Bundesliga
Dortmund in der Krise - die Rivalen spenden Trost

Nach dem 0:2 gegen Frankfurt findet sich Borussia Dortmund auf dem letzten Tabellenrang wieder - und sind wortwörtlich am Tiefpunkt der bisherigen Saison angelangt. Doch ist das Formtief nur vorübergehend oder droht den Borussen gar der Abstieg?

Martin Probst
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Sindbildlich: Jürgen Klopp nimmt den enttäuschten Pierre-Emerick Aubameyang in die Arme

Sindbildlich: Jürgen Klopp nimmt den enttäuschten Pierre-Emerick Aubameyang in die Arme

Keystone

Das Schlimmste ist gestern eingetroffen. Schlimmer noch als der Sturz in den Tabellenkeller: Die Konkurrenz hat Mitleid. «Ich empfinde keinerlei Schadenfreude gegenüber dem BVB», sagte ausgerechnet Schalke-Urgestein Olaf Thon dem «Focus». Aufmunternde Worte vom Erzrivalen – der Fall von Borussia Dortmund ist tief.

Alleiniger Tabellenletzter der Bundesliga: Das war der BVB lange nicht mehr. Letztmals vor mehr als sieben Jahren. Damals aber zu Beginn der Saison. Schlusslicht nach 13 Spieltagen wie jetzt, das gab es seit der Saison 1985/86 nicht mehr. Den Ligaerhalt schaffte der Klub damals erst in der Barrage.

Die Angst vor der Zweiten Bundesliga geht auch jetzt um. BVB-Sportdirektor Michael Zorc betonte: «Wir sind mitten im Abstiegskampf angekommen, das muss jedem klar sein.» Doch dass es wirklich so weit kommen wird, kann sich kaum jemand vorstellen.

Ratlos in der Defensive

«Ich habe volles Vertrauen in die Fähigkeiten von Trainer Jürgen Klopp. Er wird die Mannschaft aus dieser Situation herausführen und sogar noch einen internationalen Tabellenplatz in Angriff nehmen», sagte Ottmar Hitzfeld, der den BVB 1997 zum Champions-League-Sieg führte, gestern auf «Sport1».

Trotzdem: Trainer Klopp erlebt mit dem BVB zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt eine veritable Krise. Seit über sechs Jahren steht der 47-Jährige in Dortmund für Erfolg. Zwei Meistertitel (2011 und 2012), ein Cupsieg (2012) und der Einzug 2013 in den Champions-League-Final verliehen ihm Heldenstatus.

Doch nun ist vieles anders. Vor allem Klopp selbst. Ex-BVB-Profi Patrick Owomoyela bezeichnete ihn im Interview auf «Sky» als ratlos und in der Defensive. Fast trotzig sagte Klopp am Wochenende: «Wenn nur das Glück zählt und ein Trainerwechsel dieses bringt, muss man mich nur anrufen, dann mache ich den Weg frei.» Doch wenn es nicht das Glück ist, das fehlt, was ist es dann? Natürlich ist die Liste der Verletzten beim BVB lang und vor allem der Ausfall von Marco Reus wiegt schwer.

Neuzugänge in der Winterpause?

Die Qualität für höhere Ansprüche ist trotzdem da. Das beweist der BVB in der Champions League, wo er als souveräner Gruppensieger in die Achtelfinals einzieht. In der Bundesliga aber haben sich die Gegner mittlerweile besser auf den von Klopp so geliebten Konterfussball eingestellt. Kommt hinzu, dass die Dortmunder nicht mehr mit der letzten Konsequenz pressen und sofort umschalten.

Dieses kurze Zögern im entscheidenden Moment ist ein Abbild des fehlenden Selbstvertrauens. Denn Konterfussball funktioniert nur, wenn er schnell ausgeführt wird. Beim BVB ist im Moment oft das Gegenteil der Fall. Und weil zudem Lewandowski-Ersatz Ciro Immobile weit weniger gut ins Spielsystem passt als der zu Bayern abgewanderte Pole, ist der Grad zwischen Top und Flop sehr schmal.

Generell haben die Verantwortlichen des BVB für einmal kein gutes Händchen bei den Transfers bewiesen. Neuzuzüge wie Adrian Ramos, Matthias Ginter, Shinji Kagawa oder Nuri Sahin sind bisher einiges schuldig geblieben. Immerhin öffnet sich schon bald das Transferfenster.

«Am Freitag ist für uns High Noon»

Die vier verbleibenden Spiele bis zur Winterpause müssen die Dortmunder aber noch so überstehen. Morgen Abend kommt das formstarke Hoffenheim zu Besuch. Ein Sieg ist für den BVB Pflicht. Auch wenn Klopp sagt: «Ich habe nie gedacht, dass mir mein Leben lang die Sonne aus dem Arsch scheint.» Eine leichte Aufhellung würde aber auch dem Trainer guttun. Abgestiegen ist er letztmals in der Saison 2006/07 mit dem FSV Mainz.

Noch ist es aber lange nicht so weit. Schliesslich beträgt der Rückstand auf Rang vier, der zur Qualifikation für die Champions League berechtigt, nur zehn Punkte. Und es gibt bereits erste Lichtblicke. Die zuletzt verletzten Leistungsträger Jakub Blaszczykowski und Mats Hummels könnten gegen Hoffenheim zurückkehren. Oder wie es Klopp sagt: «Am Freitag ist für uns High Noon. Wir müssen dann zeigen, was wir draufhaben.»

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