FC Basel

Die Helden vom 4:0 gegen den FCZ: Wenn sich zwei auf die Eier gehen

Fabian Frei und Valentin Stocker prägen den Klassiker gegen den FC Zürich auf eindrückliche Weise. Und scheinbar nicht zufällig.

Fabian Frei springt über die Bande, läuft zu den Fans. Die Hände zu Fäusten geballt. Dann springt ihm Valentin Stocker von hinten auf den Rücken. Sie jubeln, gemeinsam. Der Rest des Teams kommt nach. Es steht 3:0 im Letzigrund aus Sicht des FC Basel. Das Spiel ist entschieden. Später vielleicht, als möglich. Überraschender vielleicht, als im Vorfeld erwartet. Aber dieses Bild von Frei und Stocker, es ist ein symbolisches.

Was ist der FCB seit dem Rückrundenstart nicht kritisiert worden. Auch an dieser Stelle. Auch zurecht. Weil Akteuren wie Frei diese Führungsspielern eigene Charakteristik von Präsenz und Mentalität abhanden gekommen schien. Weil andere Führungsspieler wie Stocker fehlten, weil sie sich in Momenten der Unbesonnenheit Sperren einfingen. Und dann stehen da diese beiden Figuren. Der eine trägt den anderen auf dem Rücken. Als wollten sie sagen: wir können auch diese Mannschaft tragen, gerade wenn es schwierig ist. Und sie laufen als Erste zu den Fans, als wollten sie sagen: Wir gehen voran, die Mannschaft folgt unserem Weg.

Volle Nase und wirksame Ansprache

Gerade in diesem Klassiker tut sie das wirklich. Stocker und Frei sind es, die am Anfang und am Endpunkt einer sehr frühen Führung der Basler stehen. Stocker spielt gleich nach Anpfiff den langen Ball der rechten Seitenauslinie entlang auf Silvan Widmer, dieser findet Arthur Cabral, welcher wiederum auf Frei ablegt. Und der Routinier erzielt nach nur elf gespielten Sekunden sein erstes von drei Toren an diesem Abend. Das einzige Tor, das beim 4:0 des FCB über den FC Zürich nicht von Frei erzielt wird, schiesst –natürlich – Stocker.

Es mag Zufall sein, dass es ausgerechnet diese zwei Spieler sind. Diese zwei, die seit ihrer Rückkehr im Januar 2018 so stark polarisieren wie sonst niemand im FCB-Dress. Diese zwei, die selber den Anspruch haben, «immer mit Leistung vorne weg zu gehen», wie Frei nach Spielschluss sagt. Diese zwei haben den Ernst der Lage erkannt.

Der Captain war es, der vergangene Woche nach dem St. Gallen-Spiel die unerklärliche Leistung in Worte zu fassen versuchte, ohne selber auf dem Platz gestanden zu haben: «Die anderen waren etwas down, deshalb habe ich mich zur Verfügung gestellt.» In dieser Woche erzählt Stocker ganz offen: «Wir hatten alle die Nase voll von den zwei Niederlagen.» Er habe vor dem Anpfiff im Kreis Worte an die Mannschaft gerichtet. «Ich habe gesagt, dass wir schon zwei, drei Mal unten waren, auch in den letzten Jahren. Aber wir sind immer wieder aufgestanden.» Worte, die scheinbar etwas bewirkten bei den Mitspielern.

Geändert habe man sonst nichts, sagt Stocker. Vielleicht abgesehen von der Tatsache, dass er sich in dieser Woche mehr mit Frei ausgetauscht habe als auch schon. Diese zwei, die einst so nahe waren, Trauzeugen, sehr enge Freunde, und die sich etwas verloren haben. «Wir hatten sehr viel Kontakt vor dem Spiel. Es ist wichtig für uns, dass er gut drauf ist. Ich habe ihm gesagt, dass wir ihn brauchen. Dass ich ihn brauche», erzählt Stocker.

Mit den drei Toren habe er dies sensationell gezeigt. «Ich weiss, dass es das ist, was er kann und das sind auch mein Ansprüche an ihn», so der Captain weiter. Er habe ihm nach dem Spiel aber gesagt, «dass ich ihm nicht jedes Mal so auf die Eier gehen kann.» Wenn Frei dann kontert, «dass er das ja immer macht», sieht man auch ein verbales Zusammenspiel zwischen den beiden. Sich gegenseitig pushen, sich gegenseitig aufputschen. «Vali hat heute an mich geglaubt. Und ich war froh, dass er wieder mal auf dem Platz stand», so Frei mit einem Augenzwinkern.

Auch andere Rückkehrer tun dem FCB-Spiel gut

Natürlich sind weder er noch Stocker die Heilsbringer in schwierigen Basler Zeiten. Gerade Stocker war vor seiner Sperre nicht unbedingt in einem Leistungshoch. Aber er hat nicht Unrecht, wenn er das Wort Leichtigkeit bemüht, welche seine Rückkehr, genau so wie jene eines Arthur Cabral und eines Omar Alderete dem Spiel verliehen habe.

FCZ-Coach Ludovic Magnin spricht gar davon, dass Basel mit den Rückkehrern eine andere Mannschaft ist. Aber es darf auch nicht vergessen werden, was Frei am Samstag sagte: «Es ist auf keinen Fall alles gut jetzt.» Aber die Dynamik zwischen ihm und Stocker tut dem Rest des Teams offensichtlich gut. Vielleicht auch, weil die Last wieder auf mehrere Rücken verteilt werden kann.

Die Noten zum Spiel:

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