WM 2018
Ein bisschen Zauber – der Mann, der die Schweiz mit seinem Tor zum 1:1 gegen Brasilien wachgeküsst hat

Auf Instagram heisst er: «stevenzauber». 26 300 Follower wollen wissen, was er gerade so treibt. Und nun hat er seinem Pseudonym alle Ehre gemacht, tatsächlich etwas aus dem Hut gezaubert: Nichts weniger als den Ausgleichstreffer gegen Brasilien. Es war das Tor, dank dem die Schweiz mit Zuversicht in die zweite Turnierwoche steigt.

Christian Brägger und François Schmid-Bechtel
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Steven Zuber
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Steven Zuber
Steven Zuber auf der Anreise nach Russland.
Zuber zaubert den Ausgleich gegen Brasilien.
Zuber zaubert den Ausgleich gegen Brasilien.
Zuber zaubert den Ausgleich gegen Brasilien.
Zuber zaubert den Ausgleich gegen Brasilien.
Zuber zaubert den Ausgleich gegen Brasilien.

Steven Zuber

KEYSTONE

Den Treffer hat sich Zuber bereits mehrmals angeschaut, und natürlich bringt ihm dieser auch ein wenig Ruhm im Umfeld des Nationalteams; bisher hat man den 26-Jährigen hier eher unterschätzt und übergangen. Auch wagt es dieser an Armen und Beinen tätowierte Schweizer («das hat einfach irgendwann mal angefangen auf meinem Körper») zu sagen, die Brasilianer sollen nicht weiter an seinem Schubser vor dem Kopfballtor herumnörgeln. «Ich finde es schade, dass man so lamentieren kann. Das ist Fussball.»

Sich tiefer mit Zuber zu beschäftigen, kann also nicht schaden, zumal es durchaus möglich ist, dass er den rekonvaleszenten Admir Mehmedi im linken Mittelfeld dauerhaft, und nicht nur während dieser WM, vertritt.

Über Winterthur in die weite Welt

Zuber spielt in der Jugend für Winterthur, schafft später als 18-Jähriger bei den Grasshoppers den Durchbruch, als diese noch an der Spitze mitspielen. Vor allem fallen seine Übersteiger auf, 15 Stück pro Spiel, das muss einfach sein. Dies wiederum passt damals seinem Trainer Uli Forte nicht, der irgendwann sagt: «Vor lauter Übersteigern sieht er die Dribblings nicht.» Es sind wohl weniger diese ineffizienten Kunststücke, die ihn auf die Saison 2013/14 hin nach Russland zum ZSKA Moskau und in die Champions League tragen.

Je nach Lesart ist sein Transfer wohl mehr dem Umstand geschuldet, dass der Rekordmeister wieder einmal Geld braucht. Jedenfalls hinterlässt der Mittelfeldspieler im Osten bis heute Spuren, auch wenn er nur ein Jahr bleibt. Die einheimischen Journalisten fordern ihn an diesem Sonntagabend vehement ans Mikrofon, sie wollen ihm gratulieren zu seinem zweiten Treffer auf russischem Boden. Und sie wollen wissen, ob er sich denn als Held fühle. «Nein, nein, das bin ich ganz sicher nicht, ich bin einer von 23 Spielern», antwortet der Torschütze ein wenig verlegen – ein Wesenszug, den man oft sieht bei ihm.

Sportlich bringt Zuber jede Liga und jeder Arbeitgeber weiter. Sein Berater Milos Malenovic sagt: «Moskau war entscheidend für seine Karriere, das hat ihn enorm weitergebracht.» Seit drei Jahren läuft der Schweizer nun in der Bundesliga für Hoffenheim auf, wo er von Trainer Julian Nagelsmann in Sachen Taktik, Technik und Physis ungemein profitiert und weswegen ihn die Schweizer Nationalspieler nun «Maschine» rufen. Zuber, mit einer ehemaligen Miss Zürich verheiratet, beisst sich in der Bundesliga fest nach einer schwierigen ersten Spielzeit. Und auch nach den Jahren in Deutschland wird er kein Lauter, vielmehr wirkt er zurückhaltend, scheu gar. Auch redet er nicht so gerne in der Öffentlichkeit, es liegt ihm wohl auch nicht so.

«Er wird nicht abheben»

«Die Schweiz ist eine gute Mischung aus Kampf und Können», sagt Zuber. Ein Satz, der auf ihn selbst bestens zutrifft. Er gilt als harter Arbeiter, ehrlich, bodenständig. Er achtet auf jedes Detail und ist extrem besessen, sich ständig zu verbessern. Dabei scheut er keinen Aufwand, und auch die Übersteiger hat er noch im Repertoire, nur wendet er sie nicht mehr so oft an, weil sie keine Tore bringen.

Zuber ist also gerade en vogue, besteht da nicht die Gefahr, dass er abhebt? Malenovic verneint: «Ich war nach dem Spiel noch im Hotel des Nationalteams. Da war nichts von ausgelassener Freude auszumachen. Stattdessen spürte ich die Spannung, die in diesem Team steckt. Die ganze Mannschaft ist sehr diszipliniert, nach dem Abendessen gingen sie auf ihre Zimmer.»

Vielleicht könnte sich Zuber ja mit weiteren guten WM-Leistungen einem neuen Klub aufdrängen. Malenovic: «Gewiss löst ein WM-Tor gegen Brasilien etwas aus. Es haben sich einige Leute gemeldet. Es ist aber nicht so, dass Steven plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht wäre. Die Hürde für einen Wechsel ist hoch.» Hoffenheim ist nicht irgendwer, sondern der Dritte der abgelaufenen Spielzeit. Und Steven Zuber ist nicht mehr irgendwer. Er ist die «Maschine», der Mann mit den Übersteigern. Und der Brasil-Schreck.

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