Dass es im Fussball schnell gehen kann, ist nichts Neues. Und doch staunen bei der Entwicklung von Manuel Akanji auch langjährige Fussballbeobachter immer wieder. Den Weg von der Challenge League bis in die Champions League nahm er im Schnellzug-Tempo. Mit knapp 20 spielte er noch bei Winterthur, Anfang 2018 wechselte er vom FC Basel zu Borussia Dortmund. Dort ist er inzwischen zum Abwehrchef aufgestiegen.

Wer mit Akanji spricht, trifft auf einen Menschen, der keinerlei Starallüren hegt. Fast ein bisschen scheu steht der 23-Jährige in der Interview-Zone im Stadion Letzigrund vor den Journalisten. Ähnlich ruhig, wie er Fussball spielt, beantwortet er die Fragen. Zunächst lobt er den Teamgeist im Schweizer Team, dann Zimmerpartner Breel Embolo.

Die Frage nach seiner Rolle im Nationalteam wird ergänzt mit der Feststellung des Journalisten, dass er ja in der Startelf gesetzt sei. «Bin ich das?», fragt er lächelnd. «Ich weiss davon nichts. Ich versuche einfach immer, so Gas zu geben, wie ich das auch für Dortmund mache.»

Akanji und die Rechenkünste

Dass sich selbst der Abwehrchef von Borussia Dortmund seiner Position in der Stammelf von Vladimir Petkovic nicht sicher sein kann, ist ein gutes Zeichen für das Nationalteam.

Tatsächlich ist nicht nur Akanji in guter Form, auch die Konkurrenz ist es. Fabian Schär spielt bei Newcastle United gross auf, Nico Elvedi bei Borussia Gladbach ebenso. Von einem Problem in der Innenverteidigung ist man weit entfernt.

Dies zeigte sich beim sensationellen 5:2-Sieg über Belgien in der Nations League. Damals fehlten Akanji und der andere Stamm-Innenverteidiger Fabian Schär verletzt. Nico Elvedi und Timm Klose standen in der Startelf und zeigten, dass auch mit ihnen zu rechnen ist.

«Jenes Spiel ist bei uns in der Mannschaft inzwischen vergessen», meint dazu Akanji. «Wer diesmal spielen wird, entscheidet der Trainer. Ich bin einfach froh, zurück zu sein, weil es mir in der Nationalmannschaft gut gefällt.»

Akanji hat keine leichte Zeit hinter sich. Wegen einer Hüftverletzung fehlte er Dortmund Anfang Jahr, er wurde schmerzlich vermisst. Das Bundesliga-Topteam schlitterte in eine kleine Krise, die ausgerechnet dann zu Ende ging, als Akanji endlich wieder spielen konnte. Schon in Basel hatte er einen Kreuzbandriss rasch weggesteckt, auch diesmal zeigt er nach der Zwangspause sogleich wieder gute Leistungen.

Mit seiner ruhigen Spielweise brachte er die Ordnung in die Dortmunder Abwehr zurück. Kein Wunder, steht er nun auch bei anderen Vereinen hoch im Kurs. Deutsche Medien spekulieren bereits über einen Abgang im Sommer. Akanjis Lieblingsverein Manchester United sei eine Option, heisst es. Der Marktwert steht inzwischen bei rund 45 Millionen Schweizer Franken.

«Diese Zahlen sind mir egal», sagt der Winterthurer dazu. Dabei sind Zahlen Akanjis Leidenschaft. Spätestens seit seinem Auftritt in der SRF-Sendung «Sportpanorama» ist bekannt, dass er so gut im Kopf rechnet, wie er Fussball spielt.

Sein Kumpel Breel Embolo meint, dass ihn dies ein bisschen nervt: «Ich wurde schon gefragt, warum das nicht alle Fussballer können.» Man könnte geradeso gut fragen, warum nicht alle Fussballer so durchstarten wie Manuel Akanji.