Noch hat Peter Gilliéron seinen Rücktritt als Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes offiziell nicht verkündet. Deshalb bleibt bis dato das Restrisiko, er klammere sich weiter an sein Amt. Chancenlos wäre er mit diesem Vorhaben kaum. Selbst bei einer Kampfwahl nicht. Denn Gilliéron ist in 25 Jahren beim SFV nicht untätig geblieben, hat Allianzen geschmiedet und Netze gesponnen, die äusserst krisenresistent sind. Ausserdem hat er das Talent, Probleme einfach aussitzen zu können. Aber Gilliéron tut dem Schweizer Fussball keinen Gefallen, wenn er mit 65 seine Karriere fortsetzt.

Zum Glück gab es diese WM, mit der hitzigen Doppeladler-Diskussion nach dem Sieg gegen Serbien, dem pitoyablen Scheitern gegen biedere Schweden, dem verwegenen Vorschlag zur Abschaffung des Doppelbürgerrechts, der inakzeptablen Verweigerung des Nationaltrainers, sich in der Öffentlichkeit zu erklären, den Geschichten über Valon Behrami und dessen Sonderrechte betreffend Freizeitgestaltung mit Lara Gut und des irritierenden Versuchs des Verbandes, die Berichterstattung unabhängiger Journalisten zu steuern. Kurz: An dieser WM wurden die mannigfaltigen Bruch- und Schwachstellen schonungslos aufgedeckt. Die Mannschaft ist nicht so reif und harmonisch, wie man zu suggerieren versucht. Der Trainer nicht so souverän, wie er sich vor laufender Kamera gibt. Aber vor allem erfüllt die Führung – vom Präsidenten bis zum Medienchef – die Anforderungen nicht. Warum? Weil sie nicht führt (Miescher läuft ins offene Messer, Petkovic kann tun und lassen, was er will), weil sie den Zusatzaufwand entweder scheut oder nicht antizipiert (Brisanz des Serbien-Spiels) und weil ihre Attitüde selbstgefällig ist.

Ein Umbruch an der Spitze des SFV tut not, um weiteren Schaden zu vermeiden. Ein echter Gewinn als Präsident wäre Bernhard Heusler. Seine Führungsqualitäten und rhetorischen Fähigkeiten sind ausserordentlich. Zudem hat er die Autorität und Akzeptanz sowie den Mut und die Klugheit, neue und eigene Akzente zu setzen und nicht bloss zu verwalten, wie das nun schon seit Jahren praktiziert wird. Doch Heusler wird sich wohl erst zur Verfügung stellen, wenn Gilliéron zurücktritt. Das Risiko, in einer Kampfwahl dem amtierenden Präsidenten zu unterliegen, wird er kaum eingehen.