Zwei Tage vor vor dem letzten Akt der achten Frauen-WM gaben sich die Amerikanerinnen betont selbstbewusst. Sie hatten auch allen Grund dazu. Gegen die Niederlande, die ohne hohe Erwartungen in ihre zweite WM-Endrunde gestiegen waren und im Halbfinal gegen Schweden nur bedingt überzeugt haben, sind sie am Sonntag in Lyon klar favorisiert. "Wir wollen die Geschichte zu Ende erzählen", sagte die Stürmerin Alex Morgan, die mit sechs Treffern die Torschützenliste zusammen mit der Engländerin Ellen White anführt.

Im bisherigen Verlauf liessen die USA keine Anzeichen erkennen, dass ihr Weltmeister-Status in Gefahr stünde. Sie gewannen das als vorweggenommener Final gepriesene Duell gegen Frankreich, setzten sich gegen die zuvor überzeugenden Engländerinnen durch und feierten in der Gruppenphase mit dem 13:0 gegen Thailand einen WM-Rekordsieg. Einzig im Achtelfinal gegen Spanien (2:1), in dem sie zwei Penaltys beanspruchten, wirkten sie wirklich verwundbar.

Vorsicht ist aber angebracht, ein Zufallsprodukt ist der Finaleinzug der Niederlande nämlich nicht. Die Oranje Leeuwinnen qualifizierten sich nach zwei durchwachsenen Jahren zwar erst via Playoff gegen die Schweiz für die WM in Frankreich, reihten an Endrunden nunmehr aber 13 Siege aneinander und gefallen sich in der Rolle des Underdogs. "Ich liebe es", sagte Mittelfeldspielerin Daniëlle van de Donk. "Es ist die beste Rolle, die man haben kann." Sie gehe davon aus, von den USA unterschätzt zu werden. "In einem Spiel ist alles möglich", betonte Trainerin Sarina Wiegmann.

Auch den Männern winkt ein Titel

Medial wird "Soccer" am Sonntag insbesondere in den USA wie sonst kaum im Fokus stehen. Nach dem Final der Frauen, der an der Ostküste ab 11.00 Uhr oder in Los Angeles als Frühstücksprogramm live verfolgt werden kann, kämpfen am Abend in Chicago die Männer im Final des Gold Cup gegen Mexiko um den Titel des CONCACAF-Verbandes. Eine ähnliche Konstellation gab es bisher in keinem anderen Land. "Der 7. Juli bringt uns den perfekten Soccer Sunday", twitterte der US-Verband bereits, der mit dem Frauenteam eigentlich juristisch auf Kriegsfuss steht, seit 28 Nationalspielerinnen Klage gegen den Verband eingereicht haben. Die Frauen fordern unter anderem die gleichen Prämienzahlungen wie ihre männlichen Kollegen.

Auch darüber hinaus wurde der Weg der Amerikanerinnen von einigen öffentlichkeitswirksamen Nebengeschichten begleitet. Der private Kleinkrieg der Stürmerin Megan Rapinoe mit US-Präsident Donald Trump etwa sorgte auch jenseits des Atlantiks für Aufsehen. Dass das Nationalteam im Fall des Titelgewinns eine Einladung ins Weisse Haus annehmen würde, ist nicht wahrscheinlich. "Ich weigere mich, einen Mann zu respektieren, der keinen Respekt verdient", sagte etwa Verteidigerin Ali Krieger. Die Amerikanerinnen wollen den WM-Titel für ihr Land holen, aber nicht für ihren Präsidenten.