Es ist ein bisschen Verwunderung, die sich im St. Jakob-Park breit macht. Fans reiben sich die Augen. Staunen. Sie können es gar nicht fassen. Ihre Mannschaft führt 4:0. Ihre Mannschaft begeistert, es ist Feuer und Spielfreude zu spüren. Das auf den Platz Gezauberte ist das komplette Gegenteil dessen, was die Zuschauer am Mittwochabend haben ertragen müssen.

Mit einer spielerischen Bankrotterklärung ist man gegen Paok (0:3) untergegangen und hat die Champions League verpasst. Drei Tage später ist der FCB endlich in der neuen Saison angekommen und feiert den ersten Sieg. Dieses 4:2 gegen GC kommt so unerwartet, dass sich alle fragen: Was ist passiert? Oder viel mehr: Kann ein Trainer innerhalb von rund 48 Stunden so viel bewirken?

Kaum Trainings, viele Gespräche

Marcel Koller offensichtlich schon. Seit Donnerstag ist er Cheftrainer des FC Basel. Zuerst wurde er den Medien präsentiert, dann der Mannschaft. Bem Auslaufen am selben Tag und beim Abschlusstraining am Freitag hatte er Zeit, um das Team kennenzulernen, seine Philosophie zu vermitteln und den Spielern zurückzugeben, was sie irgendwo zwischen der titellosen Saison, dem Feyenoord-Debakel, verpatzten Start in die Meisterschaft und dem Scheitern gegen Paok verloren hat: das Selbstvertrauen.

Denn damit, sagt Koller, «hat Fussball ganz viel zu tun.» Darum hat er seinen Fokus in Teamsitzungen und Einzelgesprächen genau darauf gelegt. «Ich bin auf die Spieler zugegangen und habe sie unterstützt. Wir haben versucht herauszukitzeln, dass sie Fussball spielen können. Denn dass das so ist, haben sie auch schon gezeigt. Ich denke, das ist sehr gut aufgegangen.»

Und wie. Der FCB zeigt vor allem bis zum Platzverweis von Eray Cümart nach einer guten Stunde Spielzüge, die man lange nicht mehr gesehen hat. In der Offensive kombinieren sich Spieler durch die gegnerische Abwehrreihe, als gäbe es nichts Leichteres. Plötzlich ist wieder ein Glaube an sich und die eigenen Fähigkeiten zu spüren. Selbstvertrauen. «Das habe ich ihnen versucht zu geben. Es gibt ja sonst nichts Spezielles, kein Mittel, das ich verteilen kann.»

Koller ist eine Respektsperson

Dieses Gefühl ist es auch, das die Spieler herausstreichen. Gepaart mit Kollers «enormer Ruhe und Gelassenheit in jeder Situation», wie Torhüter Jonas Omlin sagt. «Er hat frischen Wind in die Mannschaft gebracht. Er hat die Phase, in der wir waren, nicht erlebt und konnte neutral an die Sache ran gehen», umschreibt er die vergangenen Tage und fügt an: «Seine Erfahrung tut uns sicher gut.» Fabian Frei bezeichnet Koller als «absolute Respektsperson, die mit sehr viel Erfahrung ausgestattet ist. Das merkt man, wenn er vor der Mannschaft steht.» Gerade Frei scheint dies gut zu bekommen.

Er war einer der zuletzt gescholtenen Spieler, genau so wie Luca Zuffi oder Ricky van Wolfswinkel. Allesamt sind sie unter dem neuen Coach ein erstes Mal positiv aufgefallen in dieser Saison. Koller scheint die richtigen Hebel gefunden zu haben. Am Ausgang dieses Spiels hat er grossen Anteil. Frei hat aber auch Recht, wenn er sagt, dass «wir die Art und Weise, wie wir Fussball spielen, nicht erst jetzt gelernt haben». Hilfreich war auch ein schwaches GC, das sich erst nach dem vierten Gegentor zu wehren begann, sowie das Glück, das dem FCB fremd geworden war und jetzt wieder den Weg nach Basel gefunden hat.

Ein Befreiungsschlag

Es ist aber mitnichten alles gut in Basel. Schliesslich brauchte es einen überragenden Omlin, der seinem Team mit zwei gehaltenen Penaltys drei Punkte gehalten hat. Die defensive Instabilität konnte ebenso weniger kaschiert werden wie der schlechte physische Zustand eines Teams, das nach 65 Minuten platt ist.

Das 4:2 gegen GC ist ein guter Start für den FCB. Ob es ein Befreiungsschlag ist, wird sich zeigen. Dass Koller dieser Mannschaft in dieser kurzen Zeit schon hat helfen können, war deutlich zu erkennen. Es wird spannend zu sehen, welchen Effekt er hat, wenn er erst mal ein paar Wochen da ist.