sie zukommt. Wie Wespen, einfach in Grün, werden die Krienser Fussballer die Gäste umschwirren und versuchen, die entscheidenden Stiche anzubringen. Jene, die den taumelnden Super-League-Klub vollends ins Elend befördern würden. «Meine Mannschaft hat zuletzt mit dem Aufstieg in die Promotion League bewiesen, dass sie weiss, wie man Erfolge feiert», sagt Marinko Jurendic. «Wir werden gegen YB unsere Chancen bekommen und müssen sie dann nützen», sagt der Krienser Trainer. Auf jeden Fall glauben wir daran, dass eine Überraschung möglich ist.» Wie Le Mont, wie Buochs.

Captain Fanger ist zurück bei seinen Wurzeln

Sein Captain sieht es genauso. «Wir haben nichts zu verlieren», sagt Daniel Fanger. Wenn der 27-Jährige vom SC Kriens erzählt, kommt er rasch ins Schwärmen. «Ich bin hier geboren, aufgewachsen und habe im Kleinfeld mit dem Fussball begonnen», sagt der Verteidiger. Zwischendurch hatte er vergeblich versucht, beim FC Luzern und beim FC Aarau eine Profikarriere zu starten.

Jetzt ist er zurück beim Stammverein, obwohl er in Basel Sport und Wirtschaft studiert und das Pendeln viel Zeit kostet. «Aber es lohnt sich. Der SC Kriens ist wie eine Familie und Leidenschaft pur», sagt der Verteidiger. «Bei uns in der Kabine wird nur gelacht.» Das hängt auch mit Trainer Jurendic zusammen, der seit Mai 2014 das Sagen hat. «Er ist zwar ehrgeizig und arbeitet akribisch, hat aber ein gutes Gespür dafür, dass die Freude nicht zu kurz kommt», sagt Fanger.

Nach zwei Jahren als Spielertrainer beim FC Ibach ist Kriens die zweite Trainerstelle von Jurendic. Als Achtjähriger einst mit seiner Familie aus Pula in Kroatien in die Zentralschweiz gekommen, hat er eine respektable Fussballkarriere gemacht, stand als Profi im Luzerner Cupsiegerkader, stieg mit dem FC Thun in die Super League auf und schoss als Mittelstürmer den SC Cham in die Challenge League. «In meinem Fall ist der Fussball ein Paradebeispiel für Integration», sagt der Familienvater.

Vom Sozialarbeiter zum Trainer-Profi

Nicht immer ist der Sport sein Beruf gewesen. Der ausgebildete Lehrer war während sechs Jahren Leiter Bildung bei der Stiftung Speranza, die das Ziel hat, Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen ins Berufsleben zu führen. In jener Zeit hatte Jurendic auch einen viel beachteten TV-Auftritt zu diesem Thema im «Zischtigsclub».

Inzwischen gehört seine gesamte Zeit aber dem Fussball. Mit einem 40-ProzentPensum ist er beim SC Kriens angestellt, mit 60 Prozent beim Schweizerischen Fussballverband. «Dort bin ich zum einen für die Entwicklung der Spiel- und Ausbildungsphilosophie zuständig», sagt Jurendic, «zum andern der Chef über die 33 Stürmertrainer, die für den SFV tätig sind. Das geht von Stéphane Chapuisat und Adrian Knup bis zu Maurizio Lustrinelli.»

In einem Jahr wird der 37-Jährige die Uefa-Pro-Lizenz erwerben. Die Ambitionen, eine gute Trainerlaufbahn zu machen, sind vorhanden. «Aber planbar ist so etwas nicht», sagt Jurendic. «Ich möchte einfach mit meinen Qualitäten das Potenzial meiner Mannschaft abrufen und attraktiven und erfolgreichen Fussball spielen.» Fast alle Krienser haben eine Vergangenheit beim FC Luzern und sind keineswegs auf dem Kleinfeld gelandet, um hier rein hobbymässig ein bisschen zu kicken. Fanger sagt: «Wir alle sind hungrig und ehrgeizig.» Vier Trainings pro Woche sind fix, dazu bestreiten jeweils acht bis zehn Spieler am Dienstag- und Donnerstagmorgen zusätzliche Einheiten. «Wir sind an der Schwelle zum Profifussball», sagt Jurendic.

Wunsch: Rückkehr in die Challenge League

Bruno Galliker bestätigt den Wunsch, in den nächsten Jahren die Rückkehr in die Challenge League zu schaffen: «Diese Vision haben wir, doch es ist noch ein grosser Schritt.» Der Sportchef schildert, wie der SCK noch vor zwei Jahren mit 1,3 Millionen Franken Schulden vor dem Konkurs stand, wie eine Task-Force gebildet wurde und «alte» Krienser den Verein gerettet hätten. «Jetzt lebt der Verein wieder», sagt Galliker, «das Herzblut ist zurück und wir sind auf einem guten Weg.»

Vor allem dann, wenn im nächsten Jahr alles nach Plan laufen sollte und der gesamte Tribünentrakt abgerissen würde, um mit dem Bau eines neuen Stadions zu beginnen. 1,2 Millionen Franken beträgt das Budget des SC Kriens, fast die Hälfte davon wird für den Nachwuchs aufgewendet. «Ein Cupspiel gegen YB ist natürlich beste Werbung für den Klub», sagt Galliker und lobt Jurendic für dessen Fach- und Sozialkompetenz.

Dieser sagt, er habe YB gegen Lugano beobachtet, die Angst sei ihm dabei nicht in die Glieder gefahren. «In unserem Team haben sechs, sieben Spieler noch immer das Ziel, den Sprung in den Profifussball zu schaffen», sagt Jurendic. Er weiss: Eine bessere Bühne als ein Cupspiel gegen YB können sie nicht bekommen.

Meistgesehen

Artboard 1