Europa League
Die Katerstimmung bei den Young Boys wurde weggeköpfelt

Die Berner Young Boys sind im Hoch. Und nicht zuletzt dank Milan Vilotic, der in den letzten Spielen stets zu überzeugen vermochte. Nun steht YB in der Europa League gegen Sparta Prag vor einem Endspiel.

Markus Brütsch
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Milan Vilotic kann es selber kaum glauben: Drei Tore in fünf Spielen.

Milan Vilotic kann es selber kaum glauben: Drei Tore in fünf Spielen.

KEYSTONE

Das Gespräch mit Milan Vilotic hat eben erst begonnen, als Fredy Bickel vorbeiläuft, freundlich grüsst und durch eine Tür verschwindet. Um Sekunden später wieder aufzutauchen und zu sagen: «Sie sprechen mit einem wunderbaren Spieler. Ich bin glücklich, dass Milan bei uns ist.»

Zwar hatte es bei der Rückkehr des Serben nach fünfmonatiger Verletzungspause eine peinliche 0:1-Niederlage im Cup gegen den SC Buochs abgesetzt, und auch in der Meisterschaft war ihm beim 0:1 zu Hause gegen Vaduz eine bittere Niederlage beschieden. Danach aber sind die Berner mit ihrem «neuen» Verteidiger eindrucksvoll durchgestartet. «Unser Aufschwung hat viel mit der Rückkehr von Vilotic zu tun», sagt Bickel.

Das Anliegen des Sportchefs, seine Wertschätzung für den Innenverteidiger auszudrücken, ist nachvollziehbar. Hätte Vilotic nämlich gegen Sion nicht sieben Minuten vor Schluss per Kopf den 2:1-Siegtreffer markiert, wäre Bickel nach einem 0:3 in Neapel und drei Meisterschaftsniederlagen in Folge in die Bredouille geraten: weiter an Uli Forte festhalten oder ihn entlassen? «Verschiedene Journalisten haben mir danach erklärt, ich hätte den Trainer gerettet», sagt Vilotic.

Die grosse Wende

Mehr als das. Der Treffer des 28-Jährigen sorgte nicht nur für Ruhe bei YB, sondern für die grosse sportliche Wende. Fünf weitere Pflichtspielsiege haben die Katerstimmung im Stade de Suisse weggeblasen. Sollte es Gelb-Schwarz nun auch noch gelingen, das Endspiel gegen Sparta Prag um den Einzug in die Sechzehntelfinals der Europa League zu gewinnen, dann stünde fröhlichen Weihnachten wahrlich nichts mehr im Wege.

Vilotic aber warnt. In Prag hat er bei der 1:3-Niederlage von der Ersatzbank aus gesehen, wie stark der tschechische Meister ist, der im Mai mit 13 Punkten Vorsprung auf Pilsen den Titel geholt hatte. «Das ist eine überdurchschnittliche, äusserst gut organisierte Mannschaft», sagt Vilotic. «Die Prager haben die besseren Chancen, eine Runde weiterzukommen, weil ihnen ein Unentschieden genügt.»

Überzeugt vom Riesenpotenzial

Doch der 1,90-Meter-Abwehrhüne, der bisher dreimal für die serbische Nationalmannschaft aufgelaufen ist und im kommenden Jahr auf ein Comeback hofft, sieht gleichwohl gute Gründe, weshalb YB gegen Sparta gewinnen kann: «Die Siegesserie hat uns Selbstvertrauen gegeben. Wir haben ein riesiges Potenzial.»

Vilotic hat seit seinem Transfer 2009 vom FK Cukaricki zu Roter Stern viel erlebt und einiges durchgemacht. Nach einer starken ersten Saison fiel er lange aus, nachdem ihm ein Tumor aus dem Schulterblatt wegoperiert worden war. Auch die dritte Saison stand unter keinem guten Stern, weil er sich mit Trainer Robert Prosinecki zerstritt und danach nicht mehr aufgestellt wurde.

Bei GC wieder in Schwung gekommen

Aber der Wechsel zu GC lancierte die Karriere neu. Vilotic verwandelte den letzten Penalty beim Cupsieg über Basel und nach anderthalb überzeugenden Jahren eiste ihn YB im Januar dieses Jahres für drei Millionen Franken von GC los. Doch das Debüt bei den Bernern missriet, weil Vilotic in Basel kurz vor Schluss einen spielentscheidenden Penalty verschuldete. Nach neun weiteren Einsätzen war seine Saison dann gar zu Ende: Fussverletzung, Operation, Reha und das lange Warten aufs Comeback. «Es war schwierig, die Situation zu akzeptieren», sagt Vilotic.

Jetzt aber steht er wieder auf der Sonnenseite des Fussballlebens. Drei wichtige Kopftore hat er in den letzten fünf Super-League-Spielen erzielt. «Eine solche Serie hatte ich noch nie», sagt Vilotic. Er profitiert davon, dass sich der Gegner mit Guillaume Hoarau noch auf einen zweiten Berner Kopfballspezialisten konzentrieren muss und damit meist überfordert ist. Doch Sparta ist eine harte Nuss. Es hat in 16 Ligaspielen nur sieben Gegentore kassiert. «Wir wissen, dass wir nur dann eine Chance haben, wenn wir unsere beste Leistung abrufen», sagt Vilotic.