Fussball
Diego Benaglio: «Meine Rechnung ist voll und ganz aufgegangen»

Der Wolfsburger Goalie hat seinen Nati-Rücktritt nie bereut. Nun freut sich Bengalio auf die zweite Champions-League-Teilnahme in seiner Karriere.

Markus Brütsch, Bad Ragaz
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Diego Benaglio nimmt bereits zum achten Mal beim VfL Wolfsburg eine Bundesligasaison in Angriff und wird bald der Rekordspieler dieses Vereins sein.

Diego Benaglio nimmt bereits zum achten Mal beim VfL Wolfsburg eine Bundesligasaison in Angriff und wird bald der Rekordspieler dieses Vereins sein.

KEYSTONE

Diego Benaglio steht in der gediegenen Parkanlage vor dem Hotel Quellenhof. Geduldig gibt er dem Schweizer Fernsehen ein Interview und posiert für ein paar Aufnahmen der lokalen Fotografen. Auch eigens für das Trainingslager angereiste Wolfsburger Fans dürfen knipsen. Dann aber muss sich der Torhüter sputen. Um 17 Uhr beginnt auf dem Sportplatz Ri-Au das Training. «Wir finden in Bad Ragaz optimale Bedingungen vor», sagt Benaglio.

Im Januar 2008 aus Portugal zum VfL Wolfsburg gekommen, nimmt er seine achte volle Saison bei den Wölfen in Angriff. Im Herbst wird er VfL-Rekordspieler werden. 224 Bundesligaspiele hat er schon absolviert, acht braucht er noch, um seinen Freund Marcel Schäfer abzulösen. «Es täte mir zwar ein bisschen leid für ihn», sagt Benaglio, «aber klar bin ich auch stolz auf diese Zahl.»

«Die längeren Regenerationszeiten kommen mir entgegen»

Wie auch auf den Meistertitel 2009 und den Cupsieg, errungen Ende Mai gegen Borussia Dortmund. Dass er nach der WM in Brasilien nach 61 Einsätzen einen Schlusspunkt hinter seine Karriere als Natikeeper gesetzt habe, sei ein richtiger Entscheid gewesen, den er noch keine Sekunde bereut habe, sagt der 31-Jährige. Auch dann nicht, wenn sich seine Schweizer VfL-Teamkollegen Timm Klose und Ricardo Rodriguez wieder mal zu einem Länderspiel verabschieden. «Meine Rechnung ist voll aufgegangen. Die längeren Regenerationszeiten kommen mir entgegen», sagt Benaglio.

Goalietrainer Andreas Hilfiker sieht es genauso, will aber nicht sagen, die herausragenden Leistungen seines Schützlings in der letzten Saison seien auf die geringere Belastung zurückzuführen. Dies würde ja bedeuten, zuvor habe Benaglios Performance unter den Nati-Terminen gelitten. «Diego hat seine Leistung über all die Jahre erbracht», sagt Hilfiker. «Es ist beruhigend, als Verteidiger einen solchen Torhüter hinter sich zu wissen», sagt Klose, der sich zuletzt beim VfL einen Stammplatz erkämpft hatte. «Es ist unglaublich, welche Ausstrahlung Diego hat.»

Dass mit dem belgischen Goalietalent Koen Casteels nun ein weiterer starker Torwart zum VfL-Aufgebot gestossen ist, sehen Benaglio wie Hilfiker entspannt. «Mit der Qualifikation für die Champions League wollte der Verein die Qualität des Kaders erhöhen», sagt Hilfiker. «Aber man konnte ja lesen, dass unser Trainer gesagt hat, Benaglio sei gesetzt.» Dieser sagt, er sei nicht im Mindesten beunruhigt, Dieter Hecking könnte an der bisherigen Nummer 1 rütteln. «Ich konzentriere mich ohnehin immer nur ganz auf mich. Für mich ändert sich nichts», sagt Benaglio. Dass in Wolfsburg künftig das Barcelona-Modell angewendet werden könnte, hält Hilfiker für ausgeschlossen. Beim Champions-League-Sieger spielt der eine (Claudio Bravo) in der Liga, der andere (Marc-André ter Stegen) in der Königsklasse und im Cup.

Bengalio denkt nicht an die Bayern

Apropos: Nach sechs Jahren kehren die Niedersachsen im September in die Champions League zurück. «Die Vorfreude ist gross», sagt Benaglio. Nachdem er mit den Wölfen 2009 unter Felix Magath sensationell die deutsche Meisterschaft gewonnen hatte, waren Manchester United, Besiktas Istanbul und ZSKA Moskau die Gegner gewesen. «Damals ins Stadion Old Trafford einzulaufen, war schon speziell. Manchester war zu jener Zeit top», sagt Benaglio. Aber eigentlich spiele es für ihn keine Rolle, wie die Gegner heissen würden, sagt der VfL-Captain.

Weil es Wolfsburg nach dem grössten Erfolg in der Vereinsgeschichte in der Folge nicht geschafft hatte, sich ganz oben in der Bundesliga-Hierarchie zu etablieren, wird dieses Ziel nun jetzt angesteuert. «Wir wollen den unter Hecking vor zweieinhalb Jahren eingeschlagenen Weg fortsetzen und peilen erneut die direkte Qualifikation für die Champions League an», sagt Benaglio. «Aber es wäre falsch, wenn wir nun sagen würden, wir wollten die Bayern jagen. Das wäre nicht realistisch.»

Dass mit Rodriguez, Klose, Hilfiker und ihm selber nicht weniger als vier Schweizer in Wolfsburg unter Vertrag stehen, ist für Benaglio inzwischen nichts Besonderes mehr. «Es zeigt einfach eindrücklich, wie gut in der Schweiz gearbeitet wird.»