Raphael Wicky kassierte gegen St. Gallen bereits die dritte Niederlage in der Meisterschaft als Trainer des FC Basel. Platz vier ist bei Weitem nicht das, was man in Basel will und schon gar nicht was man sich gewohnt ist. Nach dem Spiel suchte ein verunsichert wirkender Wicky nach Erklärungen: "Die erste Halbzeit war enttäuschend. Wir haben nicht gezeigt, was wir uns vorgenommen haben. Das waren defensive Stabilität und mehr zu laufen, das haben wir nicht auf den Platz gebracht."

Vor allem die Art und Weise, wie die Tore kassiert wurden, kritisierte der FCB-Coach: "Wir machen St. Gallen zwei Geschenke. Das sind zwei Fehler, die uns in Rückstand bringen. In der zweiten Halbzeit haben wir eine Reaktion gezeigt, aber wir haben es nicht geschafft, früher ein Tor zu machen, obwohl die Chancen da gewesen sind. Es ist eine verdiente Niederlage anhand er ersten Halbzeit.

Manuel Akanji erklärt nach der Niederlage gegen St. Gallen die Gemütslage.

Mit Marek Suchy, Renato Steffen, Eder Balanta (alle gesperrt), Geoffroy Serey Die (verletzt) und Mohamed Elyounoussi (krank) musste er gleich auf fünf potentielle Stammspieler verzichten. Eine Ausrede sei dies jedoch nicht. "Es ist sicher nicht ideal. Aber er bringt nichts, deswegen zu heulen und wir hatten immer noch genug Qualität, um eine gute erste Halbzeit zu zeigen. Alle ausser Blas Riveros und Cedric Itten haben viel Erfahrung. Darum müssen wir nicht über die reden, die gefehlt haben, sondern über das, was nicht gut war."

Dass die Mannschaft verunsichert wirkte, konnte Wicky nicht in Abrede stellen. "Es sind verschiedene Faktoren. So, wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, haben wir noch nie zusammen gespielt. Es waren auch viele Spieler dabei, die lange nicht gespielt haben. Das ist so, wenn fünf Stammspieler fehlen, aber eben, deshalb wollen wir nicht heulen", sieht er die Gründe, um gleich anzufügen: "Wir legen St. Gallen die beiden Tore aber vor die Füsse, das darf auf diesem Niveau nicht passieren. Es sind extrem einfache Fehler, und die werden von Spielern begangen, die jeden Match gemacht haben. Das hilft nicht, um mehr Sicherheit zu bekommen."

"Da kommen wir nur gemeinsam raus"

Auch Michael Lang suchte nach der Niederlage nach Worten: "Es ist schwer das zu erklären, vor allem so kurz nach dem Spiel, wo die Enttäuschung so gross ist. Wir haben in der ersten Halbzeit das Spiel verloren, in dem wir 0:2 in Rückstand kamen. Wir sind nicht ins Spiel gekommen. In der zweiten Halbzeit haben wir dann versucht, mindestens noch ein Unentschieden zu holen."

Michael Lang zeigt sich nach der Pleite gegen St. Gallen enttäuscht.

Als er auf die Krise angesprochen wird, versucht er alles andere, als dieses Wort und die Lage schön zu reden: "Es fühlt sich ganz schlimm an. Es ist schon einfacher gewesen, Interviews zu geben. Wir kommen da nur gemeinsam raus. Am besten mit einem Heimsieg gegen den FCZ. Wir müssen alle zusammen stehen, wir müssen Männer sein und alle ein Stück mehr Verantwortung übernehmen und jeder muss versuchen, fünf oder zehn Prozent mehr zu geben, auch wenn ich da gar niemandem vorwerfen kann, dass er nicht alles gibt."

Nach der neuerlichen Niederlage liegen die Basler hinter YB, Zürich und St. Gallen gerade mal auf dem vierten Platz. "Die Tabelle gefällt mir definitiv nicht, aber ich habe auch letztes Jahr nicht auf die Tabelle geschaut und das werde ich auch jetzt nicht machen. Meisterschaften werden nicht im September und im Oktober entschieden. Von dem her bringt es gar nichts, jetzt auf die Tabelle zu schauen."

Das verlorene Selbstverständnis 

Trotzdem ist sich Lang, der das Team an diesem Abend stellvertretend für den gesperrten Suchy als Captain auf den Platz führte, bewusst, was jetzt nötig ist: "Wir brauchen Siege. Wir müssen uns das Selbstvertrauen zurückholen, das ist entscheidend in dieser Phase. Das hat man in dieser ersten Halbzeit gemerkt, dass wir ohne dieses Selbstvertrauen und ohne das Selbstverständnis vom Sieg spielen, wie wir es die letzten Jahre gehabt haben. Aber wie gesagt: Es bringt nichts, darüber zu reden: Das muss man auf dem Platz sehne, und das werden wir auch auf dem Platz zeigen."

Manuel Akanji nach der Niederlage gegen St. Gallen.

Die Schuld bei seinem Trainer und dessen falscher Worte zu suchen, ist für Lang keine Option: "Er hat uns top vorbereitet, er findet die richtigen Worte. Es ist weder für ihn noch für den Staff noch für uns eine einfache Situation, weil wir in einer ungewohnten Situation sind. Viele Spieler erleben das zum ersten Mal, diesen Druck, sei es vom Verein oder von der Mannschaft und von den Fans auch natürlich, für den wir auch selber etwas verantwortlich sind. Wir sind nicht dort, wo wir stehen wollen, und von dem her muss sich jeder an der eigenen Nase fassen, damit wir aus dieser Situation wieder raus kommen."