Fussball
Der Transfer-Wahnsinn kennt keine Grenzen

In jeder Transferperiode wird noch mehr ausgegeben als jemals zuvor. Die «Nordwestschweiz» hat die Entwicklungen auf dem Transfermarkt unter die Lupe genommen.

Jakob Weber
Drucken
Breel Embolo (Schweizer Rekordtransfer) sattelt den wohlmöglich bald teuersten Transfer aller Zeiten: den Franzosen Paul Pogba.

Breel Embolo (Schweizer Rekordtransfer) sattelt den wohlmöglich bald teuersten Transfer aller Zeiten: den Franzosen Paul Pogba.

KEYSTONE

Gerade einmal 3.6 Millionen Euro bekam der FC Bayern München im Jahr 1988 für Lothar Matthäus von Inter Mailand überwiesen. 2 Millionen zahlten die Bayern vier Jahre später für die Rückhol-Aktion des Weltmeister-Captains von 1990 und Weltfussballers von 1991.

Nur eine Generation später erhält man im internationalen Fussball für drei Millionen niemanden mehr, der sich bereits einen Namen gemacht hat. Nein, es werden sogar Unsummen für Spieler investiert, die höchstens eine Option für die Zukunft darstellen könnten.

Auch in der aktuellen Transferperiode nimmt der Wahnsinn seinen Lauf. 38 Millionen bezahlte Manchester United für den 22-jährigen ivorischen Innenverteidiger Eric Bailly an den FC Villarreal. Das entspricht dem Fünffachen seines Marktwerts. Und fliegt ein Vogel, folgt direkt der Rest des Schwarms. Chelsea London holt den jungen Belgier Batshuayi für 39 Millionen, Liverpool den Senegalesen Mané für 41 Millionen. Viel Geld für Spieler, die nicht jedem geläufig sein dürften. Auch dank der unerschöpflichen Finanzkraft der Engländer gilt: Wer nicht mitbietet, verliert. So katapultieren sich die Transfersummen in immer höhere Sphären. Ein Ende ist nicht in Sicht.

1. Gonzalo Higuain, 90 Mio Euro: Der Argentinier wechselt von Napoli innerhalb der Serie A zu Juventus Turin.
14 Bilder
2. Hulk, 55.8 Mio Euro: Der Brasilianer folgt dem Lockruf des Geldes und wechselt von St. Petersburg nach China zu Shanghai.
3. Granit Xhaka, 45 Mio Euro: Der teuerste Schweizer aller Zeiten spielt in Zukunft in England für Arsenal London.
4. Henrikh Mkhitaryan, 42 Mio Euro: Der Armenier spielte bereits mit seinem neuen Klub ManU in einem Freundschaftsspiel gegen seinen alten: den BVB.
5. Sadio Mané, 41.2 Mio Euro: Der Senegalese wechselt vom FC Southampton zum FC Liverpool.
6. Michy Batshuayi, 39 Mio Euro: Der Belgier, dem an der EM ein Treffer gelang, verstärkt den FC Chelsea. Olympique Marseille kassiert ab.
7. Eric Bailly (l.), 38 Mio Euro: Manchester United zahlte für den Innenverteidiger das Fünffache seines Marktwertes an Villarreal.
7. Mats Hummels, 38 Mio Euro: Bayern München liess sich die Rückhol-Aktion des früheren Bayern-Juniors vom BVB einiges kosten. Der Top-Transfer der Bundesliga.
8. Renato Sanches (r.), 35 Mio Euro: Schon vor der EM tüteten die Bayern den Transfer von Benfica Lissabon ein. Zahlreiche Erfolgsklauseln könnten den Portugiesen noch teurer machen.
10. Miralem Pjanic, 32 Mio Euro: Der Bosnier verlässt die Roma und verstärkt das Mittelfeld des Serienmeisters Juventus.
Weitere Top-Transfers: Alvaro Morata, 30 Mio Euro: Obwohl sein Marktwert deutlich höher liegt, zahlte Real Madrid nur 30 Millionen an Juventus. Der Grund: eine Rückkaufoption
André Schürrle und Mario Götze, 30 bzw. 26 Mio Euro: Die beiden deutschen WM-Helden kommen aus Wolfsburg und München nach Dortmund.
Ilkay Gündogan hat den BVB dagegen für 27 Mio Euro in Richtung Manchester City verlassen.
Der teuerste Wechsel aller Zeiten aus der Super League, Breel Embolo (22.5 Mio Euro), schafft im internationalen Vergleich immerhin noch unter die Top 25.

1. Gonzalo Higuain, 90 Mio Euro: Der Argentinier wechselt von Napoli innerhalb der Serie A zu Juventus Turin.

Keystone

Als der Franzose Zinédine Zidane 2001 für 73.5 Millionen von Juventus Turin zu Real Madrid wechselte, rieben sich ebenfalls viele die Augen, doch irgendwo war eine solche Summe für einen Weltklasse-Fussballer noch gerechtfertigt. Auch als Cristiano Ronaldo Zidanes Rekord mit seinem Wechsel von Manchester United zu Real Madrid 2009 knackte, war es immerhin einer der besten Fussballer der Welt, der hier für eine Mondsumme von 94 Millionen über den Ladentisch ging. Das hat sich geändert.

Der Franzose Paul Pogba, gewiss ein guter Fussballer mit ausgezeichneten Voraussetzungen für eine grosse Karriere, soll jetzt angeblich für 120 Millionen Euro von Juventus zu Manchester United wechseln. Die Berater feilschen nur noch um Details. Damit wäre er mit einem Schlag der teuerste Spieler aller Zeiten. Ein 23-Jährger, der in seiner Karriere noch keinen grossen Titel gewonnen hat. Juventus hat das noch nicht eingenommene Geld übrigens schon wieder reinvestiert: in Gonzalo Higuain (90 Millionen) und Miralem Pjanic (32 Millionen).

Doch nicht nur in Europa wird zu utopischen Summen eingekauft. China verwirrt den Markt mit seinen Wucher-Preisen noch mehr. Mitläufer bekommen in China Verträge, mit denen sie nach der Karriere ausgesorgt haben. Vor allem Südamerikaner aber auch immer mehr Europäer nehmen die beinahe unausschlagbaren Angebote dankbar an. Der ersten chinesischen Transferwelle im Winter (Ramirez, Jackson Martinez oder Gervinho) folgt jetzt (Hulk, Pelle, Ujah) die nächste.

Durch das viele Geld, das aus China, England oder auch den USA in den Markt flutet, gehen auch Schweizer Top-Transfers in den Wogen unter. Die 22.5 Millionen Euro, die Schalke 04 für Breel Embolo an den FC Basel überwiesen hat, wären bis 1996 Rekord gewesen. In der aktuellen Wechselperiode fungiert der Embolo-Transfer noch auf Rang 23, doch das wird nicht so bleiben. Das Transferfenster ist noch bis Ende August geöffnet.