FC Basel

Die Mitglieder sind misstrauisch: Sechs Erkenntnisse von der skurrilsten GV der Vereinsgeschichte

Er kann lachen: Reto Baumgartner ist der neue Präsident des Vereins FC Basel 1893. Das verkündete sein Vorgänger Bernhard Burgener am Montagabend in einem Video-Statement.

Er kann lachen: Reto Baumgartner ist der neue Präsident des Vereins FC Basel 1893. Das verkündete sein Vorgänger Bernhard Burgener am Montagabend in einem Video-Statement.

Es wurde spät am Montagabend. Erst um 21.32 Uhr veröffentlicht der FC Basel auf seiner Homepage eine Videobotschaft von Bernhard Burgener. Der Eigentümer und abdankende Vereinspräsident erklärt darin in 2 Minuten 15 Sekunden die wichtigsten Ergebnisse aus der schriftlich durchgeführten GV. Doch er wirft auch Fragen auf, die vorerst unbeantwortet bleiben. Eine Übersicht:

Was wir wissen:

Reto Baumgartner ist der neue Vereinspräsident des FC Basel

Bernhard Burgener verkündet im Video, was zu erwarten war. Nämlich, dass Reto Baumgartner mit grosser Mehrheit zum Präsidenten gewählt wurde. Der gebürtige Aargauer schnürte in den 90ern selbst für den FCB die Schuhe. Sein Highlight war der Aufstieg in die NLA im Jahr 1994. Seit 2009 ist Baumgartner im Vereinsvorstand. Jetzt haben ihn die Mitglieder zum neuen Vereinspräsidenten gewählt. Somit tritt Baumgartner die Nachfolge von Burgener an. Dessen Stimmanteile waren in den vergangenen drei Jahren stetig gesunken und lagen 2019 nur noch bei 65 Prozent. In diesem Jahr war Burgener wie auch CEO Roland Heri und Peter von Büren gar nicht mehr zur Wahl angetreten. Offiziell wegen der unnötigen Personalunion von Vereins- und Verwaltungsratspräsident. Inoffiziell aber wohl auch, um seiner eigenen Abwahl zuvorzukommen.

2589 Mitglieder haben bei der schriftlichen GV abgestimmt

Die Stimmen wurden über das Wochenende und bis Montagmittag ausgezählt. Das sind zwar deutlich mehr als an einer physischen GV, 2019 waren es beispielsweise 1515. Insgesamt hat der FCB aber mehr als 8000 Mitglieder. Mehr als zwei Drittel von ihnen haben sich entschieden, nicht zu wählen. Vielleicht auch, weil das auf dem schriftlichen Weg doch etwas zu komplex war.

Dominik Donzé und Benno Kaiser bleiben im Vorstand

Neben Reto Baumgartner sitzen in Zukunft nur noch zwei weitere Mitglieder im Vorstand. Die bisherigen Benno Kaiser und Dominik Donzé. Burgener sagt im Video: «Alle anderen Kandidaten haben das absolute Mehr nicht erreicht.» Damit schafft es kein einziges Mitglied des Fünfertickets von Yystoo in den Vorstand. Silvia Schenker, Jo Vergeat, Patrick Fassbind, Tobias Adler und Daniel Schreier gehen ebenso leer aus wie die Spontanbewerber Dieter Bürge, Jean-Claude D. Gerber, Peter Hablützel, Felix Sutter und Peter Walker.

Die neuen FCB-Statuten werden abgelehnt

Im Gegensatz zur Wahl des Vereinsvorstands folgen die FCB-Mitglieder hier der Empfehlung der Bewegung Yystoo. Die unter der Leitung von Roland Heri überarbeitet und modernisierten Statuten wurden abgelehnt. Burgener sagt hierzu: «Viele Mitglieder wünschen sich die Behandlung dieses Traktandums an einer physischen GV.» Hier muss der FCB nochmals über die Bücher. Gemäss Burgener sollen überarbeitete Statuten an der nächsten GV, voraussichtlich im Frühsommer 2021, erneut zur Abstimmung vorgelegt und dann angenommen werden.

Reto Baumgartner ist auch der Delegierte des Vereins in der AG

Da die neuen Statuten abgelehnt wurden und offenbar auch der Antrag von Patrick Fassbind, ist der neue Präsident Reto Baumgartner gleichzeitig auch der Delegierte. Er vertritt die Interessen des Vereins im Verwaltungsrat der AG. Burgener freut sich nach eigener Aussage auf die Zusammenarbeit mit Reto Baumgartner, den er aus gemeinsamen Jahren im Vereinsvorstand gut kennt.

Burgener und Heri werden nicht zur Wahl empfohlen

Die Mitglieder empfehlen dem Delegierten in der AG, nicht für Bernhard Burgener als Präsident und Roland Heri als Verwaltungsrat zu stimmen. Lediglich Massimo Ceccaroni soll wiedergewählt werden. Durch dieses Votum entziehen die FCB-Mitglieder Eigentümer Burgener und CEO Heri das Vertrauen. Sie werden zwar auch ohne die Stimme des Delegierten wieder in den Verwaltungsrat gewählt werden. Doch die Mitglieder zeigen damit, dass sie mit der aktuellen Führung unzufrieden sind.

Er bekommt eine Abmahnung: Bernhard Burgener soll vom Delegierten in der AG nicht zum Präsidenten des Verwaltungsrats gewählt werden. Das kommt einem Misstrauensvotum gleich.

Er bekommt eine Abmahnung: Bernhard Burgener soll vom Delegierten in der AG nicht zum Präsidenten des Verwaltungsrats gewählt werden. Das kommt einem Misstrauensvotum gleich.

Was wir nicht wissen:

Genaue Zahlen
Der FCB verkündete am Montag bis auf die Anzahl abstimmender Mitglieder keinerlei genaue Zahlen. So bleibt unter anderem offen, mit wie viel Prozent die Vorstandsmitglieder gewählt oder nicht gewählt wurden und wie viel Prozent der Mitglieder gegen die neuen Statuten waren. Diese Informationen will der Verein am Dienstag kommunizieren.

Was sagen die Gewinner und die Verlierer zu den Ergebnissen?

Der neue Vereinspräsident Reto Baumgartner wird sich erst am Dienstag zu seiner Wahl äussern. Auch von Yystoo war bis Redaktionsschluss noch keine Reaktion zu vernehmen.

Was ist mit Yystoo?

Etwas merkwürdig ist es dann doch. Bei den Statuten und der Wahlempfehlung für den Delegierten gegen Burgener und Heri folgen die FCB-Mitglieder den Empfehlungen der Bewegung Yystoo. In den Vorstand wird dann aber keiner der fünf Yystoo-Kandidaten gewählt. Hier wird das grundsätzliche Misstrauen der Mitglieder deutlich.

Vom Fünferticket von Yystoo schaffte es keiner in den Vereinsvorstand.

Vom Fünferticket von Yystoo schaffte es keiner in den Vereinsvorstand.

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